Volkswagen: Mensch und Maschine auf Elektromobilität vorbereiten

VW Wechselrichter Thermomanagement

Volkswagen wird für seine E-Autos nun auch die Pulswechselrichter sowie das Thermomanagement selbst entwickeln und fertigen. Ein Antriebssystem aus einem Guss bietet erhebliche Effizienz- und Kostenvorteile: Durch die optimale Abstimmung der Einzelkomponenten sind bis zu 20 Prozent mehr Effizienz im E-Auto möglich.

Unser Ziel ist die Technologieführerschaft auch in der E-Mobilität. Deshalb setzen wir auch auf unsere internen Kompetenzen und übernehmen nach der Batteriezelle und dem E-Motor die Entwicklung von Pulswechselrichter und Thermomanagement. Der Volkswagen Konzern gehört damit zu den ganz wenigen Autoherstellern weltweit, die künftig ein ganzheitlich optimiertes Gesamtsystem anbieten können“, sagte Thomas Schmall, Technik-Vorstand des Volkswagen Konzerns.

Wechselrichter und Thermomanagement

Der Pulswechselrichter, auch Inverter genannt, ist das Gehirn des elektrischen Antriebsstrangs und maßgeblich verantwortlich für Effizienz und Performance des E-Autos. Der Wechselrichter macht aus dem Gleichstrom Wechselstrom für den Drehstrom-Motor. Beim Rekuperieren wandelt er den Wechselstrom zurück in Gleichstrom und leitet ihn in die Batterie zurück. Je effizienter der Wechselrichter dies tut, umso weiter kommt das E-Auto. Umwandlungsverluste im Wechselrichter resultieren in Wärme, die abgeleitet werden muss. Das belastet das Thermomanagement durch zusätzlichen Energiebedarf.

Den ersten Pulswechselrichter „designed by Volkswagen“ haben die Entwickler von Grund auf neu konzipiert. Dank des Baukastenprinzips kann damit künftig die gesamte Bandbreite vom Einstiegsmotor bis zum Sportwagen mit 500 kW und mehr Leistung realisiert werden. Die Technologie wird aktuell zur Serienreife entwickelt und kann mit der nächsten MEB-Generation (MEB+) zum Einsatz kommen.

Beim Thermomanagement arbeitet Volkswagen ebenfalls an einer komplett neuen Lösungen. Wo heute eine Vielzahl von Einzelmodulen und langen Schlauchverbindungen zum Einsatz kommen, übernimmt künftig ein kompaktes, integriertes Thermo-Modul. Es steuert die gesamte Klimatisierung einschließlich der Hochvoltbatterie und hat damit großen Einfluss auf Reichweite sowie Schnellladefähigkeit des Fahrzeugs. Das neue All-in-One-Modul ist deutlich leichter, robuster und effizienter als heutige Systeme.

Bündelung in der VW Group Technology

In der Volkswagen Group Technology (ca. 70.000 Mitarbeiter) sind die konzernweiten Aktivitäten in den Bereichen Batterie, Laden und E-Komponenten gebündelt. Die Gruppe unterstützt die Konzernmarken als hausinterner Technologie-Lieferant. Auch die Tochterunternehmen PowerCo (Batterie) und Elli (Laden & Energie) sind hier angebunden. Das High-Tech-Portfolio umfasst unter anderem die Einheitszelle, die ab 2025 in den Fahrzeugen des Volkswagen Konzerns zum Einsatz kommen wird. Zum Bereich gehört außerdem das Platform Business (MEB), das die Kooperationen mit externen Partnern wie Ford oder Mahindra umfasst.

VW Mitarbeiterschulung Elektrmobilität
Werkleiter Rainer Fessel (3.v.l.), Konzernpersonalvorstand Gunnar Kilian (2.v.r.), Group Academy Leiter Ralph Linde (Mitte), stellvertretender Gesamtbetriebsratsvorsitzender Gerardo Scarpino (3.v.r.) und Mitglieder des Projektteams eröffnen den eMotionRoom bei Volkswagen

Mitarbeiter auf E-Auto-Fertigung vorbereiten

Die größte Autofabrik Europas in Wolfsburg startet eine Qualifizierungsoffensive. Nach den Pkw-Werken Zwickau und Emden wird auch Wolfsburg in den kommenden Jahren zu einer E-Fabrik werden. Dafür wurde im Werk Wolfsburg ein eMotionRoom eröffnet, in dem 22.000 Beschäftigte der Produktion in den nächsten Monaten den Transformationsprozess vom Verbrenner zum E-Auto spielerisch durchlaufen und erleben.

Der eMotionRoom ist Teil eines eintägigen Schulungsprogramms (eMotionDay), an dem bis 2025 in Wolfsburg die Beschäftigten der Produktion teilnehmen werden. Im Herbst startet in Wolfsburg mit dem VW ID.3 die Produktion eines Fahrzeugs auf der Plattform des Modularen E-Antriebs-Baukastens (MEB). Bis zum Sommer sollen rund 1.200 Beschäftigte für die ID.3 Produktion geschult werden. Im Herbst beginnt eine Teilmontage des ID.3 in Wolfsburg. Ab Mitte 2024 wird dann in Vollproduktion eine erhebliche Stückzahl des E-Autos im Stammwerk vom Band laufen.

Unsere Beschäftigten haben mit dem Prinzip des eMotionRoom bereits in Zwickau sehr gute Erfahrungen gemacht. Das Angebot kam schon dort bestens an – daher haben wir es für Wolfsburg mit aufgenommen. Der Wandel zur E-Mobilität geht nur gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen. Sie frühzeitig mitzunehmen, zu begeistern und zu qualifizieren ist absolut entscheidend für unseren Erfolg. Denn Transformation gelingt uns nur gemeinsam – und der eMotionRoom ist ein wichtiges Puzzleteil dabei“, sagt der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Gerardo Scarpino.

Lernen im Escape Room

Der eMotionRoom wurde intern von der Volkswagen Group Academy und der Werksorganisation konzipiert. Er hat drei Räume, in denen in jeweils 20 Minuten verschiedene Rätsel und Aufgaben gelöst werden müssen. Los geht es mit einer Reise zurück in das 19. Jahrhundert (Erfindung des ersten Elektromotors), der zweite Raum führt über die Geschichte des Standortes Wolfsburg in die Gegenwart (Produktion von Verbrennern). Zum Schluss folgt ein Blick in die digitale Zukunft des Autofahrens. 

Wie in klassischen Escape Rooms (engl. escape = entkommen) müssen die Teams (jeweils vier Personen) in jedem Raum verschiedene Aufgaben lösen, um den Ausgang zu öffnen. Jede Gruppe wird dabei von zwei Ausbildern der Group Academy über Videozuschaltung betreut. Der eMotionRoom ist Teil eines eintägigen eMotionDay, bei dem weitere Ausbildungsthemen – etwa die Nutzung einer VR-Brille in der Produktion oder neue Berufe wie der Inbetriebnehmer – vorgestellt werden. Der eMotionRoom soll mindestens bis Ende 2024 genutzt werden.

Mit der neuen Fertigungslinie unserer Produktion in Wolfsburg werden wir so flexibel wie noch nie zuvor“, sagt Standortleiter Rainer Fessel, „Die Montagelinie wird die erste in einem deutschen Pkw-Werk der Marke Volkswagen sein, die zeitgleich Verbrennerfahrzeuge und Modelle auf MEB-Basis auf einer Linie produzieren kann. Mit der zukünftigen SSP-Plattform (Scalable Systems Platform) wird Wolfsburg so in einigen Jahren zum Mehrplattformen-Werk von Volkswagen. Das wird ein großer Vorteil für die Auslastung des Stammwerks in den kommenden zehn Jahren. Wir sichern so die Beschäftigung im Werk Wolfsburg und geben unserer Belegschaft eine klare Perspektive für die Zukunft.

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Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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