Nach Stellantis verlässt Volvo den europäischen Automobilverband ACEA

Volvo C40 ACEA

Es gibt Streit um die Zukunftsstrategie im Auto-Verband ACEA. Bislang vereinte die European Automobile Manufacturers Association (ACEA) die Interessen von 16 Autoherstellern. Am Freitag kündigte Volvo seinen Austritt für Ende 2022 an. Es gebe Meinungsverschiedenheiten um die emissionsfreien Antriebe. Volvo will sich bis 2030 zur reinen E-Auto-Marke entwickeln. Das Tochterunternehmen Polestar ist bereits reiner E-Autohersteller und ging kürzlich in New York an die Börse.

In der Mitteilung von Volvo heißt es: “Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Nachhaltigkeitsstrategie und die Ambitionen von Volvo zum jetzigen Zeitpunkt nicht vollständig mit der Positionierung und Arbeitsweise von ACEA übereinstimmen. Wir glauben daher, dass es besser ist, vorerst einen anderen Weg einzuschlagen. Was wir als Sektor tun, spielt eine wichtige Rolle bei der Entscheidung, ob die Welt eine Chance hat, den Klimawandel einzudämmen.” Bei Volvo gab es im März 2022 einen Führungswechsel. Neuer CEO ist der Brite Jim Rowan, der zuvor bei Dyson tätig war. Doch Vorgänger Håkan Samuelsson “teerte” bereits den Weg in die Elektromobilität für Volvo.

Auch Stellantis kehrt dem ACEA den Rücken

Bereits im Juni hatte Europas zweitgrößter Autohersteller Stellantis seinen Austritt aus dem Verband verkündet. Die Entscheidung fiel kurz nachdem das EU-Parlament sich für ein Verbrennerverbot ab 2035 gestimmt hatte. Offiziell verknüpft Stellantis seinen Austritt nicht mit dieser politischen Entscheidung, doch hinter den Kulissen heißt es: Man sei von der Verbandsarbeit enttäuscht. Warum solle man hohe Mitgliedsbeiträge bezahlen, wenn die Lobbyarbeit in Brüssel nicht die gewünschten Ergebnisse erziele? Stellantis mit seinen 14 Automarken ist zwar auf Kurs in Richtung Elektromobilität, doch CEO Carlos Tavares hat immer vor einer Konzentration auf eine Antriebsart gewarnt. E-Autos seinen in der Herstellung noch zu teuer und für viele Käuferschichten in Europa unerschwinglich.

Die aktuellen Preiserhöhungen von Tesla, Ford und Rivian geben dem Stellantis-CEO recht. “Der Markt wird kollabieren, wenn E-Autos nicht günstiger werden“, sagt Stellantis-Herstellungschef Arnaud Deboeuf bei einer Firmenveranstaltung im französischen Tremery. Bis 2030 müssen die Herstellungskosten pro Fahrzeug um 40 Prozent sinken, um wettbewerbsfähig zu sein, so Deboeuf. Stellantis plant innerhalb einer Dekade mit 75 neuen batterieelektrischen Modellen. Einige der Werke in Frankreich werden komplett auf die E-Auto-Fertigung umgerüstet, dennoch möchte der Konzern die Wahlfreiheit bei den Antriebstechniken.

BMW-Chef sitzt zwischen den Stühlen

Auf der ACEA-Webseite heißt es: “ACEA is working towards a new era of mobility, where all Europeans can access affordable transport solutions that are:

  • Green & Clean
  • Smart & Efficient
  • Safe & Reliable

Eigentlich deckt diese Zielsetzung beides ab: bezahlbar und sauber. Doch der Verband kann es hier seinen Mitgliedern nicht recht machen. Vorsitzendes des europäischen Lobby-Verbands ist seit 2019 Oliver Zipse. Der BMW-CEO fährt für sein Unternehmen zweigleisig in Sachen Antrieb. Einerseits feiert er Absatzerfolge mit neuen E-Autos und plant ab 2025 die so genannte “Neue Klasse” für BMW. Alles reine E-Autos für die eine neue Fabrik in Ungarn entsteht. Auf der anderen Seite plädiert er bei jeder Rede für Technologieoffenheit. Eine Festlegung auf den batterieelektrischen Antrieb hält er für verfrüht. Er war immer gegen ein Verbrennerverbot. Der Streit zeigt, wie zerrissen der Interessenverband ist. Zu unterschiedlich sind die Meinungen in den Führungsetagen der Autohersteller. Währenddessen legt der größte deutsche Autohersteller in Salzgitter den Grundstein für die erste von sechs Batteriefabriken. Hier ist die Botschaft eindeutig: Wir erobern jetzt den Massenmarkt mit E-Autos.

Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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