Die EU-Kommission plant laut Handelsblatt Ausgleichszölle auf chinesische Plug-in-Hybride (PHEV) einzuführen. Damit reagiert Brüssel auf einen Strategiewechsel chinesischer Hersteller, die seit Einführung der E-Auto-Zölle Ende 2024 verstärkt auf PHEV-Modelle setzen, um Abgaben zu umgehen.
Wie das Schlupfloch entstand
Die EU-Sonderzölle auf chinesische Elektroautos traten am 31. Oktober 2024 in Kraft. Vorausgegangen war eine Untersuchung staatlicher Subventionen, die Brüssel als wettbewerbsverzerrend einstufte. Seitdem gelten herstellerspezifische Aufschläge-Sätze: Für BYD-Elektroautos kommen zu dem ohnehin geltenden Basiszoll von zehn Prozent weitere 17 Prozentpunkte hinzu, für Geely 18,8 Prozentpunkte. Plug-in-Hybride sind von diesen Regelungen ausgenommen und unterliegen lediglich dem regulären Einfuhrzoll von zehn Prozent.
Diese Lücke nutzten chinesische Hersteller konsequent. Vor allem BYD und MG setzten stark auf Plug-in-Hybride, um ihren Absatz in Europa auszubauen. Im Mai 2026 war BYD mit 4.290 Neuzulassungen erstmals PHEV-Marktführer in Deutschland. Laut Kraftfahrtbundesamt lag der Anteil hybrider Antriebe bei den Zulassungen der Marke BYD bei 52 Prozent. Im laufenden Jahr sind es bis einschließlich Mai 60 Prozent. Insgesamt stiegen die chinesischen Hybridimporte in die EU im vergangenen Jahr um 155 Prozent, während die Elektroauto-Einfuhren aus China im selben Zeitraum nur um zwölf Prozent zunahmen.
Kurswechsel in Brüssel
„Wir sind für Wettbewerb, doch müssen identische Bedingungen herrschen„, sagt Volkswagen-Konzern-Chef Oliver Blume vor Journalisten beim Produktionsstart von VW ID.Polo und Cupra Raval im spanischen Martorell. Die Chinesen produzieren Plug-in-Hybride in ihrem Heimatland zu deutlich geringeren Energie- und Lohnkosten. Genau diese Vorteile als auch staatliche Subventionen sollen die zusätzlichen Einfuhrzölle bei E-Autos ausgleichen.
Die EU-Kommission will daher einschreiten und in den nächsten Wochen Ausgleichszölle gegen chinesische Hybridautos verhängen. Noch im Januar hatte die Kommission entsprechende Pläne dementiert. Ein entsprechendes Antisubventionsverfahren soll laut EU-Beamten vorbereitet sein. Die Kommission könne demnach schnell handeln, sobald eine Mehrheit der EU-Staaten zustimmt.
Auch die deutsche Bundesregierung stellt sich den Plänen diesmal offenbar nicht entgegen, anders als noch bei der Einführung der E-Auto-Zölle.
Niedrigere Sätze als bei Elektroautos erwartet
Die neuen Zölle für Plug-in-Hybride sollen ebenfalls herstellerspezifisch ausfallen. Experten erwarten jedoch, dass die Sätze im Schnitt niedriger liegen als bei reinen Elektroautos, da der Batterieanteil an der Wertschöpfung eines Plug-in-Hybrids geringer ist.
Parallel dazu läuft ein weiterer handelspolitischer Prozess: Als Alternative zu den bestehenden E-Auto-Zöllen können sich chinesische Hersteller künftig zu Mindestpreisen verpflichten. Beide Mechanismen sollen parallel zur Auswahl stehen. Die EU warnte allerdings, dass die Herausgabe der entsprechenden Leitlinien nicht bedeute, dass die Zölle auf Elektrofahrzeuge abgeschafft würden.
Zölle als Symptombekämpfung
Das Vorgehen der EU-Kommission folgt einer nachvollziehbaren Logik: Wer eine Lücke lässt, riskiert, dass sie genutzt wird. Die Zahlen belegen, dass genau das passiert ist. Ob die neuen Zölle auf Plug-in-Hybride aber den gewünschten Schutzeffekt für die europäische Industrie entfalten, bleibt fraglich.
Chinesische Hersteller haben trotz der bestehenden E-Auto-Zölle ihre Expansion in Europa fortgesetzt. Sie erweitern ihre Modellpaletten in hohem Tempo und bringen neue Technologien schnell in die Serie, während europäische Anbieter mit hohen Kosten und langen Entwicklungszyklen kämpfen. Beispielsweise bietet BYD mit dem Dolphin G DM-i einen PHEV im Kleinwagen-Segment an. Hier gibt es so gut wie keinen europäischen Wettbewerber. Zölle verschieben den Wettbewerb, sie lösen das strukturelle Problem nicht.


