Ein Plug-in-Hybrid mit 105 Kilometer Elektro-Reichweite und 1.040 Kilometer Gesamtreichweite. Das sind Werte der Mittelklasse, doch der Dolphin G ist mit 4,16 m ein Kleinwagen. BYD greift damit das europäische B-Segment frontal an.
Das G stehe für Global heißt es hinter vorgehaltener Hand. „Es ist unser erstes Auto, das es nicht in China geben wird und speziell für den europäischen Markt entwickelt wurde„, sagt Alfredo Altavilla, BYDs Chef-Berater für Europa. Das chinesische Unternehmen betreibt ein Design-Studio in Mailand und ein Entwicklungszentrum in Budapest. Gefertigt wird der Dolphin G DM-i zwar noch in China, doch das könne sich ändern, sobald die BYD-Fabrik in Ungarn ihre Produktion aufnimmt.

Was steckt hinter dem DM-i?
Während klassische Parallelhybride ihren Verbrennungsmotor direkt mit den Rädern koppeln und den Elektromotor als Unterstützung zuschalten, dreht BYD die Hierarchie um: Im Dolphin G treibt primär der Elektromotor die Vorderräder an. Der 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner mit 70 kW agiert hauptsächlich als Generator. Er hält die Batterie geladen und koppelt sich nur bei Autobahnlast oder starker Beschleunigung mechanisch an die Räder.
Das Ergebnis ist ein Fahrgefühl, das näher am Elektroauto liegt als an einem konventionellen Hybrid: lineare, leise Kraftentfaltung, kein Zögern beim Anfahren. Der Elektromotor liefert 120 kW und 210 Nm Drehmoment. Das reicht für 0 auf 100 km/h in 8,3 Sekunden. Für einen Kleinwagen mit 1.555 Kilogramm Gewicht ist das ein ordentlicher Wert.

Die Reichweiten-Rechnung
Die Batterien kommen mit 7,42 oder 18,3 kWh. Mit der großen Batterie schafft man bis zu 105 Kilometer elektrische WLTP-Reichweite. Zum Vergleich: Ein VW Golf GTE oder ein Kia Niro 1.6 kommen auf 62 Kilometer. Mit vollem Tank und voller Batterie nennt BYD eine Gesamtreichweite von 1.040 Kilometern. Laut Hersteller liegt der Verbrauch bei 1,4 Litern Benzin auf 100 Kilometer. Das ist ein Normwert bei vollgeladener Batterie zu Fahrtantritt. In der Praxis liegen die Verbrauchswerte der Plug-in-Hybride herstellerübergreifend höher als angegeben.
Platzangebot wie ein Kombi
Optisch ist der Dolphin G ein echter Kleinwagen – kürzer als ein Opel Corsa, schlanker als ein Polo. Innen erzählt er eine andere Geschichte. Der Radstand von 2,61 m übertrifft alle direkten Verbrenner-Konkurrenten und der Kofferraum fasst 425 Liter. Das gelingt durch den Verzicht auf ein klassisches Getriebetunnel-Konzept: Der Gangwählhebel sitzt an der Lenksäule, zwischen den Vordersitzen entsteht so eine zweistufige Ablage mit Becherhaltern und optionaler Wireless-Ladestation.

Vier Varianten: Active, Boost, Comfort und Sport
BYD bietet den Dolphin G in vier Ausstattungslinien an. Der Einstieg Active kommt mit der kleinen 7,42-kWh-Batterie und 40 Kilometern elektrischer Reichweite – für rein städtische Pendler möglicherweise ausreichend.
Ab Boost kommt die 18,3-kWh Batterie zum Einsatz, dazu Sitzheizung, beheizbares Lenkrad, 12,8-Zoll-Infotainment und – bemerkenswert für die Klasse – Vehicle-to-Load (V2L): Das Auto kann externe Geräte mit bis zu 3,3 kW versorgen, also Kaffeemaschine, Laptop oder Campingausrüstung direkt per Steckdose betreiben. Die Batterie kann per CCS-Stecker mit Gleichstrom in 26 Minuten geladen werden (10 bis 80%).
Comfort legt Panoramadach, Head-up-Display, 360-Grad-Kamera und Google-Integration drauf. Sport schließlich ergänzt das Paket um dunklere Felgen und ein zweifarbiges Interieur mit sportlichen Sitz-Elementen in Veloursleder-Optik.
Der dritte Delfin
Der Dolphin G DM-i kommt in einem Segment, das unter extremem Kostendruck steht. Etliche Hersteller zogen sich hier mit der Begründung zurück, dass sich Elektrotechnik im Einstiegssegment nicht rechne. BYD widerlegt dies mit seinen Eigenentwicklungen bei Batterie, Motor, Leistungselektronik und Software.
Bei der Namenswahl machen sie es ihren Kunden nicht gerade einfach. Der Dolphin G DM-i ist der dritte Delfin im Programm. Der BYD Dolphin und der kleinere Dolphin Surf haben jedoch reine E-Antriebe.
Erste Auslieferungen vom Plug-in-Hybriden sind für den Frühherbst 2026 geplant. Preise hat BYD für Deutschland noch nicht kommuniziert – aber sie werden der entscheidende Faktor sein, ob der Dolphin G tatsächlich zum Marktstörer wird oder nur zu einem weiteren interessanten Auto aus China wird.










