Der Aufsichtsrat der Porsche AG hat das Zukunftspaket von Vorstandschef Michael Leiters gebilligt. Der Sportwagenbauer streicht in den kommenden Jahren rund 5.000 zusätzliche Arbeitsplätze, im Gegenzug erhalten die verbleibenden Beschäftigten eine Standort- und Beschäftigungssicherung bis Ende 2035. Parallel regelt Porsche die Nachfolge im Produktionsvorstand: Christian Friedl übernimmt Ende August das Ressort von Albrecht Reimold. Die Details des Sparpakets verhandelt das Unternehmen weiterhin mit Betriebsrat und IG Metall.
Zweite Sparrunde innerhalb von zwei Jahren
Die jetzt beschlossenen Streichungen kommen zu einem bereits laufenden Abbauprogramm hinzu. In der ersten Sparrunde hatte Porsche rund 3.900 Stellen gestrichen, unter anderem durch auslaufende Zeitverträge und Altersregelungen. Medienberichte, etwa von Automobilwoche und Manager Magazin, beziffern den zusätzlichen Abbau auf 5.000 bis 6.000 Jobs bis 2035. In Summe könnte der Personalstand damit um rund 9.000 Stellen schrumpfen. Ende 2025 beschäftigte Porsche weltweit noch etwa 42.000 Menschen.
Betroffen ist vor allem das Stammwerk in Stuttgart-Zuffenhausen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nach den bisher bekannten Eckpunkten nicht geben, der Abbau läuft über Fluktuation, Abfindungen und Vorruhestand. Die zugesagte Standortsicherung bis Ende 2035 ist der Preis, den die Arbeitnehmerseite für ihre Zustimmung verlangt. Innerhalb der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch gilt eine derart lange Beschäftigungsgarantie laut Handelsblatt als kritisch. Auch VW-Konzernchef Oliver Blume verfolgt im Gesamtkonzern einen anderen Kurs und setzt eher auf Werksschließungen.
Rendite auf sechs Prozent abgestürzt
Der Hintergrund des Pakets ist eine handfeste Ertragskrise. Porsche erwirtschaftete über Jahre eine operative Rendite von rund 15 Prozent. 2025 sackte der Wert auf sechs Prozent ab, für 2026 peilt der Vorstand 5,5 bis 7,5 Prozent an. Mittelfristig soll die Marge wieder in einen Korridor von 10 bis 15 Prozent zurückkehren.
Die Ursachen sind bekannt: Der Absatz in China ist eingebrochen, dort setzen lokale Hersteller wie BYD, Denza oder Xiaomi die deutschen Premiummarken mit technisch konkurrenzfähigen und deutlich günstigeren Elektromodellen unter Druck. Hinzu kommt eine Elektrostrategie aus der Ära Blume, die sich als zu ambitioniert erwiesen hat. Der Taycan verkauft sich schwach, der elektrische Macan bleibt hinter den Erwartungen zurück. Die eigene Batteriezellfertigung hat Porsche bereits aufgegeben. Leiters, seit Anfang 2026 im Amt, will Strukturen straffen, das Modellportfolio verkleinern und stärker auf sportliche Kernprodukte ausrichten. Nebengeschäfte stehen zum Verkauf. „Wir müssen made in Germany neu erfinden und uns unter Beweis stellen", sagte Michael Leiters, Vorstandsvorsitzender der Porsche AG, auf der Hauptversammlung.
Generationswechsel in der Produktion
Zeitgleich mit dem Zukunftspaket besetzt Porsche den Produktionsvorstand neu. Albrecht Reimold, seit Februar 2016 verantwortlich für Produktion und Logistik, geht mit 65 Jahren in den Ruhestand. Er übergibt zum 31. August 2026, dem Ende des traditionellen Betriebsurlaubs. In seine Amtszeit fielen der Anlauf des Taycan in Zuffenhausen, die Digitalisierung der Fertigung und das Management der Corona- und Halbleiterkrisen.
Nachfolger wird der 49-jährige Christian Friedl. Er leitete zuletzt die Unternehmensqualität, führte davor unter anderem das Seat-Werk in Martorell und gilt als Vertrauter von Oliver Blume. Friedl soll bereits beim Kapitalmarkttag am 7. Oktober gemeinsam mit dem übrigen Vorstand die neue Strategie präsentieren. Dort wird sich zeigen, wie Porsche die Balance zwischen Verbrennern, Hybriden und Elektroantrieben künftig gewichtet.
Fazit
Porsche kauft sich mit dem Zukunftspaket Zeit, mehr nicht. Der Stellenabbau senkt die Kostenbasis, löst aber weder das China-Problem noch die Schwäche im Elektrogeschäft. Solange der Taycan-Nachfolgeplan unklar bleibt und chinesische Wettbewerber das Premiumsegment weiter aufrollen, bleibt die Zielmarge von 10 bis 15 Prozent eine Ansage ohne Beleg. Die Standortsicherung bis 2035 ist ein starkes Signal an die Belegschaft, bindet dem Management aber für ein Jahrzehnt die Hände. Ob diese Wette aufgeht, entscheidet sich am 7. Oktober, wenn Leiters seine Strategie vorlegen muss.


