BYD Taxi-Offensive: Mit Plug-in-Hybriden gegen etablierte Konkurrenz

BYD Taxi

BYD drängt ins deutsche Taxi- und Mietwagengewerbe. Der chinesische Hersteller kombiniert dafür den Plug-in-Hybrid SEAL 6 DM-i TOURING mit einem Netzwerk aus vier Umbaupartnern und einem Lagerbestand von rund 100 einsatzbereiten Fahrzeugen. Das Angebot zielt auf ein Segment, das bislang fest in der Hand von Mercedes-Benz und Toyota ist. Die Strategie ist schlüssig, wirft aber Fragen auf: Ein Plug-in-Hybrid mit 100 Kilometern elektrischer Reichweite ist im urbanen Taxibetrieb nur ein Teilschritt zur Elektrifizierung.

Der deutsche Taximarkt gilt als konservativ. Lange Standzeiten am Halteplatz, hohe Laufleistungen und enge Margen lassen wenig Raum für Experimente. Genau hier setzt BYD an und verspricht Flottenbetreibern kurzfristig verfügbare, fertig umgebaute Fahrzeuge zu attraktiven Konditionen.

SEAL 6 DM-i TOURING: Plug-in-Hybrid als Einstiegsmodell

Im Zentrum des Angebots steht der BYD Seal 6 DM-i Touring, ein Kombi mit Plug-in-Hybridantrieb. BYD gibt eine kombinierte Reichweite von bis zu 1.350 Kilometern nach WLTP an, davon bis zu 100 Kilometer rein elektrisch. Der gewichtete kombinierte Verbrauch liegt bei 1,7 Litern auf 100 Kilometer, die CO₂-Emissionen bei 38 Gramm pro Kilometer. Relevanter für den Taxialltag ist der Verbrauch bei entladener Batterie: 5,0 Liter auf 100 Kilometer.

Diese Zahl verdient einen genauen Blick. Ein Taxi legt im städtischen Schichtbetrieb häufig 200 bis 300 Kilometer pro Tag zurück. Ohne Zwischenladung fährt der SEAL 6 DM-i dann den Großteil der Schicht im Benzinbetrieb. Die Hybridtechnologie DM-i arbeitet zwar effizient, ein lokal emissionsfreies Taxi ist das Fahrzeug im Dauereinsatz aber nicht. Toyota zeigt mit dem Corolla und dem Prius seit Jahren, dass Vollhybride im Taxigewerbe ähnliche Verbrauchswerte erreichen, ohne auf Ladeinfrastruktur angewiesen zu sein.

Atto 3 Evo und Sealion 7 folgen als Elektro-Optionen

Für Taxi-Fahrer in Deutschlands zweitgrößter Stadt bringt das Einstiegsangebot wenig. In Hamburg werden nur noch emissionsfreie Fahrzeuge für den Taxibetrieb zugelassen. Daher will BYD sein Taxi-Portfolio in Kürze um zwei vollelektrische Modelle erweitern. Der kompakte Atto 3 Evo kommt auf einen kombinierten Energieverbrauch von 16,4 bis 17,8 kWh auf 100 Kilometer. Das Mittelklasse-SUV Sealion 7 liegt in der Comfort-Ausstattung bei 19,9 kWh auf 100 Kilometer. Beide Modelle nutzen die Blade-Batterie mit Lithium-Eisenphosphat-Zellchemie, die BYD selbst fertigt und die für hohe Zyklenfestigkeit bekannt ist. Für Vielfahrer im Gewerbe ist das ein relevantes Argument.

Vier Umbaupartner sollen kurze Wege garantieren

Ein Taxi ist in Deutschland ein reguliertes Produkt. Taxameter, Dachzeichen, Notalarm und die typische Farbgebung erfordern einen fachgerechten Umbau samt Abnahme. BYD kooperiert dafür mit vier etablierten Betrieben: DIE Transform aus der Lang Gruppe in Nümbrecht, INTAX in Oldenburg, Heedfeld in Berlin und Reuss in Hamburg. Das Netzwerk deckt damit den Norden, Westen und die Hauptstadtregion ab.

Gemeinsam mit DIE Transform hält BYD zudem einen Lagerbestand von rund 100 Fahrzeugen bereit. Bereits umgebaute Taxis sollen kurzfristig verfügbar sein. Das adressiert einen Schmerzpunkt der Branche: Bei etablierten Herstellern warten Taxiunternehmen teils viele Monate auf konfigurierte Fahrzeuge.

Mit unserer neuen Taxi- und Mietwagenoffensive unterstreichen wir unser langfristiges Engagement für den professionellen Mobilitätssektor in Deutschland. Durch attraktive Angebote, innovative Antriebstechnologien und eine hohe Fahrzeugverfügbarkeit ermöglichen wir Flottenbetreibern einen wirtschaftlichen und nachhaltigen Umstieg auf die Mobilität von morgen„, sagt Carsten Schopf, Direktor B2B bei BYD Deutschland.

Angriff auf ein Traditionssegment

Der Vorstoß trifft einen Markt im Umbruch. Mercedes-Benz hat sein klassisches Taxipaket für die E-Klasse zurückgefahren, Volkswagen spielt im Segment kaum noch eine Rolle. Toyota dominiert mit seinen Hybriden, Tesla ist über Mietwagen- und Plattformdienste präsent. In London hat der elektrifizierte LEVC TX gezeigt, dass spezialisierte Angebote im Taxigewerbe funktionieren können. In diese Lücke stößt BYD mit einem Komplettpaket aus Fahrzeug, Umbau und Verfügbarkeit.

Offen bleibt die Frage nach dem Service. Ein Taxi verdient nur Geld, wenn es fährt. Werkstattdichte, Ersatzteilversorgung und Standzeiten bei Reparaturen entscheiden im Gewerbe über die Wirtschaftlichkeit. Hier muss BYD sein noch junges Händler- und Servicenetz in Deutschland erst unter Beweis stellen. Etablierte Wettbewerber haben in diesem Punkt einen strukturellen Vorsprung.

  • Foto: V. l. n. r.: Carsten Schopf, Direktor B2B bei BYD Deutschland; Thorsten Schumacher, Geschäftsführer Lang Gruppe (DIE Transform) 

Bild von Bernd Troller

Bernd Troller

Auf dem heimischen Dach seinen eigenen Kraftstoff produzieren zu können, ist für Bernd der größte Vorteil der Elektromobilität. Gut, das leise Fahren mit seinem VW ID.3 schätzt er natürlich auch.

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