Stellantis und Mobileye: Schwarmdaten sollen Hands-free-Fahren ermöglichen

Mobileye REM

Der Automobilkonzern Stellantis setzt für zukünftige Fahrerassistenzsysteme auf die Technologie des israelischen Unternehmen Mobileye. Ab 2027 sollen ausgewählte Modelle des Konzerns mit dem „Cloud-Enhanced ADAS“ ausgestattet werden.

Kern der Technologie ist eine auf Schwarmintelligenz basierende Karte, die das teilautomatisierte Fahren auch unter schwierigen Bedingungen robuster macht. Damit kauft sich Stellantis eine bewährte, datengetriebene Lösung für die nächste Generation seiner Fahrzeuge ein.

REM: Die Straße im kollektiven Gedächtnis

Die zentrale Komponente des Systems ist das sogenannte Road Experience Management, kurz REM. Dabei handelt es sich um eine hochauflösende Kartenebene, die kontinuierlich durch die Daten von Millionen bereits auf der Straße befindlicher Fahrzeuge aktualisiert wird. Mobileye gibt an, dass bereits heute über acht Millionen Fahrzeuge Daten für REM liefern und damit mehr als 95 Prozent der öffentlichen Straßen in Europa und den USA abdecken. Fünf der zehn größten Automobilhersteller weltweit beteiligen sich an dieser Datensammlung. Das System erzeugt quasi ein kollektives Gedächtnis der Straßeninfrastruktur.

Von der Kamera in die Cloud

Die technische Umsetzung ist pragmatisch und auf Skalierbarkeit ausgelegt. Fahrzeuge, die mit einem EyeQ System-on-Chip (SoC) von Mobileye ausgestattet sind, nutzen ihre Frontkamera, um anonymisierte Daten über die Umgebung zu erfassen. Das System identifiziert dabei statische Merkmale wie Fahrspurmarkierungen, Bordsteine, Zebrastreifen oder Schilder. Diese Informationen werden in die Cloud gesendet und dort zu einer globalen Karte aggregiert. Diese angereicherte Karte, die auch temporäre Gegebenheiten wie Baustellen erfassen kann, wird anschließend an die Fahrzeuge zurückgespielt und dient dem Fahrerassistenzsystem (ADAS, Advanced Driver-Assistance System) als zusätzliche Informationsquelle.

Bessere Spurführung und Hands-free-Fahren als Ziel

Für den Fahrer ergeben sich daraus konkrete Vorteile. Stellantis plant den Einsatz der Technologie vor allem für zwei Funktionen: eine verbesserte Spurführung auf Straßen ohne klare Markierungen und ein „Hands-free, Eyes-on“-Fahrsystem. Letzteres entspricht einem System der Stufe 2+, bei dem der Fahrer unter bestimmten Bedingungen, etwa auf der Autobahn, die Hände vom Lenkrad nehmen darf, den Verkehr aber weiterhin überwachen muss. Die REM-Daten liefern dem Fahrzeug dabei eine präzise Vorausschau auf den Straßenverlauf, was die Abhängigkeit von der reinen Echtzeit-Kameraerfassung reduziert. Gerade bei schlechter Sicht oder uneindeutigen Markierungen stellt dies einen signifikanten Mehrwert dar.

Fazit: Pragmatischer Schritt statt teurer Eigenentwicklung

Für Stellantis ist die erweiterte Kooperation mit Mobileye ein pragmatischer Weg, um wettbewerbsfähige Level-2-Systeme in die Breite zu bringen. Anstatt wie Tesla auf eine Eigenentwicklung zu setzen, die auf den Daten der eigenen Flotte basiert, kauft der Konzern eine etablierte Lösung ein. Mobileye zementiert damit seine Position als zentraler Datenlieferant für einen großen Teil der Automobilindustrie. Technisch bleibt das System jedoch klar im Bereich der Fahrerassistenz. Der Schritt zum autonomen Fahren der Stufe 3 oder höher erfordert eine komplexere Sensorik. Die angekündigte Technologie verbessert bestehende Komfortfunktionen, stellt aber keinen Paradigmenwechsel dar.

Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

Das könnte Dich auch interessieren:

Schreibe einen Kommentar

Anzeige

Finde die besten Leasingangebote zu deinem Wunschauto!

Drehmoment-Newsletter

Freitags alle Meldungen in Deiner Inbox!

* Angabe erforderlich
Zustellgenehmigung per:

Sie können sich jederzeit abmelden, indem Sie auf den Link in der Fußzeile unserer Newsletter klicken.

Wir nutzen Mailchimp. Wenn Sie sich über das Formular anmelden, bestätigen Sie, dass Ihre Daten zur Verarbeitung an Mailchimp übermittelt werden. Erfahren Sie mehr über die Datenschutzpraktiken von Mailchimp.

Intuit Mailchimp


Beliebte Artikel

Anzeige