Dacia Spring: Die Klamotten der Geschwister tragen

Dacia Spring

Dacia bringt die zweite Generation des Spring auf den Markt und verlegt dessen Produktion von China nach Slowenien. Das Elektroauto teilt sich Plattform, Motor und Batterie mit dem Renault E-Twingo. Das wird kein Mensch sehen, doch manche Bauteile hat man schon mal bei Renault gesehen. Marktstart ist Mitte September 2026 und die Preise beginnen bei 17.900 Euro.

Neue Plattform, bekannte Technik vom Twingo

Der neue Spring wechselt auf die Kleinwagenplattform RG-EV der Renault Group und übernimmt damit weite Teile des Technik-Baukastens, den der Konzern zuerst im Renault E-Twingo eingeführt hat. Motor und Batterie sind identisch: Ein vorn verbauter Elektromotor mit 60 kW (82 PS) und 175 Nm Drehmoment arbeitet mit einer LFP-Batterie mit 27,5 kWh nutzbarer Kapazität in Cell-to-Pack-Bauweise zusammen.

Laut Dacia reicht das für eine Reichweite von bis zu 250 Kilometern im WLTP-Zyklus, rund 25 Kilometer mehr als beim Vorgänger. Der Spring bleibt damit aber unter der Reichweite des mechanisch weitgehend baugleichen E-Twingo, was sich mit der weniger windschlüpfigen SUV-Karosserie erklären lässt.

Auch beim Laden zeigt sich die geteilte Basis: Der Onboard-Lader arbeitet serienmäßig einphasig mit 6,6 kW, was eine Ladung von 15 auf 80 Prozent in rund drei Stunden ermöglicht. An einer einfachen Haushaltssteckdose limitiert die Hausinstallation die Leistung auf 3,7 kW, wodurch sich die Ladezeit auf etwa neun Stunden verlängert. DC-Schnellladen mit bis zu 50 kW bleibt wie beim Vorgänger optional, eine Verbesserung gegenüber den bisherigen 40 kW, aber weiterhin kein Standard.

Dacia Spring

Was vom R5 fehlt: eine andere Plattform

Den Ausklappmechanismus der Heckscheibe kennt man aus dem Renault Twingo. Beim Gangwahlhebel hat man sich auch bei Renault bedient. Den gibt es so auch im Renault 4 und 5, wenn er dort auch etwas bunter sein mag. Renault, Mutterkonzern von Dacia, will damit die Preise senken. Je mehr Bauteile sich Modelle teilen, desto geringer die Kosten. Allerdings hat das Grenzen. Der Renault 5 nutzt die größere AmpR-Small-Plattform. Die Bauteile sind nicht für den Kleinstwagen gemacht.

Chinas Rolle wandert von der Fabrik ins Engineering

Die erste Spring-Generation stammte aus dem chinesischen Wuhan, gefertigt vom Kooperationspartner Dongfeng. Der rüstete den eigentlichen Verbrenner mit E-Motor und Batterie aus. Diese Fertigung endet nun, die zweite Generation läuft im Werk Novo Mesto in Slowenien vom Band – direkt neben dem Renault E-Twingo.

Chinas Einfluss verschwindet damit aber nicht aus dem Projekt. Das eigene Entwicklungszentrum der Renault Group in Shanghai, intern Advanced China Development Center (ACDC) genannt, hat das Engineering rund um den Antriebsstrang übernommen. Auch die elektrische Neuauflage des Twingos wurde hier in Rekordzeit entwickelt.

Dabei arbeitete das Zentrum für den Spring eng mit den chinesischen Partnern CATL bei der Batterieauslegung und Shanghai E-Drive beim Elektromotor zusammen. Diese Zusammenarbeit soll die Entwicklungszeit auf unter zwei Jahre drücken, obwohl Renault und Dacia in China selbst keine Fahrzeuge verkaufen.

Dacia Spring
Mit V2L-Technik externen Geräten Energie abgeben

Antrieb: solide, aber nicht durchgängig schneller

Bei der reinen Fahrleistung zeigt der Vergleich zur Vorgängergeneration ein gemischtes Bild. Der neue 60-kW-Motor beschleunigt laut Dacia-Datenblatt in 12,1 Sekunden auf 100 km/h, eine unabhängige Quelle nennt für dieselbe Antriebskombination 12,5 Sekunden. Beide Werte liegen über den 9,6 Sekunden, die das zuletzt verfügbare 75-kW-Aggregat der ersten Generation erreichte. Wer die stärkste Version des Vorgängers kannte, bekommt mit der neuen Generation also keinen spürbaren Sprint-Fortschritt, dafür aber mehr Drehmoment, eine größere Batterie und mehr Reichweite. Die Höchstgeschwindigkeit steigt von 125 auf 130 km/h, der Verbrauch soll bei 12,7 kWh/100 km im WLTP-Zyklus liegen.

Beim Gewicht bleibt der Spring mit rund 1,2 Tonnen in der Basisversion weiterhin vergleichsweise leicht, auch wenn dieser Wert etwas über dem des Vorgängers liegt. Die Karosserie wächst deutlich: 15,4 Zentimeter mehr Länge und 18,6 Zentimeter mehr Breite bringen dem Innenraum mehr Platz und dem Kofferraum bis zu 337 Liter Volumen, bei umgeklappter Rückbank bis zu 1.283 Liter.

Dacia Spring

Ausstattung, Preis und Marktstart

Um den niedrigen Einstiegspreis zu halten, verzichtet die Basisversion Expression auf Zentraldisplay, Rückfahrkamera und Navigation. Erst die höhere Ausstattung Journey bringt einen 10,1-Zoll-Touchscreen mit Media Nav Live, Rückfahrkamera und eine Keycard für den schlüssellosen Zugang. Funktionen, die der E-Twingo bietet, etwa verschiebbare Rücksitze oder ein umlegbarer Beifahrersitz, fehlen beim Spring. Auch farblich grenzt sich Dacia bewusst ab: Während Renault seine neuen Modelle in kräftigen Farbtönen anbietet, bleibt der Spring mit vier zurückhaltenden Lackierungen bewusst schlicht, offenbar um Kannibalisierung innerhalb des Konzerns zu vermeiden.

In Deutschland startet die Ausstattung Expression bei 17.900 Euro, die Version Journey bei 19.400 Euro. Damit bleibt die gesamte Modellpalette unter 20.000 Euro. Bestellbar ist der neue Spring ab dem 15. September 2026, die ersten Auslieferungen sollen kurz vor Jahresende erfolgen.

Dacia Spring

Fazit

Der neue Dacia Spring wird technisch enger an den Konzern angebunden, ohne dabei zum Premiumprodukt zu werden. Von Motor und Batterie bis zur Fertigung in Slowenien rückt er näher an den Renault E-Twingo heran, bleibt aber durch Ausstattungsverzicht und zurückhaltendes Design bewusst das günstigere, einfachere Modell im Konzernportfolio. Dass die Entwicklung maßgeblich aus dem chinesischen Forschungszentrum der Renault Group kommt, zeigt, wie sehr sich europäische Hersteller inzwischen auf chinesisches Tempo bei der Antriebsentwicklung verlassen, auch wenn die Fertigung selbst nach Europa zurückkehrt.

  • Dacia Spring
  • Dacia Spring
  • Dacia Spring
  • Dacia Spring
  • Dacia Spring
  • Dacia Spring
  • Dacia Spring
  • Dacia Spring
  • Dacia Spring
Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

Das könnte Dich auch interessieren:

Schreibe einen Kommentar

Anzeige

Newsletter

Freitags alle Meldungen in Deiner Inbox!

* Angabe erforderlich
Zustellgenehmigung per:

Sie können sich jederzeit abmelden, indem Sie auf den Link in der Fußzeile unserer Newsletter klicken.

Wir nutzen Mailchimp. Wenn Sie sich über das Formular anmelden, bestätigen Sie, dass Ihre Daten zur Verarbeitung an Mailchimp übermittelt werden. Erfahren Sie mehr über die Datenschutzpraktiken von Mailchimp.

Intuit Mailchimp


Beliebte Artikel

Anzeige