Porsche und XPeng: Neuer CO2-Pool nach Ausstieg bei Volkswagen

Porsche Taycan

Porsche verlässt den CO2-Flottenpool des Volkswagen-Konzerns und bildet für 2026 und 2027 stattdessen einen Pool mit dem chinesischen Hersteller Xpeng. Das geht aus einer offiziellen EU-Meldung vom 5. August 2026 hervor, wie Schmidt Automotive Research berichtet. Für Volkswagen bedeutet der Schritt eine Entlastung bei den Flottengrenzwerten, für Porsche steigt der regulatorische Druck die Quoten zu erfüllen. Xpeng dagegen kann mit den Gutschriften rechnen, ohne selbst emissionsärmer werden zu müssen, da sie in Europa bislang nur E-Autos auf den Markt bringen.

Warum Porsche aus dem VW-Pool ausscheidet

Ein CO2-Pool erlaubt es mehreren Herstellern, ihre Flottenemissionen für die EU-Regulierung gemeinsam zu bilanzieren. Marken mit niedrigem Verbrauch gleichen so Marken mit höherem Ausstoß aus, der Konzern muss die Grenzwerte im Schnitt einhalten statt jede Marke einzeln.

Porsche hatte diese Rolle bislang als eine der emissionsstärkeren Marken im VW-Konzern eingenommen. Der Ausstieg aus dem Konzernpool fällt in eine Phase, in der Porsche seine Elektrostrategie zurückfährt: Der Anteil batterieelektrischer Fahrzeuge an den Auslieferungen in Westeuropa ist 2026 um knapp 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken und liegt aktuell bei 30 Prozent des Absatzes, nach fast 40 Prozent im Vorjahreszeitraum. Verstärkt wird dieser Trend durch die Rückkehr einer Verbrenner-Variante des Macan, die nach einer sicherheitsrechtlichen Zulassungsanpassung 2024 zwei Jahre lang nicht verfügbar war und nun wieder ins Programm zurückkehrt.

Der Konzern insgesamt hatte 2025 den EU-Flottenzielwert von 93,6 g/km CO2 verfehlt und stattdessen einen Durchschnitt von 100 g/km erreicht. Um die im selben Jahr eingeführte Drei-Jahres-Flexibilität wieder auf einen realistischen Zielkurs zu bringen, braucht Volkswagen in den Jahren 2026 und 2027 eine Übererfüllung der Werte. Ohne Porsche als Belastungsfaktor stehen die Chancen dafür laut Schmidt Automotive Research deutlich besser, da die Produktpalette der übrigen Konzernmarken mit ihrem BEV-Fahrplan besser zum Zielpfad passt. Volkswagen vermeidet auf diesem Weg mögliche Strafzahlungen oder Kosten für regulatorisches Pooling zum Ende des Jahres 2027.

Der neue Pool mit Xpeng

Porsche bildet für die Jahre 2026 und 2027 einen offenen Pool mit Xpeng. Volkswagen hält eine Beteiligung von 5 Prozent an dem chinesischen Hersteller, der seine Marktpräsenz in Europa derzeit ausbaut. In den ersten sechs Monaten des Jahres hat Xpeng laut Datenbank von Schmidt Automotive Research knapp 20.000 Fahrzeuge in Westeuropa ausgeliefert. Mit dem Marktstart des Volumenmodells L03 rechnet das Unternehmen mit rund 50.000 Auslieferungen in der Region für das Gesamtjahr – ein Volumen, mit dem Xpeng Polestar als führenden chinesischen Premiumhersteller in Westeuropa noch in diesem Jahr überholen dürfte.

Für Xpeng bedeutet die Pool-Partnerschaft mit Porsche einen regulatorischen Vorteil, ohne dass der Hersteller dafür eigene Emissionswerte anpassen muss: Da Xpeng als reiner Elektroanbieter deutlich unter den EU-Zielwerten liegt, profitiert Porsche im Gegenzug von dessen niedrigem Flottendurchschnitt. Wie die finanziellen Konditionen des Deals ausgestaltet sind, geht aus der Meldung nicht hervor. Doch dürfte sich hier für Xpeng eine attraktive Einnahmequelle geöffnet haben. 

Xpeng L03
Xpeng L03

Offene finanzielle Belastung für Porsche

Wie stark sich der Ausstieg aus dem VW-Pool auf das Porsche-Ergebnis für 2026 und 2027 auswirkt, hängt laut Schmidt Automotive Research maßgeblich davon ab, wie erfolgreich der Hochlauf der eigenen Elektromodelle verläuft. Angesichts sinkender BEV-Anteile und der Rückkehr von Verbrennervarianten deutet die aktuelle Entwicklung eher auf eine steigende regulatorische Belastung hin als auf eine schnelle Verbesserung der Ausgangslage.

Fazit

Der Poolwechsel zeigt, wie unterschiedlich sich die Elektrostrategien innerhalb des VW-Konzerns entwickeln: Während der Konzern seinen Zielpfad ohne Porsche realistischer gestalten kann, muss die Sportwagenmarke ihre CO2-Bilanz künftig selbst verantworten und kauft sich dafür bei einem chinesischen Wettbewerber ein, der in Europa gerade selbst zur Konkurrenz für etablierte Premiummarken wird. Wie teuer dieser Weg für Porsche wird, entscheidet sich an der Geschwindigkeit der eigenen Elektrifizierung in den kommenden zwei Jahren.

Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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