VW ID. Up: Volkswagens 20.000 Euro Elektroauto bekommt einen alten Namen

VW ID. Every1

Volkswagen streicht laut einem Bericht der Motor.es die Bezeichnung ID.1 bzw. ID. Every1 und nennt sein künftiges elektrisches Einstiegsmodell ID. Up. Der Kleinstwagen soll rund 20.000 Euro kosten, auf der MEB+ Plattform mit Frontantrieb basieren und im September 2027 auf der IAA in München debütieren. Damit zielt Wolfsburg auf ein Segment, in dem Renault Twingo, Dacia Spring, Leapmotor T03 und Citroën ë-C3 verkauft werden.

Vom ID.1 zum ID. Up: Die Rückkehr klassischer Modellnamen

Volkswagen setzt seine Strategie fort, eingeführte Namen für neue Elektromodelle wiederzubeleben. Dabei war auch die Wiederbelebung des Namens Lupo im Gespräch. Doch die Entscheidung für ID. Up ist konsequent, wirft aber eine Frage auf: Ein Modell, das 280 Millimeter länger ist als der ursprüngliche Up!, trägt einen Namen, der für ein deutlich kleineres Auto stand. Mit 3.880 Millimetern Länge ordnet sich der ID. Up eher zwischen Kleinstwagen und Kleinwagensegment ein.

Nach dem ID. Polo wird der Nachfolger von ID. 4 und 5 einen bekannten Namen erhalten. Aktuell findet man etliche Videos, die darauf hindeuten, das die Wahl auf ID. Tiguan fallen könnte. Wenn man etwas weiter spekuliert: Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass aus dem ID. 7 der ID. Passat wird. Bleibt die Frage, ob es einen elektrischen Golf geben wird. Mit Sicherheit! Hier kommt der ID. 3 in Frage.

Volkswagen möchte mit bekannten Modellnamen die Hemmschwelle zur Elektromobilität senken. Langfristig dürfte auch der Zusatz ID. verschwinden. Mercedes-Benz stellt sein EQ bereits ans Ende des Modellnamen („mit EQ Technologie“ oder einfach „elektrisch“).

Technik: MEB+, LFP-Batterie und Teile aus dem ID. Polo

Die Architektur bei ID. Up ist eine reine Elektroplattform mit Frontantrieb. Die Batterie nutzt Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP) mit einer Kapazität von unter 40 kWh. LFP ist günstiger als NMC-Chemie, hat aber eine geringere Energiedichte. Bei einem Fahrzeug dieser Größe bedeutet das eine Reichweite, die eher im Bereich der Stadtnutzung liegen dürfte. Konkrete Werte zu Reichweite, Motorleistung und Ladeleistung nennt Volkswagen noch nicht. Die Hinterachse übernimmt der ID. Up vom ID. Polo, um Entwicklungs- und Fertigungskosten zu drücken.

Software aus der Rivian-Kooperation

Der ID. Up soll als eines der ersten Modelle Software aus dem Joint Venture mit Rivian erhalten. Volkswagen investiert bis zu 5,8 Milliarden US-Dollar in die Partnerschaft. Ziel ist eine zonale Elektronikarchitektur mit weniger Steuergeräten und weniger Kabelbaum, ähnlich dem Ansatz, den BMW in der Neuen Klasse verfolgt. Für einen Kleinstwagen ist das zweischneidig: Weniger Steuergeräte senken die Kosten, gleichzeitig muss die neue Softwareplattform zum Marktstart stabil laufen. Genau daran ist Volkswagen beim Sart des ID. 3 gescheitert.

20.000 Euro sind kein Alleinstellungsmerkmal

Der Zielpreis von 20.000 Euro ist das zentrale Verkaufsargument. Volkswagen hat allerdings keinen Vorsprung. Der elektrische Renault Twingo steht bereits heute unter 21.000 Euro. Der Leapmotor T03 aus der Stellantis-Kooperation und der Dacia Spring liegen bei rund 19.500 Euro, mit Aktionen und E-Prämie noch deutlich tiefer.

Der Zeitplan ist die Schwachstelle des Projekts. Während chinesische Hersteller und Renault das Segment bereits besetzen, präsentiert Volkswagen den ID. Up erst in einem Jahr und liefert danach aus. Zudem muss der Preisabstand zum ID. Polo groß genug bleiben, damit beide Modelle nebeneinander Sinn ergeben. Gefertigt wird der ID. Up im portugiesischen Werk Palmela bei Lissabon. Auch die Modelle der Urban Car Family (ID. Polo, ID. Cross, Skoda Epiq und Cupra Raval) werden in Südeuropa, in Spanien, gebaut.

Fazit

Der ID. Up ist Volkswagens Antwort auf ein Segment, das der Konzern lange wegen dünner Margen gemieden hat. Die Rezeptur ist bekannt: maximale Gleichteile mit dem ID. Polo, LFP-Batterie, Software aus der Rivian-Partnerschaft. Ob 20.000 Euro mit Gewinn machbar sind, entscheidet sich an der Fertigungsdisziplin. Bis der ID. Up 2027 auf der Bühne steht, haben Renault, Leapmotor und Stellantis das Feld weiter abgesteckt. Der bekannte Name allein wird gegen diesen Vorsprung nicht reichen.

Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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