Die Ladeinfrastruktur-Anbieter Chargecloud und Hubject bringen Plug & Charge an AC-Ladepunkte. Damit schließt sich eine Lücke: Während DC-Schnelllader die automatische Fahrzeugauthentifizierung längst unterstützen, blieb der Wechselstrom-Bereich, wo der Großteil aller Ladevorgänge stattfindet, bislang außen vor.
Technische Lücke trotz vorhandenem Standard
Plug & Charge nach ISO 15118-2 ist für AC-Laden technisch seit Jahren spezifiziert. In der Praxis setzte sich die Funktion aber fast ausschließlich an DC-Schnellladern durch. Das steht im Widerspruch zur tatsächlichen Nutzung: Der weitaus größte Teil aller Ladevorgänge findet an AC-Infrastruktur statt, in Flottendepots, auf Firmenparkplätzen, in kommunalen Netzen und im Einzelhandel. Gerade dort laden häufig dieselben Nutzer regelmäßig, ein Szenario, in dem sich eine automatisierte Authentifizierung besonders auszahlt.
Die Partnerschaft, die Chargecloud und Hubject auf der icnc26 in Berlin bekanntgeben, adressiert genau diese Lücke. Chargecloud integriert die Public-Key-Infrastruktur (PKI) von Hubject in sein Charge-Point-Management-System. CPO-Kunden von Chargecloud erhalten die Funktion damit ohne eigene technische Integration.
Zertifikat statt Karte, App oder Display
Technisch läuft die Authentifizierung über ein im Fahrzeug hinterlegtes Zertifikat. Sobald ein Fahrzeug an einen kompatiblen AC-Ladepunkt angeschlossen wird, identifiziert es sich automatisch, eine Interaktion über App, RFID-Karte oder Display entfällt. Voraussetzung sind drei Komponenten: ein ISO 15118-2-fähiger Ladepunkt, ein entsprechend ausgestattetes Fahrzeug und ein gültiger Vertrag mit einem Plug & Charge-fähigen E-Mobility-Provider, der im Fahrzeug hinterlegt ist.
Hubject stellt in dieser Konstellation die PKI als zentralen "Trust Anchor" bereit, ohne den eine standardkonforme ISO-15118-Implementierung nicht funktioniert. Zusätzlich verantwortet das Unternehmen die Zertifizierung von Hardware und Fahrzeugen und pflegt öffentlich einsehbare Listen zertifizierter Hersteller und Modelle. Chargecloud übernimmt die andere Seite: die Integration der Infrastruktur in das eigene CPMS und die betriebsfertige Bereitstellung für Ladeinfrastrukturbetreiber. Die Funktion aktiviert sich im Rollout automatisch für alle Ladepunkte, deren Hardware die Voraussetzungen erfüllt, idealerweise Hubject-zertifizierte Geräte mit vollständiger ISO-15118-2-Implementierung. Eine Pilotphase mit ersten CPOs läuft bereits.
Weniger Fehlerquellen, weniger Supportaufwand
Für Ladeinfrastrukturbetreiber verspricht die Integration zwei Effekte: eine komfortablere Nutzererfahrung und einen geringeren Supportaufwand, weil klassische Fehlerquellen wegfallen. Dazu zählen defekte oder gefälschte RFID-Karten ebenso wie ausgefallene oder bei Sonneneinstrahlung schwer ablesbare Displays. Der Ladevorgang startet automatisch beim Einstecken des Kabels. Die Elektrofahrzeuge der meisten Automobilhersteller unterstützen die Technologie bereits, die Hürde lag bislang primär auf Seiten der AC-Ladeinfrastruktur.
„Plug & Charge hat sich auf DC-Schnellladern bewährt, aber das eigentliche Potenzial liegt im AC-Bereich, wo die große Mehrheit aller Ladevorgänge stattfindet und wo oft dieselben Fahrzeuge regelmäßig laden", sagt Oliver Adrian, COO & CRO der Chargecloud GmbH. Hubject-CEO Christian Hahn ergänzt die Perspektive auf das tatsächliche Ladeverhalten: „Die meisten Autofahrer laden zu Hause oder am Arbeitsplatz, nicht unterwegs. Durch die Ausweitung von Plug & Charge auf das AC-Netzwerk von Chargecloud wird dieses nahtlose Erlebnis genau dort möglich, wo die Menschen tatsächlich am häufigsten laden.“



