Der chinesische Staubsauger- und Reinigungsroboter-Hersteller Dreame Technology stellt sein Automobilgeschäft ein. Das Projekt “Starry Sky” wird liquidiert, keine 18 Monate nach dem offiziellen Markteintritt. Übrig bleibt eine Handvoll Mitarbeiter, die Lieferantenschulden abwickeln und die Firmenauflösung organisieren.
Vom Bugatti-Rivalen zur Marketingblase
Dreame kündigte seinen Einstieg in den Automarkt im August 2025 an und positionierte sich von Beginn an als Herausforderer von Bugatti. Im Januar 2026 zeigte das Unternehmen auf der CES in Las Vegas seinen Nebula 1 und Star Matrix unter der neu gegründeten Marke Kosmera. Mitarbeiter am Messestand berichteten von Plänen einer Fertigung in Deutschland. Im April folgte in San Francisco die Präsentation der Nebula Next 01 Jet Edition, intern und in der Presse als “Rocket Car” bezeichent.
Die technischen Eckdaten lasen sich beeindruckend: 0 auf 100 km/h in 0,9 Sekunden, ein Antriebssystem mit einem maximalen Schub von 100 kN, eine Feststoffbatterie auf Sulfidbasis mit einer Energiedichte von über 450 Wh/kg und eine CLTC-Reichweite von mehr als 550 Kilometern. Werte, die selbst etablierte Hersteller mit jahrzehntelanger Entwicklungsarbeit nicht erreichen.

Ein Modell ohne Fahrgestell
Wie sich jetzt herausstellt, war das gezeigte Fahrzeug nicht fahrbereit. Laut einem Bericht von China Economy, der sich auf ehemalige Mitarbeiter beruft, fehlte dem auf der CES präsentierten Auto ein Fahrgestell. Bewegt wurde es per Fernsteuerung. Das “Rocket Car”-Modell stammt demnach von einem Modellbau-Unternehmen aus Shanghai und kostete mehrere Hunderttausend US-Dollar. Nachträglich rüstete Dreame das Modell mit einem Fahrwerk und Schubdüsen-Attrappen aus, um für die Kameras einen authentischen Auftritt zu inszenieren.
Ehemalige Angestellte beschreiben zudem eine verkehrte Reihenfolge im Entwicklungsprozess: Statt zunächst in Forschung und Entwicklung zu investieren und daraus ein Produkt zu formen, mussten Mitarbeiter zuerst Finanzierungsrunden abschließen, bevor überhaupt Budget für die technische Entwicklung freigegeben wurde. Ein früherer Mitarbeiter berichtet, das Unternehmen habe mit hohen Gehältern und aufgeblähten Jobtiteln gezielt Fachkräfte von etablierten Automobilherstellern abgeworben, der Fokus habe dabei klar auf der Kapitalbeschaffung gelegen, nicht auf der Produktion.

Behörden schauen genauer hin
Zum schnellen Niedergang trug auch regulatorischer Druck bei. Lokale Behörden untersuchten die Verwendung der Investitionsgelder und schränkten in der Folge die freie Verfügbarkeit staatlicher Fördermittel für das Unternehmen ein. Auf dem Höhepunkt beschäftigte die Automobilsparte fast 1.000 Mitarbeiter. Seit Mai baute Dreame in mehreren Wellen Stellen ab, übrig blieben wenige Dutzend Beschäftigte aus den Bereichen Finanzen, Recht und Personal, zuständig für die Abwicklung.
Rückzug auf´s Kerngeschäft
Dreame-CEO Yu Hao, bekannt für einen flachen Hierarchien und einen ausgeprägt unternehmerischen Ansatz, steuert das Unternehmen nun zurück zu seinen ursprünglichen Stärken. Übrig bleiben die vier Kernbereiche: Staubsaugroboter, Rasenmähroboter, Elektro-Zweiräder, Haartrockner sowie die “Magic Atom”-Robotik-Sparte. Trotz des Ausstiegs aus dem Automobilgeschäft hält das Unternehmen an seinen Börsenplänen fest. Das Unternehmen wurde 2017 in der Nähe von Shanghai gegründet und ist auch Deutschland mit seinen Haushaltsgeräten präsent.
Fazit
Der Fall Dreame reiht sich ein in eine Liste branchenfremder Player, die mit spektakulären Ankündigungen in den chinesischen Automarkt drängten und an der Realität scheiterten. Anders als Xiaomi, das mit dem SU7 einen ernstzunehmenden Marktauftritt hinlegte. Bereits nach 28 Monaten waren 500.000 Exemplare seines SU7 ausgeliefert hatten. Xiaomi plant für 2027 den Einstieg in den deutschen Automarkt, was das Unternehmen bei der IFA im September in Berlin ankündigen wird.





