Im Werk von Seat & Cupra in Martorell bei Barcelona hat der Volkswagen-Konzern die Serienfertigung zweier Elektroautos aufgenommen: ID. Polo und Cupra Raval. Zur Feier kamen aus der spanischen Politik Ministerpräsident Pedro Sánchez sowie Kataloniens Präsident Salvador Illa I Roca. VW-Konzernchef Oliver Blume sowie VW-Markenchef Thomas Schäfer und Seat-Cupra-CEO Markus Haupt waren beim Produktionsstart ebenfalls dabei.
Der Termin markiert nach Konzernangaben einen Wendepunkt: Martorell soll im Zusammenspiel mit den VW-Werken in Pamplona und Valencia zum europäischen Zentrum für Elektromobilität werden. Mehr als drei Milliarden Euro hat Seat & Cupra allein in den Standort investiert; zusammen mit PowerCo und weiteren Partnern fließen im Rahmen des Projekts „Future: Fast Forward“ insgesamt zehn Milliarden Euro in die Elektrifizierung Spaniens.
Vier Modelle auf einer Plattform
Der strategische Kern des Vorhabens ist die sogenannte „urbane Elektrofahrzeugfamilie“: vier vollelektrische Modelle von drei Marken, alle auf einer gemeinsamen MEB Entry-Plattform gebaut und alle in Spanien produziert. Der ID.Cross sowie der Skoda Epiq werden im VW-Werk Navarra bei Pamplona gefertigt. Die Zellfertigung der PowerCo erfolgt ab 2027 im Werk in Valencia.
Das ist neu für den Konzern – erstmals leitet Seat & Cupra ein markenübergreifendes Projekt dieser Größenordnung. Thomas Schäfer zufolge ermöglicht die gemeinsame Plattform Kosteneinsparungen von 600 Millionen Euro bei gleichzeitig klar voneinander differenzierten Fahrzeugen.
Für VW ist das Vorhaben auch industriepolitisch bedeutsam. Blume betonte bei der Veranstaltung, der Konzern setze bewusst auf eine „Made in Europe“-Strategie – als Antwort auf den wachsenden Druck durch chinesische Hersteller, die mit erheblich günstigeren Kostenstrukturen in den europäischen Markt drängen.

Der Polo wird elektrisch
Der Volkswagen ID. Polo ist die vollelektrische Neuinterpretation eines der meistverkauften Autos der Konzerngeschichte – mehr als 20 Millionen Polo wurden bislang weltweit abgesetzt. Das neue Modell wurde komplett neu entwickelt und soll mit einer WLTP-Reichweite von bis zu 454 Kilometern, kompakten Außenmaßen und vergleichsweise großzügigem Innenraum punkten.
Technisch bemerkenswert: Der ID. Polo unterstützt Vehicle-to-Load (V2L), kann also externe Geräte wie E-Bikes mit Strom versorgen. Außerdem an Bord: ein „Connected Travel Assist“ mit automatischer Ampelerkennung und One-Pedal-Drive. VW positioniert das Fahrzeug als erschwingliches Einstiegsmodell für die Elektromobilität in Europa. Allerdings ist das Basismodell Polo Trend erst ab Mitte Juli 2026 zum Startpreis von 24.995 Euro bestellbar. Bei Cupra startet das Angebot mit der Endurance-Variante ab 31.790 Euro. Das Basismodell ab 25.950 Euro folgt später. Beide E-Autos kommen mit der großen 52 kWh Batterie. Die kleinere 37 kWh LFP-Batterie kommt mit den Basisversionen.

Cupra Raval: Sportlicher Stadtstromer
Bei einer Länge von vier Metern setzt der Cupra Raval, benannt nach einem Stadtteil in Barcelona, auf eine sportliche Silhouette mit einem fahrerorientierten Innenraum, 3D-gestrickten CUP-Bucket-Sitzen und dynamischen Lichtprojektionen in den Türverkleidungen. Drei Ausführungen wird es geben, die Reichweite liegt bei rund 450 Kilometern.
Für die Marke Cupra kommt der Raval zu einem guten Zeitpunkt: Acht Jahre nach dem Launch hat die Challenger-Marke nach eigenen Angaben mehr als eine Million Fahrzeuge verkauft. Das erste Quartal 2026 war das bislang beste in der Unternehmensgeschichte, der März der umsatzstärkste Monat überhaupt. Mit dem Raval will Cupra seinen Marktanteil in Europa weiter in Richtung drei Prozent ausbauen.
Strategische Bedeutung für den Konzern
Hinter dem Produktionsstart steckt mehr als neue Modelle: Der VW-Konzern kämpft seit Jahren mit Überkapazitäten, Kostendruck und dem Einbruch seines China-Geschäfts. Das Projekt in Martorell ist eines der wenigen positiven Signale in dieser Phase – und ein Beleg dafür, dass der Konzern seine Ankündigung, erschwinglich und wettbewerbsfähig zu werden, zumindest in Teilen einlöst.
Blume formulierte es in Martorell entsprechend kämpferisch: „Auch wenn sich der globale Wettbewerb verschärft, glauben wir an unseren Heimatmarkt Europa.“ Das Werk in Martorell produziert künftig flexibel Elektro-, Hybrid- und hocheffiziente Verbrennerfahrzeuge – ein Ansatz, der angesichts der noch zögerlichen Elektro-Nachfrage in Teilen Europas pragmatisch erscheint.






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