Der Camping-Spezialist Eifelland baut den vollelektrischen Nissan Interstar-e zum Reisemobil um und zeigt das Ergebnis auf dem Caravan Salon in Düsseldorf. Vollelektrische Wohnmobile sind noch eine Ausnahme. Der Relax getaufte Camper koppelt eine 87-kWh-Batterie mit klassischem Wohnmobil-Ausbau. Dabei bleibt der Relax im Format eines Vans und verzichtet auf sperrige Alkoven-Aufbauten. Der Einstiegspreis liegt bei 89.900 Euro.
Reichweite und Ladeleistung
Die 87-kWh-Batterie liefert laut WLTP bis zu 410 Kilometer Reichweite – allerdings nur für das Basisfahrzeug. Eifelland weist darauf hin, dass der Reisemobilumbau davon abweichende Werte erreicht. Zusatzgewicht durch Aufbau, Möbel und Zuladung drückt die reale Reichweite eines Campers erfahrungsgemäß spürbar unter den Wert des Basisfahrzeugs. Konkrete Angaben für den umgebauten Relax fehlen bislang.
Beim Laden zeigt sich der Interstar-e zeitgemäß: An DC-Schnellladern nimmt er bis zu 130 kW auf, für das AC-Laden steht serienmäßig ein 22-kW-Onboard-Charger bereit. Der Elektromotor leistet 105 kW (143 PS) bei einem maximalen Drehmoment von 300 Nm – Werte, die für den Alltagsbetrieb eines Transporters ausreichen, im Vergleich zu leistungsstärkeren Elektro-Vans der Konkurrenz aber im Mittelfeld liegen.
Ausbau und Zuladung: Kompromisse beim Gewicht
Innen setzt Eifelland auf ein festverbautes Bett mit Lattenrost und einer Liegefläche von rund 1,90 x 1,60 Metern. Dazu kommen eine Küchenzeile mit 90-Liter-Kühlschrank, Induktionskochfeld, Spülbecken und einem Innenausbau aus Echtholz. Der Stauraum fällt mit knapp 2,6 Kubikmetern kompakt aus.
Beim Gewicht zeigt sich, welchen Tribut die Batterie fordert: Das Leergewicht liegt bei 3.065 Kilogramm, das zulässige Gesamtgewicht bei 3.500 Kilogramm. Damit bleiben für Passagiere, Gepäck und Campingausrüstung maximal 435 Kilogramm Zuladung. Wer den Camper mit vier Personen und voller Ausstattung nutzt, muss genau kalkulieren – ein bekanntes Problem bei elektrischen Wohnmobilen, deren Batteriegewicht direkt von der Nutzlast abgeht.
Vier Sitze, variable Anordnung
Der Umrüster erweitert den Relax um zwei herausnehmbare Einzelsitze, die sich frei im Fahrgastraum positionieren lassen. Wer allein oder zu zweit unterwegs ist, gewinnt so mehr Platz im Küchenbereich, ohne auf die Option eines Viersitzers zu verzichten.
Eine Besonderheit ist die Stromversorgung der Heizung: Die serienmäßige Standheizung von Truma läuft über die Vehicle-to-Load-Funktion direkt an der Hochvoltbatterie des Fahrzeugs. Nach Herstellerangaben verbraucht sie wenig Energie und ermöglicht autarkes Heizen, ohne die Reichweite spürbar zu belasten. Eine externe Stromversorgung auf dem Campingplatz wird damit für die Heizung überflüssig – in der Praxis bleibt jedoch abzuwarten, wie stark sich das bei niedrigen Außentemperaturen tatsächlich auf die verfügbare Fahrreichweite auswirkt.
Assistenzsysteme und Serienausstattung
Basis des Relax ist die Ausstattungslinie N-Connecta des Interstar-e. Dazu zählen Klimaautomatik, kabellose Anbindung von Apple CarPlay und Android Auto sowie eine induktive Ladeschale. Für das Rangieren auf Campingplätzen oder in engen Gassen stehen Rückfahrkamera, Einparkhilfe vorne und hinten sowie ein 360-Grad-Flankenschutz bereit.
Bei den Assistenzsystemen listet Nissan einen autonomen Notbremsassistenten mit Fußgänger- und Radfahrererkennung, einen Müdigkeitsassistenten, einen Spurhalteassistenten sowie einen Seitenwindassistenten. Ein Teil dieser Systeme erfüllt laut Hersteller die Vorgaben der EU-Verordnung GSR2, teils übertrifft er die Mindestanforderungen für Neufahrzeuge.
Fazit: Enge Grenzen bei der Zuladung
Der Eifelland Relax zeigt, dass sich Elektroantrieb und Wohnmobilbau grundsätzlich verbinden lassen, ohne dass Reisemobile dabei zwangsläufig zu Alkoven-Kolossen anwachsen müssen. Die reale Reichweite unter Camping-Bedingungen bleibt offen, und die Zuladung von maximal 435 Kilogramm setzt der Praxistauglichkeit Grenzen. Mit einem Einstiegspreis von 89.900 Euro positioniert sich der Relax im Premiumsegment elektrischer Camper – ein Segment, das bislang nur wenige Anbieter besetzen und in dem belastbare Reichweitenangaben für den fertigen Aufbau eher die Ausnahme als die Regel sind.















