JLR: Nur Jaguar bleibt auf reinem Elektrokurs

JLR

JLR hat auf seinem Investor Day in Gaydon die nächste Phase seiner Reimagine-Strategie vorgestellt. Der britische Premiumhersteller korrigiert dabei seinen Kurs: Statt konsequent auf Vollelektrifizierung zu setzen, führt JLR bei Range Rover und Defender künftig auch Vollhybride (HEV) ein.

Das Unternehmen reagiert damit auf schwächelnde Nachfrage nach reinen Elektromodellen in bestimmten Märkten und richtet den Blick verstärkt auf den nordamerikanischen Markt.

EMA-Plattform bekommt Hybrid-Option

Die neue Electrified Modular Architecture (EMA), die im Werk Halewood in Merseyside gebaut wird, soll künftig neben dem Batterieelektroantrieb (BEV) auch eine Vollhybrid-Option (HEV) erhalten. Das ist eine klare Kurskorrektur. Ursprünglich war EMA als Plattform für reine Elektromodelle konzipiert worden.

Das erste EMA-Modell stammt von der Marke Range Rover und soll noch in diesem Jahr vorgestellt werden. Es folgt damit auf den Range Rover Electric und den Range Rover Sport Electric, die auf der bestehenden MLA-Plattform in Solihull gefertigt werden. Als zweites EMA-Fahrzeug ist ein neues Modell der Defender-Familie bestätigt, das ebenfalls HEV- und BEV-Optionen erhalten soll.

Der HEV-Antrieb ist bei JLR bislang nicht im Portfolio vertreten. Er ergänzt die bestehenden Optionen Mild Hybrid (MHEV), Plug-in-Hybrid (PHEV) und Vollelektro (BEV). Damit bietet Range Rover künftig das gesamte Spektrum aller gängigen Antriebsformen an.

Jaguar bleibt rein elektrisch

Jaguar verfolgt dagegen weiterhin eine andere Strategie: Die Marke wird JLRs rein elektrische Marke und wird künftig ausschließlich in Solihull produziert. Der neue viertürige Gran Turismo mit dem Namen Type 01 soll noch in diesem Jahr enthüllt werden. Jaguar steht damit für eine klare Positionierung, während sich die anderen Marken im Konzern flexibler aufstellen.

Discovery soll ebenfalls weiterentwickelt werden und Antriebsflexibilität erhalten, konkrete Ankündigungen stehen aber noch aus.

Nordamerika als Wachstumsmotor

JLR hat mit Stellantis ein nicht bindendes Memorandum of Understanding unterzeichnet, um Möglichkeiten zur Produkt- und Technologiekooperation speziell für den US-Markt zu erkunden. Der Fokus liegt dabei auf der Marke Defender. Hintergrund ist, dass der Defender in Nordamerika erhebliches Potenzial hat, dort aber bislang keine lokal entwickelten Varianten angeboten werden.

Das US-Geschäft soll mittelfristig so groß werden wie das gesamte heutige JLR-Unternehmen. Das klingt ehrgeizig, ist aber angesichts des Volumens des amerikanischen Luxus-SUV-Markts nicht unrealistisch. Wettbewerber wie BMW (X5, X7) oder Mercedes-Benz (GLE, GLS) sind dort deutlich tiefer verankert als JLR.

Da wir uns in einer entscheidenden Phase der Umsetzung unserer Reimagine-Strategie befinden und in den nächsten zwei Jahren fünf neue Produkte über unser umfassendes Markenportfolio auf den Markt bringen werden, ist es nun an der Zeit, unseren Plan weiterzuentwickeln, um den globalen Märkten eine größere Auswahl an Antriebslösungen zu bieten und so Wachstum zu generieren und unsere Widerstandsfähigkeit zu stärken„, sagt P.B. Balaji, Chief Executive Officer JLR.

Kostenreduktion: 1,7 Milliarden Pfund einsparen

Parallel zur Wachstumsstrategie setzt JLR auf Kostendisziplin. Über sogenannte „Enterprise Missions” sollen in den kommenden zwei Jahren 1,7 Milliarden Pfund eingespart werden. Das Ziel ist, den Breakeven-Punkt auf rund 300.000 Fahrzeuge zu senken. Die Maßnahmen betreffen Materialkosten, Garantieaufwendungen und Fixkosten. Darüber hinaus will JLR durch KI-gestützte digitale Infrastruktur sowie eine breitere Diversifizierung seiner Lieferketten Resilienz aufbauen.

Das bestehende Investitionsversprechen von 18 Milliarden Pfund bis zum Geschäftsjahr 2029 in Fahrzeugplattformen, Technologien und Transformation bleibt bestehen.

Pragmatismus schlägt Purismus

JLR vollzieht mit dieser Strategieaktualisierung einen Schritt, den andere Hersteller schon früher gegangen sind: weg von starren Elektrifizierungsplänen, hin zu marktgerechter Antriebsflexibilität. Dass Range Rover und Defender künftig auch als Vollhybride kommen, ist kein Rückschritt, sondern eine realistische Antwort auf Kaufzurückhaltung, die sich in mehreren Schlüsselmärkten abzeichnet. Die Entscheidung, Jaguar als reine Elektromarke zu positionieren, schafft dagegen Klarheit. Ob der Type 01 dieses Versprechen einlöst, entscheidet sich spätestens Ende des Jahres.

Die Kooperation mit Stellantis für den US-Markt ist ein ungewöhnlicher Schritt für einen Premiumhersteller, zeigt aber, dass JLR die strukturellen Nachteile gegenüber etablierten US-Playern wie GM und Ford ernst nimmt.

Bild von Bernd Troller

Bernd Troller

Auf dem heimischen Dach seinen eigenen Kraftstoff produzieren zu können, ist für Bernd der größte Vorteil der Elektromobilität. Gut, das leise Fahren mit seinem VW ID.3 schätzt er natürlich auch.

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