Laut CAM Electromobility Report 2026 beschleunigt der europäische Pkw-Markt seinen elektrischen Umbau. Von Januar bis Mai 2026 wurden in Europa (EU + EFTA + UK) insgesamt 1,84 Millionen Elektro-Pkw neu zugelassen, BEV und PHEV zusammen. Das entspricht einem Anteil von 31,6 Prozent an allen Neuzulassungen und markiert einen neuen Höchststand. Allein im Mai kletterte der kombinierte Elektro-Anteil auf 34,0 Prozent, der zweithöchste jemals in Europa gemessene Wert.
Besonders dynamisch wächst das Segment der reinen Batteriefahrzeuge. Mit 1,25 Millionen BEV-Zulassungen liegt das Plus gegenüber dem Vorjahreszeitraum (0,95 Millionen) bei 31,2 Prozent. Im Europaschnitt ist damit mehr als jeder fünfte Neuwagen vollelektrisch. Plug-in-Hybride kommen auf 594.000 Einheiten, ein Zuwachs von 25 Prozent.

BEV-Anteil überschreitet dauerhaft die 20-Prozent-Marke
Der monatliche Verlauf zeigt eine klare Richtung nach oben, allerdings mit merklichen Ausschlägen. Im Dezember 2025 erreichte der BEV-Anteil 26,3 Prozent, bevor er im Januar 2026 auf 19,7 Prozent zurückfiel. Zum Jahresanfang typische Kaufzurückhaltung und auslaufende Förderprogramme in einzelnen Märkten erklären die Delle. Ab März zieht die Kurve wieder an und liegt im Mai bei 23,3 Prozent. Der PHEV-Anteil bewegt sich seit Mitte 2025 stabil zwischen 9,5 und 10,7 Prozent ohne nennenswerten Trend nach oben. CAM-Studienleiter Stefan Bratzel wertet das als Zeichen einer Übergangsphase: Plug-in-Hybride spielen weiterhin eine wichtige Rolle, was auf unterschiedliche Kundenpräferenzen und Förderlogiken in den einzelnen Ländern hinweist.
Deutschland beim Volumen vorn, Skandinavien bei der Quote
Im Volumenranking führt Deutschland mit 283.949 BEV-Neuzulassungen (+40,9 Prozent) klar vor Großbritannien (220.629, +24,3 Prozent) und Frankreich (185.711, +55,4 Prozent). Das starke Wachstum in Deutschland fällt auf, nachdem der Markt 2024 durch den abrupten Wegfall der staatlichen Kaufprämie eingebrochen war. Die Erholung deutet darauf hin, dass günstigere Einstiegspreise und ein breiteres Modellangebot die fehlende Förderung teilweise kompensieren.
Ein anderes Bild zeigt sich beim BEV-Anteil an den nationalen Neuzulassungen. Norwegen erreicht 98 Prozent, Dänemark 80,1 Prozent, Finnland 47,7 Prozent und Schweden 40,8 Prozent. Diese Märkte profitieren von jahrelang konsistenter Förderpolitik, gut ausgebauter Ladeinfrastruktur und überdurchschnittlichen Einkommen. Deutschland kommt gemessen an der Bevölkerungsgröße auf einen vergleichsweise bescheidenen BEV-Anteil, liegt aber beim absoluten Volumen unangefochten an der Spitze. Bratzel fasst es so: Mit einem BEV-Anteil von über 20 Prozent werden Elektrofahrzeuge in Europa zunehmend zum „neuen Normal“ – die Unterschiede zwischen den Ländern bleiben aber weiterhin groß.

VW hält die Führung, verliert aber intern den Takt
Im Gesamtmarkt wurden von Januar bis Mai 2026 in Europa 5,82 Millionen Pkw neu zugelassen (+4,5 Prozent). Der Volkswagen-Konzern behauptet mit 1,50 Millionen Einheiten die Marktführerschaft, wächst aber nur um ein Prozent. Intern laufen die Marken auseinander: Škoda (+11 Prozent) und Audi (+6,7 Prozent) legen zu, während VW-Pkw (–4 Prozent), CUPRA (–4,2 Prozent), SEAT (–4,1 Prozent) und Porsche (–14,1 Prozent) Verluste verbuchen. Stellantis kommt auf 905.444 Einheiten (+5,3 Prozent), wobei Opel besonders kräftig zulegt.
Zu den Verlierern des Zeitraums zählen die Renault Group (–5,4 Prozent), Hyundai (–2,4 Prozent) und Toyota (–2 Prozent). BMW und Mercedes stabilisieren ihre Marktanteile mit leichtem Plus. Unterschiedliche Signale kommen von den US-Herstellern: Ford verliert massiv (–16,9 Prozent), Tesla setzt seinen Erholungskurs fort (+57,2 Prozent).
Chinesische Hersteller: Wachstumsraten, die aufhorchen lassen

Das markanteste Signal des Berichtszeitraums kommt aus China. Chinesische Hersteller erreichen zusammen 619.353 Einheiten in Europa, ein Anstieg von 61,2 Prozent. Die Geely-Gruppe (176.676, +6,5 Prozent), SAIC (141.490, +11,6 Prozent) und BYD (135.307, +145 Prozent) führen das Feld an. Die höchsten Wachstumsraten erzielen Chery (+316 Prozent) und Leapmotor (+552 Prozent), beides Marken, die in Europa noch vor wenigen Jahren kaum eine Rolle spielten.
Für etablierte Hersteller bedeuten diese Zahlen Zugzwang. Bratzel bringt es auf den Punkt: Die Automobilindustrie befindet sich nicht in einer normalen zyklischen Marktphase, sondern mitten in einer tiefgreifenden Transformation. Wer bei elektrischen Fahrzeugen, Software, Kosten und Kundenerlebnis nicht wettbewerbsfähig ist, werde Marktanteile verlieren und könnte mittelfristig aus dem Markt gedrängt werden.
Fazit: Der Massenmarkt ist erreicht, der Wettbewerb verschärft sich
Die Zahlen des CAM belegen, dass Europas Elektromobilität keine Nischenerscheinung mehr ist. Ein BEV-Anteil von dauerhaft über 20 Prozent zeigt, dass der Massenmarkt erreicht ist. Problematisch für europäische Hersteller ist das Tempo, mit dem chinesische Anbieter Volumen aufbauen. BYD mit +145 Prozent und Leapmotor mit +552 Prozent sind keine Ausreißer, sondern ein strukturelles Signal. Die Transformation betrifft laut CAM nicht nur die Antriebstechnologie, sondern ordnet die gesamte Herstellerlandschaft neu. Wer Preis, Reichweite und Software nicht gleichzeitig im Griff hat, dürfte den Rückstand kaum noch aufholen.


