Geely bringt mit dem E2 ein kompaktes Elektroauto nach Deutschland, das ab 19.990 Euro startet und im September 2026 ausgeliefert wird. Der Wagen basiert auf dem chinesischen Bestseller Xingyuan und trifft mit Heckantrieb, Mehrlenker-Hinterachse und bis zu 345 Kilometern WLTP-Reichweite auf eine Konkurrenz, die diesen Preis bislang nicht bedient. Zugleich befeuert der Marktstart die politische Debatte um die deutsche E-Auto-Prämie.
Mit Ladeguthaben von EnBW für 10.000 km
Der Geely E2 ist in Belgien bereits bestellbar, die Auslieferung beginnt dort im September. Deutschland folgt kurz darauf. Der reguläre Preis der Einstiegsversion Pro liegt bei 19.990 Euro, die Ausstattungslinien Max und Ultra kosten 23.990 beziehungsweise 26.990 Euro. In Belgien staffelt Geely die Preise etwas anders: Dort verlangt der Hersteller regulär 21.490 Euro für den Einstieg, senkt den Preis mit einem Einführungsrabatt von 2.000 Euro aber auf 19.490 Euro. Wie lange dieser Nachlass gilt, teilt Geely nicht mit.
Zum Marktstart in Deutschland legt Geely zusätzlich einen EnBW-Ladeguthaben-Voucher im Wert von 621 Euro bei. Diese Summe entspricht rechnerisch den Ladekosten für 10.000 Kilometer Fahrleistung bei einem Verbrauch von 15,9 kWh pro 100 Kilometer und einem EnBW-Tarif von 0,39 Euro pro kWh. Damit dürfte ein Großteil der Käufer im ersten Jahr kaum eigene Stromkosten tragen. Verkauft wird der E2 in China unter dem Namen Xingyuan und war dort 2025 mit 465.775 verkauften Einheiten das meistverkaufte Auto des Landes. Im ersten Halbjahr 2026 verteidigte das Modell mit 194.159 Einheiten erneut die Spitzenposition.

Technische Daten: Heckantrieb und LFP-Zellen
Technisch stützt sich der E2 auf die Global Smart New Energy Architecture, kurz GEA, die Geely als konzernweite Elektroplattform für Kompaktmodelle nutzt. Bei 4.135 mm Länge, 1.805 mm Breite und 1.580 mm Höhe bewegt sich der Wagen im Format eines klassischen Kleinwagens, der Radstand von 2.650 mm schafft für die Fahrzeugklasse ungewöhnlich viel Raum im Innenraum. Das Leergewicht liegt je nach Ausstattung zwischen 1.290 und 1.365 Kilogramm.
Den Antrieb übernimmt ein Permanentmagnet-Synchronmotor an der Hinterachse. In der Pro-Version leistet er 60 kW (82 PS), Max und Ultra bekommen 85 kW (116 PS). Die Höchstgeschwindigkeit begrenzt Geely bei allen Varianten auf 130 km/h, was für ein Fahrzeug dieser Klasse ausreicht, aber keine Reserven für die Autobahn lässt. Als Energiespeicher kommen LFP-Akkus mit 35,35 kWh (Pro) oder 47,14 kWh (Max und Ultra) zum Einsatz, die WLTP-Reichweiten von 252 respektive 345 Kilometern ermöglichen. An der Gleichstromsäule lädt die große Batterie mit bis zu 80 kW, die kleine mit maximal 60 kW. Der Sprung von 10 auf 80 Prozent dauert bei der großen Batterie 26 Minuten, beim kleineren Akku zieht sich der Ladehub von 10 auf 100 Prozent auf 5,3 Stunden. Zur Ladeleistung am Wechselstromanschluss äußert sich Geely nicht, aus den genannten Zeiten lässt sich aber ableiten, dass kein dreiphasiger 11-kW-Lader verbaut ist.

Bemerkenswert ist die Fahrwerkstechnik: Der E2 kombiniert Heckantrieb mit einer Mehrlenker-Hinterachse, eine Konstellation, die in dieser Preisklasse sonst kein Hersteller anbietet. Geely gibt einen Wendekreis von 9,9 Metern an und wirbt mit einer Fahrwerksabstimmung, die eigens für europäische Straßen entwickelt worden sei. Beim Platzangebot punktet der Kompaktwagen mit 375 Litern Kofferraumvolumen, das sich auf 1.320 Liter erweitern lässt, einem 70-Liter-Frunk unter der Fronthaube sowie 28 Litern Zusatzstauraum im Heck. Zur Serienausstattung zählen ein 14,6-Zoll-Touchscreen, ein 8,8-Zoll-Kombiinstrument, das Infotainmentsystem Flyme Auto mit Apple CarPlay und Android Auto, Over-the-Air-Updates, Vehicle-to-Load sowie sieben Airbags. Geely gewährt acht Jahre Garantie beziehungsweise bis 200.000 Kilometer.
Einstiegssegment gerät unter Druck
Der Geely E2 positioniert sich klar unterhalb etablierter Modelle. Der BYD Dolphin Surf startet in Deutschland bei 22.990 Euro, der Citroën ë-C3 Urban Range bei 20.140 Euro. Der Leapmotor B03X ruft 24.900 Euro auf, ebenso viel wie der Renault 5 in Belgien. Der Renault Twingo bewegt sich mit 19.990 Euro exakt auf dem Niveau der Geely-Einstiegsversion, bietet dabei aber deutlich weniger Innenraum und keinen Frunk. Der VW ID. Polo und der MG2 stehen als künftige Rivalen in den Startlöchern, doch ist der MG 2 noch nicht am Markt. Der E2 unterbietet damit nicht durchgehend jeden Konkurrenten im Preis, verschafft sich aber über Ausstattung, Platzangebot und Reichweite in der Max-Version einen Vorteil, den kaum ein Wettbewerber in dieser Preisklasse liefert.

"Wie Weihnachten und Ostern zugleich"
Der günstige Einstiegspreis macht den E2 zu einem naheliegenden Kandidaten für die staatliche E-Auto-Prämie. Bis zum 4. August gingen beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle bereits 102.539 Förderanträge ein, mehr als 28.000 davon sind bewilligt. Rund 90 Prozent der Anträge betreffen vollelektrische Fahrzeuge. Genau hier entzündet sich die Debatte: Kritiker befürchten, dass die Förderung überwiegend chinesischen Herstellern zugutekommt, deren Fahrzeuge komplett außerhalb Europas produziert werden. Auch Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research in Bochum sieht Nachbesserungsbedarf. Die aktuelle Ausgestaltung der Prämie wirke wie "Weihnachten und Ostern zugleich für ausländische Hersteller."
Fazit: Europäische Lücke
Der Geely E2 liefert für unter 20.000 Euro mehr Ausstattung und Reichweite, als der Markt bislang in dieser Preisklasse kennt, und legt damit offen, wie groß die Lücke ist, die europäische Hersteller im Budgetsegment hinterlassen haben. Technisch überzeugt vor allem die Kombination aus Heckantrieb und Mehrlenkerachse, während die auf 130 km/h begrenzte Höchstgeschwindigkeit und die fehlenden Angaben zur AC-Ladeleistung zeigen, dass Geely an anderer Stelle spart.
Ob die Bundesregierung die E-Auto-Prämie an europäische Wertschöpfungskriterien knüpft, entscheidet in den kommenden Monaten mit darüber, wie stark chinesische Hersteller das deutsche Einstiegssegment noch aufmischen können. Für VW, Renault und Citroën bleibt der Handlungsdruck in jedem Fall bestehen.
Fotos: Geely


