Das Münchner Unternehmen Sono Motors hat seinen operativen Geschäftsbetrieb eingestellt und ein Insolvenzverfahren eröffnet. Damit endet nach dem Versuch ein Solar-Elektroauto auf den Markt zu bringen, auch die Bemühung, sich als B2B-Zulieferer für Solartechnik zu etablieren. Nun steht das technologische Herzstück des Unternehmens, die Marke Sono Solar samt geistigem Eigentum und Hardware, zum Verkauf. Für die Branche stellt sich die Frage, ob die Technologie in einem neuen Umfeld eine Zukunft hat.
Der lange Weg in die Insolvenz
Sono Motors startete 2016 mit der Vision, mit dem Sion ein erschwingliches Elektroauto zu entwickeln, das seine Reichweite durch in die Karosserie integrierte Solarzellen erweitert. Trotz einer großen Community und wiederholter Crowdfunding-Kampagnen scheiterte das Projekt an der immensen Herausforderung, eine Serienproduktion zu finanzieren. Anfang 2024 folgte der strategische Schwenk: Das Unternehmen konzentrierte sich fortan als Sono Solar auf das B2B-Geschäft und wollte seine Solartechnologie an Fahrzeughersteller und Flottenbetreiber liefern. Doch auch dieser Plan fand kein tragfähiges Ende. Nach dem Rückzug des Hauptinvestors Sono Group N.V. im März 2026 konnten in der anschließenden Sanierungsphase keine neuen Geldgeber gefunden werden. Die Einstellung des Geschäftsbetriebs zum 31. Juli 2026 war die unausweichliche Konsequenz.
Was vom Solar-Traum übrig bleibt
Die Geschäftsführer fokussieren sich nun auf die Veräußerung der entwickelten Technologie. Das zum Verkauf stehende Paket umfasst das gesamte geistige Eigentum (IP), zugehörige Hardware-Komponenten sowie technische Dokumentationen. Kern des Angebots sind die spezifische Solar-Integration, die für das Fahrzeugmodell Sion entwickelt wurde, sowie die dazugehörige Leistungselektronik. Dazu gehören unter anderem Solarladeregler, die für den Einsatz in Fahrzeugen optimiert sind. Auch die entwickelten Solar Data Services sind Teil des Pakets. Damit bietet Sono Motors potenziellen Käufern ein komplettes System zur Integration von Photovoltaik in Fahrzeuge, das in der Theorie marktreif ist.
Die Suche nach einem neuen Zuhause für die Technologie
Das Management zeigt sich enttäuscht, aber auch überzeugt vom Wert der eigenen Entwicklung. „Dass wir die Finanzierung letztlich nicht sichern konnten, ist eine herbe Enttäuschung, nachdem wir die Gespräche mit Investoren bis zuletzt intensiv geführt haben“, sagt Geschäftsführer Denis Azhar. „Gleichzeitig kennen wir den Wert der Technologie, die unser Team aufgebaut hat. Das Know-how einer Dekade Solar-Mobilität ist einzigartig. Unser Fokus liegt jetzt darauf, Käufer zu finden, der unsere marktreifen Produkte weiterführt und das technologische Potenzial von Sono Solar erkennt, das Gesamtgeschäft oder Teile davon erwirbt und skaliert.“
Auch die Rolle der langjährigen Unterstützer wird gewürdigt, die das Projekt über Jahre am Leben hielten. „Das ist ein harter Einschnitt. Unser ausdrücklicher Dank gilt der Sono Motors Community, unseren Kunden, Partnern und nicht zuletzt unserem Team“, betont Geschäftsführer Jan Schiermeister. „Wir hoffen sehr, dass diese gemeinsame Arbeit durch eine Übernahme der Technologie eine Fortsetzung im Markt findet. Wir sind weiterhin überzeugt, dass Solar zukünftig ein integrierter Bestandteil von Fahrzeugen sein wird.“
Fazit: Technologie ohne Geschäftsmodell
Das Ende von Sono Motors markiert den vorläufigen Schlusspunkt für eines der ambitioniertesten Solarauto-Projekte in Deutschland. Es zeigt, wie schwierig der Aufbau eines neuen Automobilherstellers ist, selbst mit einer innovativen Idee. Die Technologie zur Fahrzeugintegration von Photovoltaik könnte für etablierte Automobilhersteller oder große Tier-1-Zulieferer dennoch von Interesse sein. Während Konkurrenten wie Lightyear ebenfalls aufgeben mussten und große OEMs Solar-Anwendungen bisher nur als ergänzendes Feature (z. B. für die Klimaanlage) einsetzen, bietet das Paket von Sono Solar einen potenziell umfassenderen Ansatz. Ob ein Käufer das technologische Erbe von Sono Motors antritt und zur Serienreife führt, werden die kommenden Monate zeigen.


