Prinz Al Waleed bin Talal Al Saud steigt bei Lucid Motors ein und kauft über sein Investmentbüro gut 19 Millionen Aktien des kalifornischen Elektroautoherstellers. Damit wächst der saudische Einfluss auf das Unternehmen weiter, nur zwei Wochen nachdem Spekulationen über eine mögliche Insolvenz oder Übernahme durch den Staatsfonds PIF die Runde machten.
Einstieg in der Krise
Eine Meldung bei der US-Börsenaufsicht SEC vom Dienstag zeigt: Der Milliardär und Mitglied der saudischen Königsfamilie hat sich einen Anteil von fünf Prozent an Lucid Motors gesichert. Auf X schreibt er, sein Investmentbüro habe zugegriffen, als die Marktkapitalisierung des Unternehmens unter zwei Milliarden US-Dollar lag.
Dieser Tiefpunkt datiert auf den 14. Juli. An diesem Tag veröffentlichte ein Blog zu Elektrofahrzeugen einen Bericht, wonach Lucid entweder Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragen oder vom saudischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) von der Börse genommen werden könnte. Lucid wies die Darstellung deutlich zurück, der Aktienkurs erholte sich seither wieder.
Lucid-Kommunikationschef Nick Twork äußert sich auf Anfrage von TechCrunch zurückhaltend: „Wir kommentieren keine einzelnen Investitionen, nehmen die unabhängige Vertrauensbekundung aber zur Kenntnis und wisse sie zu schätzen."
Prince Al Waleed bin Talal Al Saud has acquired a 5% stake in Lucid Motors, increasing Saudi Arabia's investment in the electric vehicle sector. This move aligns with the Kingdom's Vision 2030 initiative to diversify its economy by investing in sustainable technologies like EVs.… pic.twitter.com/1RSuQ61NMg
— The Daily Tech Feed (@dailytechonx) July 28, 2026
Restrukturierung unter neuer Führung
Der Aktienkauf fällt in eine harte Sparphase. Der neue CEO Silvio Napoli strich im Juni 18 Prozent der Stellen, um das Unternehmen zu vereinfachen. Bereits im Februar hatte Lucid unter Napolis Vorgänger zwölf Prozent der Belegschaft abgebaut. Zwei große Entlassungswellen binnen weniger Monate sprechen eine klare Sprache: Lucid kämpft nach wie vor darum, profitabel zu werden, und die operativen Probleme sind mit frischem Kapital allein nicht gelöst.
Die technische Basis der Fahrzeuge, allen voran der Lucid Air mit seiner effizienten Antriebsstrangarchitektur, gilt in der Branche als konkurrenzfähig. Am Massenmarkt in den USA und international scheitert das Unternehmen bislang aber an Stückzahlen und Kosten – ein Problem, das auch Wettbewerber wie Rivian seit Jahren begleitet, während etablierte Hersteller wie Tesla oder chinesische Anbieter wie BYD deutlich größere Skaleneffekte erzielen.
Saudi-Arabiens langer Arm bei Lucid
Der PIF ist bei Lucid Motors kein neuer Akteur. Der Staatsfonds hält seit seiner Erstinvestition 2018 die Mehrheit am Unternehmen. Diese Investition kam zustande, nachdem Saudi-Arabien zuvor Pläne verworfen hatte, Tesla von der Börse zu nehmen. Seit dem Börsengang von Lucid 2021 über eine Fusion mit einer Special Purpose Acquisition Company, die dem Unternehmen vier Milliarden US-Dollar einbrachte, hält der PIF konstant rund 60 Prozent der Anteile.
Seit dem Börsengang bleibt Saudi-Arabien die wichtigste finanzielle Stütze von Lucid: Der Staatsfonds kauft immer wieder Aktien nach und vergibt milliardenschwere Kredite, während das Unternehmen um Marktanteile ringt. Die zusätzliche Beteiligung des Prinzen kommt damit nicht überraschend, sie unterstreicht aber, wie abhängig Lucid von saudischem Kapital bleibt.
Ein Investor mit Tech-Historie
Prinz Al Waleed bin Talal ist im US-Tech-Sektor kein Unbekannter. Über seine Holding war er einst größter privater Aktionär von Twitter. 2022 lehnte er Elon Musks Übernahmeversuch zunächst ab, schwenkte dann aber um und wurde nach dem Rückzug von der Börse zweitgrößter Anteilseigner hinter Musk selbst. Ob er diese Beteiligung durch die Umwandlung in X und die spätere Fusion mit xAI und SpaceX hindurch gehalten hat, ist unklar.
Zusätzlich hält er Anteile an Snap und Deezer. In der Finanzpresse wird er häufig als „Arabischer Warren Buffett“ bezeichnet.
Fazit: Kurzfristig Ruhe
Für Lucid ist die Beteiligung ein kurzfristig positives Signal, das den Kurs stabilisiert und Insolvenzgerüchte dämpft. An den strukturellen Problemen ändert sie nichts: Die Produktionszahlen bleiben niedrig, die Verluste hoch, und die Abhängigkeit von saudischem Kapital wächst mit jeder weiteren Kapitalspritze. Während Wettbewerber wie Tesla und BYD ihre Skaleneffekte ausbauen, bleibt für Lucid die Frage offen, ob technische Kompetenz allein reicht, um langfristig ohne den Staatsfonds als Mehrheitsaktionär zu bestehen.


