Lucid: Neuer CEO und frisches Kapital

Lucid Gravity für Uber

Der kalifornische Elektroauto-Hersteller Lucid Motors stellt die Weichen neu. Nach einer über einjährigen Übergangsphase hat das Unternehmen Silvio Napoli zum neuen Chief Executive Officer ernannt. Zeitgleich sichert sich der Tesla-Konkurrent eine Kapitalspritze in Milliardenhöhe, um die anstehende Expansion in den Massenmarkt sowie das Geschäft mit Robotaxis zu finanzieren.

Marc Winterhoff übergibt nach 14 Monaten

Mit der Ernennung von Silvio Napoli endet eine lange Phase der Ungewissheit an der Unternehmensspitze. Napoli war zuvor als CEO und Verwaltungsratspräsident beim Schweizer Industriekonzern Schindler tätig. Er löst Marc Winterhoff ab, der die Rolle des Interims-CEO seit dem überraschenden Rückzug des Firmengründers Peter Rawlinson im Februar 2025 innehatte. Der ehemalige Tesla-Chefingenieur Rawlinson war von 2029 bis 2025 als CEO tätig.

Der deutsche Marc Winterhoff führte das Unternehmen insgesamt rund 14 Monate durch eine „außergewöhnlich herausfordernde Umgebung“, wie das Board of Directors betont. Unter seiner Leitung wurde die Strategie für die kommende Mittelklasse-Plattform geschärft. Winterhoff wird dem Unternehmen erhalten bleiben und nach der Einarbeitung Napolis wieder vollständig in seine ursprüngliche Rolle als Chief Operating Officer (COO) zurückkehren.

Eine Milliarde US-Dollar für die „Cosmos“-Plattform

Flankiert wird der Personalwechsel von einer weiteren Finanzierungsrunde. Lucid konnte sich rund 1,05 Milliarden US-Dollar an Kapital sichern. Das Paket setzt sich aus drei Säulen zusammen:

  1. PIF-Investition: Der saudi-arabische Staatsfonds (PIF), Lucids größter Anteilseigner, investiert über seine Tochter Ayar Third Investment Company weitere 550 Millionen US-Dollar in Form von Wandelschuldverschreibungen.
  2. Uber-Einstieg: Der Fahrdienstvermittler Uber weitet sein Engagement deutlich aus. Zu einer bestehenden Beteiligung kommen weitere 200 Millionen US-Dollar hinzu, womit Uber insgesamt 500 Millionen US-Dollar in Lucid investiert hat. Im Gegenzug wurde die Partnerschaft für eine Robotaxi-Flotte auf mindestens 35.000 Fahrzeuge (darunter der neue SUV Gravity, siehe Titelfoto) ausgeweitet.
  3. Aktienemission: Weitere 300 Millionen US-Dollar wurden durch eine öffentliche Emission von Stammaktien am Kapitalmarkt eingesammelt.

Hoher Cash-Burn bei steigendem Umsatz

Trotz der technologischen Anerkennung für Modelle wie den Lucid Air bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt. Das Jahr 2025 war für Lucid ein zweischneidiges Schwert: Der Umsatz kletterte um 68 Prozent auf 1,35 Milliarden US-Dollar, doch die Verluste blieben massiv. Allein im vierten Quartal 2025 verzeichnete das Unternehmen ein Minus von 814 Millionen US-Dollar.

Seit der Gründung hat Lucid bereits kumulierte Verluste von über 15 Milliarden US-Dollar angehäuft. Die Produktion für 2026 ist auf 25.000 bis 27.000 Fahrzeuge ausgelegt – eine Steigerung gegenüber den rund 18.000 im Vorjahr produzierten Einheiten, aber noch weit entfernt von den Skaleneffekten, die für eine schwarze Null nötig wären.

Silvio Napoli ist neuer CEO bei dem US-Autohersteller Lucid und kommt von Schindler

Die Hoffnung ruht auf der Mittelklasse

Für den neuen CEO Silvio Napoli ist die Mission klar: Er muss den Übergang von der Luxus-Nische in den Volumensektor hinbekommen. Ende 2026 plant Lucid den Start einer neuen Mittelklasse-Plattform (Arbeitstitel „Cosmos“ und „Earth“), deren Basispreis unter 50.000 US-Dollar liegen soll. Damit will man gegen das Tesla Model 3 und Model Y antreten.

Die Partnerschaft mit Uber zeigt zudem, dass Lucid verstärkt auf Software und autonomes Fahren setzt, um neue Einnahmequellen zu erschließen. Mit einer Liquidität von aktuell rund 4,6 Milliarden US-Dollar (vor der neuen Finanzspritze) hat Napoli zumindest kurzfristig den nötigen finanziellen Spielraum, um die Produktion des neuen SUV Gravity hochzufahren und die Weichen für profitablere Stückzahlen zu stellen. Ob der erfahrene Industriemanager die hohe technische Qualität von Lucid in nachhaltige Gewinne übersetzen kann, bleibt die zentrale Frage für die kommenden zwei Jahre.

Marc Winterhoff
Interium-CEO Marc Winterhoff bei einem improvisierten Pressegespräch in einem Hotelflur in Las Vegas bei der CES 2026

Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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