Ford weist für das zweite Quartal 2026 einen Konzernverlust von 1,3 Milliarden US-Dollar aus, treibt gleichzeitig die Jahresprognose nach oben. Der Blick auf die Elektrosparte "Ford Model e" zeigt aber, warum die Zahlen mehr Fragen aufwerfen als beantworten: Die Verkäufe brechen um mehr als die Hälfte ein, der operative Verlust bleibt hoch, und ein Großteil des Konzernverlusts stammt direkt aus dem Rückzug aus einem Batterie-Joint-Venture.
Model e verkauft die Hälfte weniger Fahrzeuge
Im Frühjahr 2022 hatte Ford sein Geschäft in "Ford Model e" mit der Elektromobilität und "Ford Blue" mit Verbrennern aufgeteilt. Doch das Geschäft mit E-Autos lief nie richtig an. Ende 2025 musste der US-Hersteller 19,5 Milliarden US-Dollar abschreiben und einige elektrische Modelle wieder einstellen.
Im zweiten Quartal 2026 setzt Ford in der Sparte Model e nur noch 28.000 Fahrzeuge ab, ein Rückgang von 53 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz der Sparte sinkt im selben Zeitraum um 56 Prozent auf 1,0 Milliarden US-Dollar. Für das erste Halbjahr 2026 summiert sich der Absatz auf 62.000 Einheiten, ein Minus von 32 Prozent gegenüber den ersten sechs Monaten 2025. In Deutschland wurden im ersten Halbjahr laut Kraftfahrtbundesamt 10.527 E-Autos zugelassen. Ein Anteil von 22 Prozent an sämtlichen Neuzulassungen.
Ford begründet den globalen Rückgang mit der Anpassung der Gen-1-Elektrofahrzeuge an die tatsächliche Kundennachfrage. Im Klartext: Der Konzern produziert und verkauft bewusst weniger Einheiten der aktuellen E-Modellgeneration, weil die Nachfrage nicht da ist, wo sie sein sollte.
BOSK-Ausstieg reißt Loch von 3,6 Milliarden Dollar
Der eigentliche Belastungsfaktor im Quartal liegt jedoch außerhalb der operativen Model-e-Zahlen. Ford weist einen Sonderposten von 3,6 Milliarden US-Dollar aus, der aus der angekündigten Veräußerung des Joint Ventures BlueOval SK (BOSK) resultiert. BOSK ist das gemeinsam mit SK On betriebene Batteriezellwerk-Programm in den USA, zentraler Baustein von Fords ursprünglicher Batteriestrategie für Elektrofahrzeuge.
Zusammen mit 0,5 Milliarden US-Dollar an Sonderaufwendungen für die im Dezember 2025 angekündigten EV-Programmstreichungen summieren sich die Sonderposten im Zusammenhang mit der Elektrostrategie auf über 4 Milliarden US-Dollar allein in diesem Quartal. Der Konzern-Nettoverlust von 1,3 Milliarden US-Dollar entsteht damit fast vollständig durch strategische Korrekturen im EV-Bereich, nicht durch das laufende Kerngeschäft.
Universal Electric Vehicle statt Gen-1-Plattform
Für das Gesamtjahr 2026 erwartet "Ford für Model e" einen Verlust von rund vier Milliarden US-Dollar, eine leichte Verbesserung gegenüber der vorherigen Spanne von 4,0 bis 4,5 Milliarden US-Dollar. In dieser Prognose steckt eine zusätzliche Investition von etwa einer Milliarde US-Dollar in die Universal Electric Vehicle (UEV) Plattform sowie in die neue Sparte Ford Energy, größtenteils für die zweite Jahreshälfte eingeplant.
Die UEV-Plattform soll die kostengünstigere Basis für kommende Elektromodelle liefern und damit die margenschwache Gen-1-Generation ablösen. Details zu Reichweite, Antriebsarchitektur oder Ladeleistung nennt Ford in der Mitteilung nicht. Auch zu Ford Energy, das offenbar Energiedienstleistungen rund um Heim- und Gewerbeladung sowie Speicherlösungen abdecken soll, bleibt der Konzern vage. Angesichts der bereits gescheiterten Elektro-SUV-Programme aus dem Vorjahr wirkt die Kommunikation zu UEV auffällig zurückhaltend für ein Projekt, das die Wende bei Model e bringen soll.
In Europa nutze Ford bislang die Volkswagen-Plattform MEB für Modelle wie den Explorer und Capri. Weitere Pkw und Nutzfahrzeuge sollen die Elektroplattform von Renault nutzen.
Verbrenner und Nutzfahrzeuge tragen die Last
Während Model e Verluste produziert, liefert der Rest des Konzerns solide Ergebnisse. Ford Blue steigert das EBIT im Quartal um 474 Millionen auf 1,1 Milliarden US-Dollar, getragen von hohen Marktanteilen im US-Trucksegment und einem Anteil von knapp einem Viertel Offroad-Ausstattungen an den US-Verkäufen. Ford Pro verzeichnet mit 1,7 Milliarden US-Dollar EBIT einen Rückgang um 600 Millionen US-Dollar, bedingt durch temporäre Aluminium-Lieferengpässe bei Zulieferer Novelis. Ford Credit steigert das Ergebnis vor Steuern um 112 Millionen auf 757 Millionen US-Dollar.
Ford hebt die Konzernprognose für das Gesamtjahr an: Das adjustierte EBIT soll nun zwischen 10,0 und 11,0 Milliarden US-Dollar liegen, nach zuvor 8,5 bis 10,5 Milliarden US-Dollar. Der adjustierte freie Cashflow steigt in der Prognose auf 6,0 bis 7,0 Milliarden US-Dollar. Für Ford Blue erwartet der Konzern ein EBIT von 5,0 bis 5,5 Milliarden US-Dollar, für Ford Pro 7,0 bis 7,5 Milliarden US-Dollar. Model e bleibt die einzige Sparte mit einer Verlustprognose.
Fazit
Ford verschiebt mit dem BOSK-Ausstieg und der Neuausrichtung auf die UEV-Plattform faktisch seine gesamte bisherige Batteriestrategie. Die Elektrosparte schrumpft im Absatz, verliert operativ weiterhin fast eine Milliarde Dollar pro Quartal und wird durch einen milliardenschweren Sonderposten zusätzlich belastet.
Dass der Konzern insgesamt profitabel bleibt, verdankt Ford ausschließlich dem Geschäft mit Verbrennern, Hybriden und Nutzfahrzeugen. Ob die UEV-Plattform die Trendwende bei Model e schafft, lässt sich anhand der bisher veröffentlichten Informationen nicht beurteilen. Andere Hersteller, die ihre Elektrostrategie ebenfalls nachjustieren, dürften die Entwicklung bei Ford genau beobachten.


