Am 24-Total Autohof Neuberg an der A45 bei Frankfurt haben E-Autofahrer die Qual der Wahl. Hier stehen 44 Schnellladepunkte von EnBW, Electra, Allego, Ionity, Mercedes-Benz und Tesla zur Verfügung. Der Ausbau zeigt, wie Autohöfe sich vom klassischen Rastplatz zum Energiehub wandeln. Es offenbart zugleich, wie fragmentiert der deutsche Schnelllademarkt ist.
Sechs Marken, ein Standort
Der Betreiber 24-Autohöfe aus Regensburg hat den neuen Ladepark eröffnet. Mit EnBW und Electra kommen zwei neue Partner hinzu, die bereits vertretenen Anbieter Tesla und Allego bleiben am Standort, ergänzt um Mercedes-Benz High-Power Charging sowie Ionity. Sechs Betreiber auf einem Autohof bedeuten für Fahrerinnen und Fahrer mehr Auswahl an einem Verkehrsknotenpunkt im Großraum Frankfurt. Sie bedeuten aber auch sechs unterschiedliche Abrechnungssysteme, Apps und Preismodelle an derselben Fläche, was die Ladeerfahrung für Gelegenheitsnutzer eher komplizierter macht als für Nutzer klassischer Tankstellen mit einheitlichem Literpreis.
Roxanne Ruscheinsky, bei den 24-Autohöfen für Strategy und Future Mobility zuständig, begründet die Entscheidung für zusätzliche Partner so: „Autohöfe gehören zu den effizientesten Standorten für den Ausbau von Infrastruktur für alternative Antriebsstoffe. Sie sind aus beiden Autobahnfahrtrichtungen und der Region optimal erreichbar und verbinden leistungsfähige Ladeinfrastruktur mit Gastronomie, Service und hoher Aufenthaltsqualität.“

EnBW und Electra als neue Partner
EnBW bringt mit dem HyperNetz das nach eigenen Angaben größte Schnellladenetz Deutschlands mit, ausgewiesen werden mehr als 9.000 Schnellladepunkte im Inland sowie Zugang zu über 900.000 Ladepunkten europaweit. Diese Zahl bezieht sich auf das Roaming-Netzwerk der EnBW und nicht auf eigene Standorte, ein Umstand, der in Pressemitteilungen von Ladeanbietern häufig unter den Tisch fällt.
Electra tritt in Frankreich und Belgien als Marktführer auf und betreibt insgesamt knapp 760 Ladeparks mit rund 4.700 Ladepunkten in zehn europäischen Ländern. In Deutschland ist der Anbieter noch ein vergleichsweise junger Player. Nach dem ersten gemeinsamen Standort am 24-Shell Autohof Gramschatzer Wald an der A7 ist Neuberg der zweite Standort beider Unternehmen, weitere sind laut Betreiber bereits im Bau.
Show-Effekt zur Eröffnung
Zur Eröffnungsfeier präsentierten die Partner zwei aktuelle Modelle: Ein Tesla demonstrierte das Fahrsystem „Full Self-Driving (Supervised)“, das in Deutschland trotz seines Namens weiterhin eine ständige Überwachung durch die fahrende Person verlangt und rechtlich als Fahrerassistenzsystem eingestuft ist, nicht als autonomes Fahren. Daneben stand der neue vollelektrische Mercedes-AMG GT 63 4MATIC+ mit 1.169 PS beziehungsweise 860 kW Systemleistung. Beide Fahrzeuge dienten in erster Linie der Publikumswirkung bei der Eröffnung und sagen wenig über den Praxisbetrieb der Ladesäulen selbst aus.
Am Standort sollen in den kommenden Jahren zudem rund 30.000 Quadratmeter zusätzliche Gewerbeflächen entstehen, in einem Umfeld, das mit Unternehmen wie Gebr. Heinemann, Dachser, Raben, Lidl und McDonald’s bereits gut erschlossen ist.

Vom Rastplatz zum Energiehub
Geschäftsführer Daniel Weber beschreibt den Wandel des Geschäftsmodells so: „Wir verstehen uns heute längst nicht mehr nur als Tankstelle oder Raststation, sondern als Mobilitäts- und Versorgungshub für alle Verkehrsteilnehmer. Wo früher Benzin und Diesel ausgereicht haben, gehören heute unter anderem LNG, CNG und leistungsstarke Stromtankstellen zum Angebot. Diese Vielfalt verändert auch die Anforderungen unserer Gäste.“
Neben dem Ausbau für Pkw treibt die Unternehmensgruppe auch die Ladeinfrastruktur für batterieelektrische Lkw voran, ein Bereich, in dem der Netzausbau in Deutschland regelmäßig als Flaschenhals gilt. Ruscheinsky beschreibt den aktuellen Stand: „Bereits heute laden täglich batterieelektrische 40-Tonner an den Autohöfen. Dedizierte Megawattladeparks sind an allen unseren Standorten in Planung, viele bereits im Genehmigungsprozess. Die Elektrifizierung der Logistik wurde an allen Standorten von Beginn an konsequent mitgedacht, sie kommt nur später ins Bild.“ Konkrete Termine für die Inbetriebnahme dieser Megawattladeparks nennt das Unternehmen bislang nicht.


