Ferrari hat sein Verkaufsziel für den ersten Elektro-Ferrari, den Luce, bereits acht Wochen nach der Markteinführung erreicht. Das berichtet die Financial Times (€) unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen. Das Modell galt beim Debüt im Mai als gestalterischer Fehlgriff, verkauft sich aber schneller als von Ferrari erwartet.
Verkaufsziel nach acht Wochen erreicht
Ferrari peilte für 2026 den Absatz von knapp 500 Einheiten an, ein Ziel, das der Konzern nie offiziell kommuniziert hat. Laut den FT-Quellen erreichte Ferrari diese Marke bereits Anfang Juli, rund zwei Monate nach der Weltpremiere in Rom Ende Mai. Für die Jahre ab 2027 soll das Ziel auf etwa 600 Einheiten pro Jahr steigen, mittelfristig peilt Ferrari bis 2030 rund 2.500 verkaufte Luce-Modelle an. Das entspricht ungefähr fünf Prozent des gesamten Jahresabsatzes des Herstellers, eine Größenordnung, die Analysten für realistisch halten.
Zum Vergleich: Ferrari verkaufte im gesamten Vorjahr 13.640 Fahrzeuge. Der Luce bleibt damit auch nach dem schnellen Ausverkauf ein Nischenprodukt innerhalb der Modellpalette, keine Massenware.
China treibt die Nachfrage
Den entscheidenden Ausschlag für das schnelle Erreichen des Ziels gibt laut Financial Times die Nachfrage aus China. Der chinesische Markt sollte ursprünglich nur 88 Einheiten des Luce erhalten, dieses Kontingent war bereits kurz nach dem lokalen Marktstart ausverkauft. Ferrari hat die Zuteilung für China daraufhin offenbar deutlich aufgestockt.
Zu konkreten Auslieferungszahlen äußert sich Ferrari bislang nicht. Der Konzern verweist auf die Bekanntgabe der Halbjahreszahlen am 30. Juli, dort wollte das Management ausführlicher über die Marktresonanz des Luce informieren. CEO Benedetto Vigna äußerte sich laut Reuters zufrieden über den Auftragseingang: "Wir sind sehr zufrieden damit, wie sich die Bestellungen entwickeln."
Technische Daten des ersten Elektro-Ferrari
Der Luce ist eine viertürige Limousine mit fünf Sitzen und damit ein Fahrzeugkonzept, das es bei Ferrari bislang nicht gab. Vier permanenterregte Synchronmotoren, alle in Eigenentwicklung, liefern zusammen 1.035 PS (772 kW) und 990 Nm Drehmoment. Die Kraft verteilt sich über Allradantrieb mit radindividuellem Torque Vectoring. Ferrari nennt einen Sprintwert von 0 auf 100 km/h in 2,5 Sekunden, 0 auf 200 km/h in 6,8 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von über 310 km/h. Der Einstiegspreis liegt bei 550.000 Euro, damit ist der Luce das teuerste in Serie gefertigte Elektroauto am Markt.
Design und Innenraum entstanden in Zusammenarbeit mit LoveFrom, dem Studio des früheren Apple-Designchefs Jony Ive. Vigna hatte bereits vor dem Marktstart betont, dass die geringen Stückzahlen die für Ferrari typische operative Marge von rund 30 Prozent nicht gefährden sollen.

Kritik am Design bleibt
Die Formensprache des Luce löste beim Debüt heftige Kritik aus. Kunden und Fachpresse bemängelten die runden Flächen und die aus ihrer Sicht generische Optik, die eher an klassische Elektroautos anderer Hersteller erinnere als an einen Ferrari. Die Aktie verlor am Tag der Vorstellung rund acht Prozent. Ein Ferrari-Manager erklärte gegenüber der Financial Times, die ungewöhnliche Form sei aerodynamisch bedingt und müsse vom Markt erst verarbeitet werden.
Der schnelle Ausverkauf relativiert die Kritik zumindest kommerziell. Voranalysen von Morgan Stanley bei Händlern vor der Berichtssaison kamen bereits zu dem Schluss, dass der öffentliche Unmut die Markengesundheit nicht beschädigt hat. Zu den Käufern zählen laut Ferrari auch Kunden, die zuvor noch nie ein Fahrzeug der Marke besaßen.
Fazit
Der Ferrari Luce zeigt, dass Design-Kontroversen in den sozialen Netzwerken nicht zwangsläufig auf die Kaufentscheidung durchschlagen, insbesondere nicht in einem Preissegment, in dem Exklusivität und Verfügbarkeit die eigentliche Währung sind. Ferrari hält an seiner Strategie einer bewusst limitierten Elektrostückzahl fest, der Konzern hatte sein langfristiges EV-Ziel für 2030 bereits im Vorjahr etwa halbiert. Während andere Hersteller mit Elektroautos um Stückzahlen und Marktanteile kämpfen, verkauft Ferrari mit dem Luce vor allem eines: Zugang zu einer Warteliste, die schon jetzt bis Ende 2027 reicht.



