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Nio schafft die Tankstelle 2.0

Nio Wechselstation 2.0

Wechseln statt Laden heißt das Motto bei Nio in China. Die junge E-Automarke setzt auf einen schnellen Batteriewechsel (ca. 4,5 Minuten) statt eines Ladevorgangs am Stecker. Wobei: Natürlich kann man die Modelle von Nio auch per Stecker an einer heimischen Wallbox oder einer öffentlichen Ladesäule aufladen.

Doch Nio bietet seit August 2020 BaaS. Das steht für Battery as a Service. Der Käufer erwirbt nur das Auto und mietet die Batterie. Das macht zunächst das Auto deutlich günstiger. Für die 70 kWh Batterie zahlt er oder sie umgerechnet 125 Euro pro Monat. Bei Bedarf kann man zeitweise und gegen Aufpreis (190 Euro/Monat) auf eine 100 kWh Batterie wechseln, beispielsweise für die Fahrt in den Urlaub.

Kooperation mit Mineralöl-Unternehmen

Nun kooperiert Nio im Heimatmarkt mit Sinopec, dem größten Gas- und Öl-Unternehmen in China, beim Aufbau der Nio-Wechselstationen 2.0. Es ist quasi die Tankstelle 2.0. Doch Nio zeichnet damit die zweite Generation seiner Wechselstation. Rund 190 sind bereits landesweit im Einsatz. Der größte Teil davon gehört noch zur ersten Generation, die nur 5 statt der jetzt 13 Batterien vorhalten kann. Außerdem musste ein Mitarbeiter den Wagen in der Station platzieren, wie man gut im „Fully Charged“-Video sehen kann.

312 Batteriewechsel pro Tag im System

In der Wechselstation 2.0 geschieht der Batteriewechsel vollautomatisiert. Die Nio Power Swap Station verfügt über 239 Sensoren und vier kollaborierende Cloud-Computing-Systeme. Die Technologie ermöglicht es dem Nutzer, einen Batteriewechsel mit nur einem Klick selbst durchzuführen, während er im Auto sitzen bleibt.

Das System ist in der Lage, bis zu 312 Batterietauschvorgänge pro Tag durchzuführen. Bei 190 Standorten macht das 1,64 Batteriewechsel pro Tag und Station. Spekulieren wir mal ein wenig: Gehen wir davon aus, dass die leeren Batterien mit zehn Prozent SoC ankommen und bis 80 Prozent geladen werden. Bei 70 kWh Kapazität sind das rund 50 kWh. Der Nio ES 6 lädt am DC-Schnelllader laut Broschüre mit bis zu 105 kW. Rein rechnerisch ist ein Batterie also in 30 Minuten geladen. Nehmen wir realisitischerweise 45 Minuten an, da die Ladeleistung im zeitlichen Verlauf abfällt. Ein Tag hat 1.440 Minuten, dividiert durch 45 ergibt 32 mögliche Ladevorgänge. Es wird in der Praxis natürlich immer darunter liegen, da nachts weniger geladen wird. Zudem benötigen die 100 kWh-Batterien länger für den Ladevorgang.

Strategische Partnerschaft für schnelleres Wachstum

Der Batteriewechsel ist aus Nutzer-Sicht extrem praktisch: Kurze Ladezeit, weniger Kosten beim Kauf eines E-Autos. Für den Anbieter dagegen ist es eine enorme logistische und finanzielle Herausforderung. Wo werden wann wie viele Batterien benötigt? Hier meint Nio, mithilfe von Software ausreichend Daten zur Verteilung der Batterien zu besitzen. Als Betreiber eines Wechselsystem benötigt man mehr Batterien als Fahrzeuge auf der Straße. Das erhöht den Investitionsbedarf.

Die Partnerschaft zwischen NIO und Sinopec, einem der größten chinesischen Erdgas- und Mineralölunternehmen, ist ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung von Chinas Smart-EV-Industrie. Laut Yuzhuo Zhang, Vorsitzender von Sinopec, beschleunigt Sinopec seine Transformation vom traditionellen Verkauf von Erdölprodukten zu einem Energiedienstleister für Öl, Gas, Wasserstoff, Elektrizität und Nicht-Öl-Geschäften. In den nächsten Jahren plant Sinopec, 5.000 Batterietauschstationen zu installieren. Die Partnerschaft mit NIO wird es beiden Parteien ermöglichen, ihre jeweiligen Vorteile voll auszuschöpfen. Gemeinsam gilt es, eine hochwertige wirtschaftliche und soziale Entwicklung zu unterstützen und eine höhere Lebensqualität für alle zu erreichen.

Nio Sinopec Batteriewechsel Kooperation

Europa-Start im Laufe des Jahres 2021

Nio wurde 2014 gegründet und beschäftigt heute 7.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen aus Shanghai ist an der New Yorker Börse gelistet. Die Autos werden bei JAC in Hefei in der Provinz Anhui gefertigt. Neben den beiden SUV Nio ES 6 und ES 8 ist die Coupé-Version EC 6 auf dem Markt. Am 9. Januar 2021 wurde der NIO ET7, eine elektrische Limousine mit autonomer Fahrfunktion, vorgestellt. Nio betreibt in München ein Design-Büro. Anfang Mai 2021 will Nio seine Expansionspläne für Europa vorstellen. Vermutlich startet das Unternehmen noch im Laufe des Jahres 2021 in Norwegen, danach in weiteren Ländern mit großer E-Auto-Verbreitung.

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Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum dreht es sich in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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