Hyundai Motor legt beim CEO Investor Day 2026 eine Wachstumsstrategie bis 2030 vor. Neben mehr als 100 neuen oder überarbeiteten Fahrzeugen nennt der Konzern Ziele für Robotik, autonomes Fahren und eigene Batteriezellen. Bis 2030 sollen weltweit 5,55 Millionen Fahrzeuge verkauft werden, bei sechs Prozent Marktanteil und über neun Prozent operativer Marge. Und der Santa Fe kommt als Range Extender (EREV).
Produktoffensive mit Schwerpunkt Elektrifizierung
Von den über 100 Modellneuheiten und Überarbeitungen entfallen 58 auf Nordamerika, 49 auf Korea, 41 auf Europa, 26 auf Indien und 22 auf China. Der Anteil elektrifizierter Fahrzeuge am Absatzmix soll von 23 Prozent im Jahr 2025 auf 60 Prozent im Jahr 2030 steigen. Zentrales neues Antriebskonzept ist das Extended Range EV (EREV), das einen Elektroantrieb mit einem fahrzeugintegrierten Verbrennungsmotor als Ladegerät kombiniert. Den Anfang macht der Santa Fe EREV, ab der ersten Jahreshälfte 2027 in Alabama gebaut, mit einer angepeilten Reichweite von mehr als 965 Kilometern bei unter halber Batteriekapazität eines vergleichbaren Elektrofahrzeugs.
In Europa soll bis 2030 rund 85 Prozent des Marktes mit elektrifizierten Modellen abgedeckt werden, der EV-Absatz soll von 116.000 auf über 420.000 Einheiten steigen. Der neue IONIQ 3 startet im Herbst 2026 mit 497 Kilometern Reichweite und der neuen Infotainmentplattform Pleos Connect.

Produktionsausbau in den USA und weltweit
Die weltweite Produktionskapazität soll bis 2030 um 1,27 Millionen Einheiten wachsen, davon 500.000 in Nordamerika, 320.000 in Indien, 250.000 an CKD-Standorten und 200.000 in Korea. Nordamerika erhöht zudem die Lokalisierungsquote bei Endteilen von 60 auf 80 Prozent. In Korea startet mit dem EV-Werk Ulsan eine software-definierte Fabrik mit KI-gestützter Qualitätskontrolle, die zunächst den Genesis GV90 produziert.
Robotik und Robotaxi als zweites Standbein
Hyundai treibt die Kommerzialisierung von Robotik mit der Tochter Boston Dynamics voran. Das im Juni eröffnete Robot Metaplant Application Center soll bis Jahresende die zehnfache Kapazität erreichen, ab 2028 soll der humanoide Roboter Atlas bei Hyundai Motor Group Metaplant America eingesetzt werden. CEO José Muñoz sagt dazu: „Hyundai Motor verfügt über gute Voraussetzungen, das Robotikgeschäft weiter auszubauen und in den Markt zu bringen. Boston Dynamics ist Teil der Hyundai Motor Group. Mit Spot und Stretch fertigen wir bereits Roboter; künftig sollen auch humanoide Atlas-Roboter in Serie produziert werden.“
Parallel liefert Hyundai im vierten Quartal 2026 die ersten IONIQ-5-Robotaxis an Waymo aus, gefertigt bei HMGMA in Georgia. Die US-Fertigung für Robotaxis soll 2028 mit 30.000 Einheiten Jahreskapazität anlaufen. Auch Konzerntochter Motional will robotaxifähige IONIQ 5 einsetzen, sobald ihr eigener fahrerloser Dienst noch dieses Jahr startet.
Autonomes Fahren: Stufenplan mit NVIDIA
Die firmeneigene Fahr-KI Atria AI sammelt seit diesem Jahr im südkoreanischen Gwangju reale Verkehrsdaten. 2028 soll in Zusammenarbeit mit NVIDIA Level-2+-Technologie im ersten Software-Defined Vehicle des Konzerns zum Einsatz kommen, mit dem Ziel, die Systeme schrittweise bis Level 4 auszubauen. Ab 2029 soll ein 100-Megawatt-Rechenzentrum mit mehr als 50.000 GPUs die Datenmengen aus der weltweiten Serienproduktion verarbeiten. Angaben zur Sensorik oder zur Validierung außerhalb Koreas bleiben offen.
Neue Batteriezellen und Sicherheitstechnik
Hyundai kündigt eigenentwickelte Batteriezellen an, die mehr als doppelt so viel Leistung wie bisherige High-Nickel-Zellen liefern und die Ladezeit um 40 Prozent verkürzen sollen. Sie kommen zunächst im Santa-Fe-EREV zum Einsatz, während neue Elektrofahrzeuge auf günstigere Mid-Nickel-NCM-Zellen setzen, die die Batteriekosten um rund 30 Prozent senken sollen. Als neue Sicherheitstechnologie debütiert Thermal Runaway Protection im Genesis GV90: Eine Kombination aus Wärmeableitungsarchitektur und Zellbarrieren soll die Ausbreitung eines Batteriebrands auf benachbarte Zellen verhindern. Nach Unternehmensangaben wurde die Technologie in mehr als 200 Tests verifiziert, eine unabhängige Bewertung liegt naturgemäß nicht vor.
Genesis wächst ins Luxussegment
Die Luxusmarke Genesis strebt bis 2030 einen jährlichen Absatz von 350.000 Fahrzeugen in mehr als 40 Märkten an, unterstützt durch ein auf über 270 Standorte wachsendes Vertriebsnetz. Zentrales neues Modell ist das Flaggschiff-SUV GV90, ergänzt durch den ersten Genesis-Hybrid GV80 im vierten Quartal 2026 und ein EREV-SUV mit über 1.030 Kilometern Reichweite Anfang 2027. Spanien folgt im vierten Quartal als weiterer neuer Markt.
Finanzziele: Höhere Marge, stabile Ausschüttung
Hyundai hebt sein Margenziel für 2030 von 8 bis 9 auf über 9 Prozent an und will die Umsatzkosten um 3 Prozentpunkte senken – über Fahrzeuglebenszyklus, Materialkosten und Lokalisierung. Für 2026 bestätigt der Konzern seine Prognose von 6,3 bis 7,3 Prozent Marge, nach 5,6 Prozent im ersten Halbjahr. Bei der Kapitalrückführung bleibt es bei mindestens 35 Prozent Ausschüttungsquote und 10.000 Won Mindestdividende je Aktie. Zudem will Hyundai fast den gesamten eigenen Aktienbestand einziehen.
Fazit
Der Investor Day zeigt einen Konzern, der sein Kerngeschäft mit Verbrennern, Hybriden und Elektrofahrzeugen ausbaut und zugleich Robotik sowie Robotaxi-Dienste als Wachstumsfelder aufbaut. Viele Ziele – Level-4-Autonomie, Atlas-Serienproduktion, über neun Prozent Marge – liegen Jahre in der Zukunft und hängen von Partnerschaften mit NVIDIA, Boston Dynamics, Waymo und Amazon ab. Wie belastbar die Roadmap ist, zeigt sich an den nächsten Meilensteinen: den Waymo-Auslieferungen im vierten Quartal 2026 und dem Start des Santa Fe EREV Anfang 2027.



