Bentley bringt mit dem Torcal sein erstes vollelektrisches Modell auf den Markt. Einige Journalisten durften bereits vor der offiziellen Weltpremiere am 23. September 2026 mitfahren. Die ersten Eindrücke zeichnen das Bild eines SUV, das technisch eng mit dem Porsche Cayenne Electric verwandt ist, sich nach Aussage der Tester aber eigenständiger anfühlt.
Gemeinsame Plattform mit Porsche
Der Torcal steht auf der Premium Platform Electric (PPE) und teilt sich mit dem Porsche Cayenne Electric zentrale Komponenten, darunter die 113-kWh-Batterie mit 192 Pouchzellen. Das berichtet das Portal Auto Test und Technik nach der ersten Mitfahrt im getarnten Prototyp. Geladen wird mit bis zu 400 kW, wodurch sich der Akku laut Herstellerangabe in unter 20 Minuten von 10 auf 80 Prozent füllen lässt. Bei einem Gewicht von rund 2,7 Tonnen leistet der Torcal 653 kW beziehungsweise 888 PS und erreicht ein maximales Drehmoment von 1.350 Newtonmetern, was einen Sprint von 0 auf 100 km/h in unter drei Sekunden ermöglichen soll.
Auto Motor und Sport bestätigt nach der Mitfahrt die geteilte technische Basis, betont aber die Eigenständigkeit des Torcal gegenüber dem Cayenne. Die Redaktion nennt eine Reichweite von rund 600 Kilometern und verweist auf die Aufteilung der E-Maschinen: Die Hinterachse stammt von Porsche, die Vorderachse von Audi. Der Torcal verfügt zudem optional über das aktive Fahrwerk Active Ride. Bemerkenswert laut Auto Motor und Sport ist der Sound der Antriebseinheit, der trotz Elektroantrieb an einen V8-Motor erinnert.

Positionierung zwischen Komfort und Sportlichkeit
Auto Bild ordnet den Torcal äußerlich zwischen den bestehenden Bentley-Modellen ein: Mit rund fünf Metern Länge bewegt sich das SUV im Format eines Porsche Cayenne. Die Front mit schmalen Lichtbändern und beleuchtetem Kühlergrill erinnere optisch an aktuelle Rolls-Royce-Modelle, so die Redaktion. Bentley selbst positioniert den Wagen laut Auto Bild als komfortabler als den Flying Spur und zugleich sportlicher als den Continental GT – ein Anspruch, den die Tester im ersten vollständigen Fahrbericht nach der Premiere noch überprüfen wollen. Als Reichweitenangabe kursieren bislang 480 Kilometer, was von der später genannten Zahl von rund 600 Kilometern abweicht und auf unterschiedliche Ausstattungsvarianten oder Messverfahren zurückgehen dürfte.
Nach einer Landschaft benannt
Wie schon der Bentayga, der Bacalar und der Batur verdankt auch der Torcal seinen Namen einem Naturdenkmal. El Torcal de Antequera in Andalusien (Spanien) ist eine Kalksteinlandschaft mit geschichteten Felsformationen, Klippen und Labyrinthen – ein Ort, der über Jahrmillionen von der Natur geformt wurde und sich stetig weiterentwickelt. Der Name „Torcal“ leitet sich zudem vom lateinischen „torquere“ (drehen oder winden) ab – jenem Wortstamm, auf dem auch der moderne Begriff „Torque“ (Drehmoment) basiert.

Sound orientiert sich am Drehmoment
Auch internationale Titel erhielten Zugang zum getarnten Prototypen, allerdings nur als Beifahrer. Das US-Magazin Robb Report ließ sich von Martin Page, dem Produktlinienleiter des Torcal, durch eine Testfahrt bei Pebble Beach in Kalifornien chauffieren. Page beschreibt den Anspruch an das Fahrverhalten mit den Worten, der Torcal sei „as comfortable as a Flying Spur and as dynamic as a GT“.
Das Portal Jalopnik nahm an einer vierzigminütigen Testfahrt im kalifornischen Monterey teil und beschreibt den charakteristischen Sound des Antriebs genauer: Anders als bei klassischen Elektroautos orientiert sich die künstliche Akustik nicht an Geschwindigkeit oder Gaspedalstellung, sondern am Drehmoment der Motoren. Beim gleichmäßigen Fahren tritt der Sound demnach in den Hintergrund, bei Beschleunigung und Rekuperation baut er sich auf. Bentley werde beim Torcal anders als andere Marken des Volkswagen-Konzerns bewusst auf simulierte Schaltvorgänge verzichten, berichtet Jalopnik unter Berufung auf Page. Zum Marktstart sind zwei Varianten geplant, der Torcal und die sportlichere Version Torcal S.
Fazit
Die bisherige Berichterstattung zeichnet ein einheitliches Bild: Der Torcal nutzt die technische Basis des Porsche Cayenne Electric, soll sich im Fahrverhalten aber klar von seinem Konzernbruder absetzen. Ob dieser Anspruch trägt, lässt sich vor der Weltpremiere am 23. September in London noch nicht abschließend beurteilen, zumal selbst die veröffentlichten Reichweitenangaben zwischen den Redaktionen schwanken. Mit dem Torcal tritt Bentley in ein Segment, in dem sich bereits Rolls-Royce mit dem Spectre und weitere Luxushersteller elektrisch positionieren – der Wettbewerb um die zahlungskräftigste Kundschaft der Branche verlagert sich damit zunehmend auf die Batterie.


