Jaguar Land Rover (JLR) streicht den Zeitplan für den vollelektrischen Defender zusammen. Der für 2028/29 erwartete Generationswechsel des Geländewagens rutscht laut einem Bericht der britischen Zeitung The Times, in die frühen 2030er Jahre. Damit verliert JLR ausgerechnet bei seinem umsatzstärksten Modell den Anschluss an den Wettbewerb.
Ein bekanntes Architekturproblem
JLR begründet die Verzögerung mit der Fahrzeugarchitektur des Defenders, der seit dem Relaunch Ende 2019 auf der Plattform MLA-Flex aufbaut. Diese lässt sich nach Unternehmensangaben nicht ohne Weiteres für eine Batterie großer Kapazität umrüsten. Ein vollelektrischer Antrieb bleibt damit an die komplette Neuentwicklung der nächsten Modellgeneration gebunden, ein isoliertes Elektro-Facelift des bestehenden Modells ist nicht vorgesehen. Der ursprünglich für 2028/29 anvisierte Start der neuen Generation soll nun laut mit der Situation vertrauten Quellen erst in den frühen 2030er Jahren erfolgen, eine offizielle Terminbestätigung gibt es bislang nicht.
Kostendruck nach Cyberangriff und Zollstreit
Der Zeitplan gerät vor allem unter finanziellem Druck. JLR musste im vergangenen Jahr nach einem Cyberangriff die Produktion für fünf Wochen einstellen, was sich in der Bilanz des Geschäftsjahres 2026 niederschlägt. Hinzu kommen die von der US-Regierung verhängten Importzölle auf europäische Fahrzeuge, die JLR nicht vollständig an die Kundschaft weitergeben kann. Der Konzernumsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027, also im Zeitraum April bis Juni 2026, fiel um 9,2 Prozent auf 79.300 verkaufte Fahrzeuge. Range Rover, Range Rover Sport und Defender stellten dabei 81 Prozent des Absatzes. Der neue CEO P.B. Balaji, der im November 2025 von der indischen Muttergesellschaft Tata zu JLR wechselte, steht unter Vorgabe, die Kosten nach den vergangenen 18 turbulenten Monaten spürbar zu senken. Die Verschiebung des Defender-Redesigns zählt zu den sichtbarsten Ergebnissen dieses Sparkurses.
Baby Defender bleibt im Zeitplan
Nicht betroffen von der Verzögerung ist der sogenannte Baby Defender, eine kleinere, von Beginn an vollelektrisch konzipierte Variante mit einem erwarteten Einstiegspreis um 40.000 Pfund. Dieses Modell dürfte damit noch vor dem großen Defender mit Elektroantrieb auf den Markt kommen und JLR erste Erfahrungswerte zur Kundennachfrage nach einem batterieelektrischen Geländewagen liefern, bevor der eigentliche Volumenträger folgt.
Elektrostrategie mit Priorität auf Range Rover
JLR verschiebt seine Elektrifizierung damit nicht zum ersten Mal. Der Jaguar I-Pace wurde 2024 eingestellt. Mit dem Type 01 versucht man einen kompletten Neustart. Das versucht man auch mit dem so genannten House of Brands. Land Rover verschwindet als Dachmarke und die einzelnen Marken stehen für sich: Range Rover (Luxus), Defender (Offroad), Discovery (Familie und Freizeit). Das zeigte sich auch deutlich beim Goodwood Festival of Speed mit getrennten Pavillons.
Bislang hat keine der vier Marken ein batterieelektrisches Serienfahrzeug im Handel. Der Range Rover Electric war bereits für 2024 angekündigt, der Marktstart verschob sich zunächst auf 2026 und steht auch aktuell noch aus, obwohl Journalisten bereits im Frühjahr 2025 Prototypen fahren konnten. Auch die elektrische Jaguar-Baureihe Type 01 kommt erst in diesem Jahr und damit deutlich später als die ursprünglich für 2025 geplante Markteinführung. Konzernintern priorisiert JLR aktuell Range Rover Electric und Range Rover Sport Electric, die als nächste batterieelektrische Modelle folgen sollen. Damit rückt das selbst gesteckte Ziel, bis 2030 aus jeder Marke mindestens ein vollelektrisches Modell anzubieten, in weite Ferne.




