Während Europas Ladenetz mit dreistelligen Kilowattzahlen glänzt, eröffnet BYD in China seine zehntausendste Megawatt-Ladestation. Gleichzeitig kündigt Geely eine 1.000-Volt-Architektur an und Xiaomi bereitet seine Expansion nach Europa vor.
BYD verdoppelt Schnellladenetz in fünf Monaten
Am 28. August 2026 eröffnet BYD an seiner Longhua-Flaggschiffstation in Shenzhen die zehntausendste Flash-Charging-Station. Vor fünf Monaten waren es noch 5.000 Standorte. Die Verdopplung entspricht einem Zubau von rund 80 Stationen pro Tag.
Jede Ladeeinheit liefert bis zu 1.500 Kilowatt über einen einzigen Stecker, wobei jede Säule zwei Stecker besitzt. BYD gibt an, dass das System in Kombination mit der zweiten Generation der Blade Battery einen Ladevorgang von 10 auf 97 Prozent in neun Minuten ermöglicht. Zum Vergleich: Die schnellsten europäischen Ionity-Ladepunkte leisten derzeit 600 Kilowatt.
Bis Jahresende will BYD die Zahl auf 20.000 Stationen ausweiten. Ein Vertrag mit Mineralölkonzern Sinopec aus dem Juni 2026 soll die Expansion beschleunigen. Sinopec stellt über 30.000 Servicestandorte als potenzielle Standorte bereit. International plant BYD bis zu 3.000 Standorte in Europa. Die erste Ladestation an einer BYD-Niederlassung bei London ist bereits in Betrieb.

Yangwang U7: Batterietest nach 30.000 Kilometern und 350 Schnellladungen
Parallel dazu hat BYDs Luxusmarke Yangwang Ergebnisse eines Dauertests veröffentlicht. Ein reguläres Serienfahrzeug des Typs U7, nach Unternehmensangaben zufällig aus einem Autohaus ausgewählt, absolvierte in 8 Tagen, 19 Stunden und 58 Minuten rund 30.000 Kilometer und mehr als 350 Flash-Charging-Zyklen.
Das Ergebnis: Die Batteriekapazität sank um lediglich 1,3 Prozent. Getestet wurde unter erschwerten Bedingungen in Nanning bei durchschnittlich 36 Grad Celsius und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit, laufender Klimaanlage sowie einer Dauergeschwindigkeit von 240 km/h. Dieser Wert im Original-Artikel erscheint etwas hoch gegriffen.
Die Batteriedegradation ist ein dauerhafter Kritikpunkt an Elektrofahrzeugen. Ein Verlust von 1,3 Prozent nach dieser Belastung ist ein starkes Argument, auch wenn ein solcher Dauertest unter kontrollierten Bedingungen mit dem realen Fahreralltag nicht direkt vergleichbar ist. Ab Januar 2027 schreibt Chinas Industrieministerium ohnehin verbindliche Dauertests über mindestens 30.000 Kilometer für alle Fahrzeuge vor. Branchenbeobachter werten das als Indiz, dass Reichweite und Haltbarkeit im chinesischen Markt keine Differenzierungsmerkmale mehr sind, sondern Mindeststandards.
Geely entwickelt 1.000-Volt-Architektur
Den nächsten Schritt in der Ladetechnik kündigt die Geely Holding an. Der Konzern, zu dem Marken wie Zeekr, Volvo und Polestar gehören, arbeitet an einer 1.000-Volt-Hochvoltagarchitektur für seine Batterien. Das Ziel: die bisherige Ladezeit von 10 auf 80 Prozent, die beim Lynk & Co 10 mit aktueller 800-Volt-Technik bereits bei 5,5 Minuten liegt, weiter zu senken.
Geely hat bereits über 2.100 Zeekr-Ladestationen mit einer Spitzenleistung von 1.500 Kilowatt gebaut. Diese Infrastruktur kann mit der heutigen Fahrzeuggeneration noch nicht vollständig ausgenutzt werden. Mit 1.000-Volt-Fahrzeugen soll das künftig möglich sein. BYD setzt mit seiner Flash-Charging-Technik denselben Leistungswert an, sodass ein direkter Wettbewerb zwischen den Ladenetzwerken absehbar ist.

Xiaomi Auto visiert Europa 2027 an
Der Smartphone-Hersteller Xiaomi hat eine internationale Webseite und Kanäle in sozialen Netzwerken für sein Automobilgeschäft gestartet und kündigt den Europa-Markteintritt für 2027 an. Konzernpräsident William Lu hatte zuvor das dritte oder vierte Quartal 2027 als Zeitfenster genannt.
Die Webseite zeigt unter anderem den SU7, den SU7 Ultra, den YU7 GT sowie zwei Konzeptfahrzeuge. Welche Modelle tatsächlich nach Europa exportiert werden, lässt Xiaomi offen. Das Unternehmen sucht aktiv nach Handelspartnern und hat Forschungs- und Entwicklungsstandorte in München neben inländischen Zentren in Peking, Shanghai, Nanjing und Wuhan aufgebaut. Da dürfte das Unternehmen Grau-Importe von Dritten nicht gern sehen.
Xiaomi hat bis Juli 2026 insgesamt 216.322 Fahrzeuge ausgeliefert. Das entspricht 39 Prozent des selbst gesteckten Jahresziels von 550.000 Einheiten. In den verbleibenden Monaten wären monatlich rund 66.700 Fahrzeuge notwendig, um das Ziel noch zu erreichen. Der Rückstand dürfte auch die Notwendigkeit unterstreichen, neue Märkte zu erschließen.
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Markt: Verkäufe rückläufig, Durchdringung auf Rekordniveau
Die aktuellen Verkaufszahlen in China zeichnen ein gemischtes Bild. In den ersten 23 Augusttagen 2026 lagen die NEV-Einzelhandelsumsätze bei 614.000 Einheiten, ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Gesamtmarkt für Pkw brach sogar um 22 Prozent ein, auf 956.000 Einheiten.
Trotzdem oder gerade deshalb steigt die New Energy Vehicle-Durchdringungsrate weiter: Sie erreichte 64,3 Prozent, was bedeutet, dass fast zwei von drei in China verkauften Pkw elektrisch oder hybrid-elektrisch angetrieben sind. Die China Passenger Car Association prognostiziert für den gesamten August rund 1,04 Millionen NEV-Verkäufe. Als Gründe für die Absatzschwäche nennen Analysten vorsichtiges Konsumklima, regionale Überschwemmungen und gestiegene Treibstoffpreise.
Quellen:
- BYD Flash Charging: 10,000 stations – CnEVPost
- Yangwang U7 battery degradation test – CarNewsChina
- Geely 1000V architecture – CarNewsChina
- Xiaomi Auto global expansion – CnEVPost
- China NEV retail August 2026 – CnEVPost


