Das jüngste Treffen von Vize-Präsidentin Stella Li mit der F1-Führung und FIA-Präsident Mohamed Ben-Sulayem am Rande des Großen Preises von Monaco heizen die Spekulationen an. Doch die langfristige technische Ausrichtung der Rennserie steht im Widerspruch zur Elektro-Strategie von BYD.
Gespräche auf höchster Ebene in Monaco

Die Gerüchte um einen möglichen Formel-1-Einstieg von BYD erhalten neue Nahrung. In Monaco traf sich Stella Li, Executive Vice President von BYD, mit F1-Group-CEO Stefano Domenicali sowie FIA-Präsident Mohamed Ben-Sulayem. Ein von Ben-Sulayem veröffentlichtes Foto des Treffens auf Instagram bestätigt die Gespräche.
Dies ist nicht der erste Kontakt. Bereits im Dezember 2025 traf Li den FIA-Präsidenten beim Grand Prix in Abu Dhabi. Berichte über das Ausloten eines Engagements in der Formel 1 sowie der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) erfolgten bereits im März 2026. Im April bestätigte BYD offiziell, ein Engagement in der Formel 1 zu erwägen, nachdem Li sich in Shanghai erneut mit Domenicali ausgetauscht hatte.
BYD knüpft Kontakte
Im Fahrerlager kursieren bereits verschiedene Szenarien. Eines davon sieht vor, dass BYD Anteile am Alpine Formula 1 Team von Renault erwerben könnte. Ein weiteres Gerücht bringt BYD mit Christian Horner in Verbindung, der nach seinem Abschied von Red Bull Racing eine Rückkehr als Teamchef anstrebt. Ein Treffen zwischen Li und Horner bei den Filmfestspielen in Cannes befeuert diese Spekulationen.
Elektrische Sportwagen
BYD hat mit dem Yangwang U9 bereits ein sportliches Hypercar mit E-Antrieb im Portfolio. Damit tritt auch Stella Li gern auf (siehe Titelfoto). Die Extreme-Variante des E-Autos stellte im September 2025 mit 496,22 km/h einen Geschwindigkeitsrekord auf dem Hochgeschwindigkeitsoval in Papenburg auf.
BYD positioniert sich als Hersteller von New Energy Vehicles (NEV). Darunter werden alle elektrifizierten Antriebe von batterie-elektrisch über Hybrid bis Range Extender gefasst. Die Zielvorgabe von BYD-Gründer Wang Chuanfu lautet, die Durchschnittstemperatur auf der Erde um ein Grad Celsius mit abgasfreien Autos zu senken. Da würde eine Engagement in der Formel E passen, aber nicht in der Formel 1.

Strategischer Widerspruch beim Antrieb
Aktuell nutzen die Formel 1-Rennwagen einen 50:50-Antrieb. Die Hälfte der Leistung liefert ein Verbrennungsmotor, die andere Hälfte ein E-Motor. Bereits in der kommenden Saison steigt der Anteil des Verbrenners auf 60 Prozent. Für die Zeit nach 2031 wird eine drastische Reduktion des Elektroanteils (10 bis 20 Prozent) diskutiert. Es steht die Rückkehr zu Turbo-V-8-Motoren im Raum.
Da passt der Einstieg eines E-Autoherstellers nicht. Ein Engagement in einer Rennserie, die sich technologisch von der Kernkompetenz des eigenen Unternehmens entfernt, erscheint aus Marketingsicht und für einen potenziellen Technologietransfer widersprüchlich. Aber das hat noch nie jemanden von der Formel 1 abgehalten. Die Entscheidung bei Audi für den Formel 1-Einstieg fiel zu einem Zeitpunkt, als das Unternehmen noch am Ausstieg aus der Verbrenner-Welt festhielt. Zeiten ändern sich. Audi hat gerade erst einen hybriden Sportwagen mit beiden Motorvarianten vorgestellt.
