Bidirektionales Laden: Wenn parkende Autos die Nordsee-Fähre laden

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Die Reederei Norden-Frisia und die Hochschule Osnabrück erproben ein System, das Mobilität und Energieversorgung enger verknüpft. Eine E-Fähre und E-Autos werden Teil des bidirektionalen Lade-Projekts.

Hunderte Elektroautos stehen auf dem Parkplatz der Reederei in Norddeich. Ihre Besitzer sind auf dem Weg nach Norderney für ein freies Wochenende oder den Jahresurlaub. Die E-Autos stehen während der Zeit. Was bisher ungenutztes Standby-Potential war, soll künftig zum Herzstück eines smarten Energiesystems werden.

Die Idee dahinter ist so simpel wie clever: Während die Autos parken, könnten die Batterien im Boden als Zwischenspeicher dienen und den Elektrokatamaran Frisia E-1 mit Strom versorgen. Überschüssige Energie aus Sonnen- und Windenergie wird in den Autobatterien gespeichert. Bei Bedarf versorgt sich die E-Fähre im Hafen von Norddeich mit dieser Energie. Da die Betreibergesellschaft des Parkplatzes weiß, für wie lange ein Parkplatz gebucht wurde, erhält der Halter bei seiner Rückkehr ein vollständig geladenes E-Auto.

Parkplatz der Reederei in Norddeich
Die Parkplätze mit Solardach sind nur wenige hundert Meter vom Fähranleger entfernt

Möglichst viel Grünstrom für die Elektro-Fähre

Seit 2025 ist die Frisia E-1 als erstes rein elektrisches Seeschiff unter deutscher Flagge im Pendelverkehr auf der Nordsee unterwegs. Bis zu achtmal täglich pendelt der Elektrokatamaran CO₂-frei zwischen Norddeich und Norderney. Eine Fahrt dauert 30 Minuten. Der Strom dafür kommt so weit wie möglich aus eigenen Quellen: Auf dem Reederei-Gelände sind bereits auf den Dächern des Parkplatzes Photovoltaik-Zellen mit einer Leistung von 1.600 Kilowatt-Peak, eine Freiflächen-Solaranlage mit weiteren 608 Kilowatt-Peak sowie ein stationärer Batteriespeicher installiert. Auf den überdachten Parkplätzen gibt es 242 Wechselstrom-Ladepunkte für Elektroautos.

„Diesen vorhandenen Speicher könnten wir künftig um die Batterien der bei uns parkenden Elektrofahrzeuge erweitern und so den Anteil regenerativer Energien an unseren Transportleistungen weiter erhöhen”, sagt Olaf Weddermann, Prokurist der Reederei.

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Batterieschonend Be- und Entladen

Das Forschungsprojekt untersucht die Wirkungen des V2G-Prinzips (Vehicle to Grid). Dabei fließt der Strom nicht nur in die Fahrzeugbatterie, sondern bei Bedarf wieder heraus. Wahlweise geht die Energie in die Batterien der Fähre oder ins Stromnetz. Je nachdem, wo der Bedarf liegt. Prof. Dr. Hans-Jürgen Pfisterer von der Hochschule Osnabrück nimmt E-Auto-Besitzern eine Sorge: „Die Fahrzeugbatterien werden dabei in einer Art Wellness-Betrieb gehalten.” Statt mit hoher Leistung zu laden und zu entladen, arbeiten sie in einem gleichmäßigen und schonenden Ladebereichen, der die Zellen nicht belastet. Für das Überlassen der Batterienutzung denkt die Reederei über ein Vergütungsmodell für die Autobesitzer nach. Das könnten reduzierte Parkgebühren oder Fährtickets sein.

E-Autos laden auf Fährparkplatz in norddeich
Während die Besitzer auf Norderney Urlaub machen, muss die Batterie im E-Auto arbeiten

Ein geschlossenes System

Unser Ziel ist ein geschlossenes System aus Energieerzeugung, -speicherung und -verbrauch”, sagt Reederei-Vorstand Carl-Ulfert Stegmann. Die Kombination aus Elektrofähre, Photovoltaik, stationären Speichern und bidirektional ladefähigen Autos ist der konsequente Schritt auf diesem Weg. Die Fähren der Reedereien bewegen sich im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer. Da ist der abgasfreie Betrieb aktiver Naturschutz.

Prof. Dr. Kai-Michael Griese von der Hochschule Osnabrück fasst den gesellschaftlichen Anspruch noch breiter: „Wir wollen die ostfriesischen Inselfähren unabhängig von fossilen Brennstoffen machen, Elektromobilität bezahlbarer gestalten und gleichzeitig das regionale Stromnetz entlasten.“

Förderung bis 2027

Das Forschungsprojekt läuft unter dem Namen BIDI-EL (Bi-direktionale Integration von Elektrofahrzeugen) und wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. Die Laufzeit geht bis Januar 2027. Dann sollen Erkenntnisse vorliegen, ob und wie das Modell skalierbar ist und möglicherweise Schule macht für andere Hafenstandorte und Fährverbindungen.

Frisia E1 lädt
Die Batterien sind nach 28 Minuten wieder gefüllt. Die Reederei nutzt dazu zwei MSC-Anschlüsse, wie sie auch E-Lkw nutzen.
Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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