Xpeng X9: Elektro-Van mit 800V-Technik startet in Deutschland

Xpeng G9

Der chinesische Hersteller Xpeng erweitert seine Modellpalette in Deutschland und schickt mit dem X9 einen siebensitzigen Van ins Rennen. Das neue Flaggschiff setzt auf eine 800-Volt-Batterie, serienmäßige Allradlenkung und einen luxuriös ausgestatteten Innenraum.

Mit einem Startpreis von 77.600 Euro zielt der Elektro-Van direkt auf das Premium-Segment und etablierte Konkurrenten wie Mercedes EQV und VLE. Die Allrad-Version (AWD) startet bei 86.600 Euro. Die Auslieferungen sollen im Juni beginnen.

800-Volt-Architektur und ultraschnelles Laden

Das technische Herzstück des Xpeng X9 ist die SEPA 2.0-Plattform mit 800-Volt. Diese ermöglicht Ladeleistungen, die im Segment der Elektro-Vans neue Maßstäbe setzen. Xpeng gibt eine maximale Ladeleistung von bis zu 542 kW an. Da dürfte es schwer werden, eine passende Ladesäule zu finden. Hat man die aber gefunden, lädt die Batterie in zwölf Minuten von zehn auf 80 Prozent. Dieser Wert positioniert den X9 an der Spitze des Marktes und adressiert einen der größten Kritikpunkte bei großen Elektrofahrzeugen: die Ladedauer auf Langstrecken. „Mit unseren Markentugenden wie der 800-Volt-Architektur mit innovativer Batterietechnik und den ultrakurzen Ladezeiten von zehn Minuten von 20 auf 80 Prozent bringen wir erstmals Langstreckentauglichkeit ins Segment vollelektrischer Luxus-Vans“, erklärt Markus Schrick, Geschäftsführer der Xpeng Vertriebsregion Central Europe.

Der Kunde kann zwischen zwei Batteriegrößen wählen. Die Basisversion nutzt einen 94,8-kWh-Akku auf Lithium-Eisenphosphat-Basis (LFP), während die größeren Modelle auf einen 110-kWh-NMC-Akku (Nickel-Mangan-Cobalt) setzen. Damit sollen Reichweiten von bis zu 615 Kilometern nach WLTP möglich sein.

Xpeng X9 Innenraum

Fahrdynamik: Allradlenkung trifft Luftfederung

Mit einer Länge von knapp 5,32 Metern und einem Radstand von 3,16 Metern ist der X9 eine imposante Erscheinung. Um die Agilität in urbanen Umgebungen zu gewährleisten, stattet Xpeng den Van serienmäßig mit Allradlenkung aus. Diese reduziert den Wendekreis auf 10,8 Meter, was dem Niveau eines Kompaktwagens entspricht. Das Manövrieren des großen Fahrzeugs in engen Parkhäusern oder Innenstädten dürfte damit erheblich erleichtert werden.

Für den Fahrkomfort sorgt ein intelligentes Fahrwerkssystem in Kombination mit einer Zweikammer-Luftfederung. Sensoren sollen die Fahrbahnbeschaffenheit bis zu 30 Meter im Voraus erkennen und die Dämpfung in Echtzeit anpassen. Ob dieses System in der Praxis die versprochene Souveränität liefert, müssen erste Tests zeigen.

Flexibler Innenraum mit digitalem Cockpit

Im Innenraum bietet der X9 mit einer 2-2-3-Konfiguration Platz für bis zu sieben Personen. Die Einzelsitze in den ersten beiden Reihen sind beheizbar, belüftet, elektrisch verstellbar und verfügen über eine Massagefunktion. Die als „Zero-Gravity“-Sitze bezeichneten Plätze in der zweiten Reihe lassen sich in eine nahezu liegende Position bringen. Der Kofferraum fasst bei voller Bestuhlung 721 Liter; wird die elektrisch umklappbare dritte Sitzreihe versenkt, wächst das Volumen auf über 2.550 Liter.

Das Cockpit ist digital geprägt. Ein zentraler 17,3-Zoll-Touchscreen bildet die Hauptschnittstelle, ergänzt durch eine digitale Instrumentenanzeige, ein 21-Zoll-Head-up-Display und einen 21,4 Zoll großen Entertainment-Bildschirm für die Passagiere im Fond. Als Recheneinheit dient der von Xpeng selbst entwickelte XP5 Turing AI Chip, der für eine schnelle Reaktionsfähigkeit des Systems sorgen soll.

Xpeng X9

Assistenzsysteme ohne Lidar

Für die Umfelderkennung und die Funktion der Assistenzsysteme setzt Xpeng auf eine Phalanx aus 27 Sensoren, die sich aus Kameras und Radareinheiten zusammensetzen. Diese Hardware bildet die Basis für das XPILOT-System, das Funktionen wie Notbremsassistenten, Spurwechselassistenten und einen Querverkehrswarner umfasst. Auffällig ist, dass Xpeng hier auf den Einsatz eines Lidar-Sensors verzichtet, den das Unternehmen in anderen Modellen durchaus anbietet. Angesichts des technologischen Anspruchs und des Preispunktes ist dies ein bemerkenswertes Defizit, insbesondere im Vergleich zu anderen neuen Premium-Fahrzeugen, die Lidar für robustere teilautomatisierte Fahrfunktionen nutzen.

Fazit: Luxuriös mit der Familie unterwegs

Xpeng liefert mit dem X9 ein technologisch beeindruckendes Gesamtpaket. Vor allem die 800-Volt-Technik mit den extrem kurzen Ladezeiten und die serienmäßige Allradlenkung sind starke Argumente im Wettbewerb. Der Van positioniert sich als direkter Konkurrent zum Angebot von Mercedes-Benz, übertrifft diesen jedoch bei der Ladeleistung und der digitalen Ausstattung im Innenraum deutlich. Der VW ID. Buzz zielt auf eine etwas andere, weniger luxuriöse Kundschaft ab. Die entscheidende Frage wird sein, ob es Xpeng gelingt, das Vertrauen der anspruchsvollen deutschen Premium-Kunden zu gewinnen und sich gegen die etablierte Konkurrenz durchzusetzen. Bislang kennen nur wenige Autokäufer die chinesische Marke. Die technischen Daten sind vielversprechend, doch über den langfristigen Erfolg entscheiden am Ende Service, Zuverlässigkeit und Markenakzeptanz.

Xpeng X9

Varianten zur Auswahl:

  • XPENG X9 FWD Standard Range: mit 94,8-kWh-LFP-Batterie, 235 kW/320 PS starkem Frontantrieb und bis zu 535 Kilometer Reichweite (WLTP komb.) zu Preisen ab 77.600 Euro.
  • XPENG X9 FWD Long Range: mit 110-kWh-NMC-Batterie, 235 kW/320 PS starkem Frontantrieb und bis zu 615 Kilometer Reichweite (WLTP komb.) zu Preisen ab 81.600 Euro.
  • XPENG X9 AWD Performance: mit 110-kWh-NMC-Batterie, 370 kW/503 PS starkem Allradantrieb und bis zu 580 Kilometer Reichweite (WLTP komb.) zu Preisen ab 86.600 Euro.

Bild von Maik Machnig

Maik Machnig

Der selbsternannte Nerd liebt Technologie. Sein großer Wunsch: Eine Fahrt quer durch Deutschland in einem autonom fahrenden Auto.

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