Die Neuauflage des Smart #2 – als rein elektrisches Auto – startet in Form von Wandbildern. Wer die finale Version des Zweisitzers sehen möchte, muss in Berlin, Paris, Shanghai, Hongkong, Buenos Aires und Melbourne mit offenen Augen durch die Straßen gehen.
Murals statt Messestand
Seit Anfang August entstehen in den sechs Metropolen maßgeschneiderte Wandbilder, die den Smart #2 zeigen. In Berlin reicht sich das Mural ein in die East Side Gallery. Das Wandbild dort soll am 6. August fertig sein. Für ein E-Auto, dessen eigentliche Weltpremiere erst im Oktober auf dem Pariser Autosalon stattfindet, ist das ein ungewöhnlich früher Zeitpunkt, um Designdetails öffentlich zu zeigen, wenn auch nur in gemalter Form.
Das Mercedes-Benz Global Design Team, das für die Gestaltung des Smart #2 verantwortlich zeichnet, ist an mehreren Standorten in die Umsetzung der Wandbilder eingebunden. In Paris übernimmt der Streetart-Künstler Brusk die künstlerische Umsetzung und bringt seinen bekannten, tropfenden und kinetischen Stil in die Kampagne ein.
Smart-Deutschland-Chef Florian Nemitz ordnet die Aktion so ein: "Der smart Zweisitzer war schon immer mehr als nur ein Fahrzeug. Er steht für eine einzigartige Art urbaner Mobilität und hat Generationen von Menschen begeistert. Mit dieser Mural-Kampagne transportieren wir genau diesen Spirit in ausgewählte Metropolen weltweit."
Design: Anlehnung an die Studie, mehr nicht
Zu den technischen Daten des Smart #2 gibt es keine Angaben. Das Fahrzeug durchläuft laut Hersteller derzeit das EU-Homologationsverfahren. Zum Design heißt es lediglich, der Wagen bleibe der Designphilosophie "Love, Pure, Unexpected" treu, mit voluminösen Formen und weich modellierten Flächen, die an die Vorgängergeneration erinnern sollen. Das Seitenprofil orientiert sich an der bereits gezeigten Studie smart Concept #2, ergänzt um laut smart "spielerische, unerwartete Details". Wie konkret sich das auf Innenraum, Reichweite oder Ladeleistung auswirkt, bleibt bis zur Premiere offen, Interessenten müssen sich mit Designfloskeln begnügen.
Kunst als Markenkern, nicht nur als Marketing-Gag
Smart verweist auf die eigene Formel "s+m+art", zusammengesetzt aus Swatch, Mercedes und Art, mit der die Marke seit ihrer Gründung auch auf ihren Bezug zur Kunst verweist. Die aktuelle Mural-Kampagne reiht sich damit in eine längere Tradition ein, in der der Hersteller kreative Kooperationen nutzt, um sich von klassischer Automobilkommunikation abzugrenzen. Inhaltlich sollen die Motive jeweils lokale kulturelle Bezüge aufgreifen: In Shanghai treffen laut Hersteller traditionelle Motive auf neongetränkte Moderne, in Hongkong steht der kompakte Fußabdruck des Zweisitzers im Vordergrund, in Buenos Aires und Melbourne sind es lokale Landschaftsbezüge. Wie viel davon tatsächliche kulturelle Auseinandersetzung ist und wie viel austauschbare Kampagnen-Rhetorik, lässt sich ohne Bildvergleich der sechs Standorte schwer beurteilen.
Fazit: Identität neu justieren
Mit der Mural-Kampagne verschafft sich Smart mehrere Wochen vor der eigentlichen Weltpremiere zusätzliche Aufmerksamkeit, ohne belastbare technische Daten preiszugeben. Für eine Marke, die nach der Fortwo-Ära ihre Identität im chinesisch-deutschen Joint Venture mit Geely neu justieren muss, ist das ein naheliegender Weg, an alte Stärken wie Design und urbanen Lifestyle anzuknüpfen. Ob der Smart #2 diesem Anspruch technisch gerecht wird, zeigt sich erst im Oktober in Paris, wenn aus dem Wandbild ein echtes Fahrzeug wird.







