Polestar 4 SUV: Mehr Kofferraum und Heckscheibe

Polestar 4

Polestar bringt mit dem Polestar 4 SUV eine zweite Karosserievariante des Polestar 4 auf den Markt. Das bisherige Modell heißt Polestar 4 Coupé und wurde als Auto ohne Heckscheibe bekannt. Der SUV hat hinten eine Scheibe und durch die nach hinten verlängerte Dachlinie auch mehr Stauraum.

Technisch bleibt fast alles beim Alten: Die schwedische Marke nutzt weiter die SEA-Architektur aus dem Jahr 2023 und verzichtet auch beim neuen Modell auf eine 800-Volt-Elektrik. Der Verkaufsstart in Deutschland beginnt bei 57.900 Euro, ausgeliefert wird ab dem vierten Quartal 2026.

Zwei Karosserien, eine Plattform

Eine geradere Dachlinie und eine aufrechtstehende Heckklappe schaffen zusätzlichen Raum, die Fondpassagiere gewinnen dadurch 2,5 Zentimeter Kopffreiheit. Eine durchgehende Dachreling erlaubt eine dynamische Dachlast von bis zu 100 Kilogramm.

Der Gepäckraum wächst gegenüber dem Coupé spürbar: 1.680 Liter stehen insgesamt in den vorderen und hinteren Laderäumen zur Verfügung, davon 530 Liter im Heck bis zur Fensterkante beziehungsweise 655 Liter bis zum Dachhimmel. Werden die im Verhältnis 60:40 teilbaren Rücksitzlehnen umgeklappt, wächst das Volumen auf 1.665 Liter. Das Coupé kommt zum Vergleich auf 526 Liter im Heck.

Serienmäßig verbaut Polestar ein neues, größeres Panoramaglasdach mit 99,5 Prozent UV-Schutz. Gegen Aufpreis gibt es exklusiv für den SUV ein elektrochromes Glasdach, dessen Lichtdurchlässigkeit sich über das Zentraldisplay steuern lässt. Ein herkömmlicher Innenspiegel ist Serie, der aus dem Coupé bekannte digitale Rückspiegel bleibt Option.

Polestar 4

Antrieb ohne technischen Sprung

Beim Antrieb greift Polestar unverändert auf die SEA-Architektur des Coupé zurück. Zwei Varianten stehen zur Wahl: Die Dual-Motor-Version mit Allradantrieb leistet 400 kW beziehungsweise 544 PS, liefert 686 Nm Drehmoment und beschleunigt in 3,9 Sekunden auf 100 km/h. Die WLTP-Reichweite liegt bei bis zu 600 Kilometern. Die Rear-Motor-Variante kommt auf 200 kW respektive 272 PS, 343 Nm und schafft den Sprint in 7,3 Sekunden, dafür reicht die Reichweite bis 630 Kilometer.

Beide Varianten nutzen serienmäßig eine 100-kWh-Batterie. Geladen wird per Gleichstrom mit bis zu 200 kW, Wechselstromladen ist in Deutschland mit bis zu 22 kW möglich. Eine 800-Volt-Architektur, wie sie mittlerweile bei zahlreichen Wettbewerbern im Premiumsegment üblich ist, bietet der Polestar 4 SUV weiterhin nicht. Die Ladeleistung von 200 kW liegt damit unter dem, was Fahrzeuge mit 800-Volt-Technik erreichen, und verlängert die Ladepausen auf längeren Strecken entsprechend.

Das Fahrwerk übernimmt der SUV vom kürzlich überarbeiteten Coupé. Wer mehr Fahrdynamik will, greift zum Performance-Paket mit neu abgestimmten aktiven Dämpfern von ZF, Brembo-Hochleistungsbremsen mit Bremssätteln in Swedish Gold sowie 22-Zoll-Rädern mit Pirelli-P-Zero-Reifen. Dazu passend äußert sich Joakim Rydholm, Head of Driving Dynamics bei Polestar:

„Der Polestar 4 SUV baut auf dem dynamischen Fundament des weiter geschärften Polestar 4 Coupé auf. Mit einer verfeinerten Fahrwerksabstimmung und einem noch direkteren Lenkverhalten bietet er das Vertrauen, die Präzision und die Fahrdynamik, die Polestar Kundinnen und Kunden erwarten – unter allen Fahrbedingungen“, erläutert Joakim Rydholm, Head of Driving Dynamics bei Polestar.

Polestar 4

V2L, Camping Mode und Google Gemini

Neu für die gesamte Polestar-4-Baureihe ist die Vehicle-to-Load-Funktion. Über einen zertifizierten und separat erhältlichen Adapter liefert die Hochvoltbatterie bis zu 3,3 kW bei 16 A und 230 V einphasig, etwa für Campingausrüstung oder Elektrowerkzeuge. Die Funktion kommt per Software-Update auch für bestehende Polestar-4-Fahrzeuge. Ergänzend dazu bietet der neue Camping Mode Zugriff auf Entertainment, Ambientebeleuchtung und Fahrzeugfunktionen im geparkten Zustand.

Im Innenraum löst Google Gemini schrittweise den bisherigen Google Assistant ab. Das Sprachsystem soll mehrstufige Dialoge verstehen und komplexere Aufgaben in natürlicher Sprache ausführen, Gemini Live ermöglicht zudem freihändiges Brainstorming, Reiseplanung und Echtzeitübersetzung. Die Einführung erfolgt in 22 Ländern und 16 Sprachen, in Deutschland ist der Rollout Teil des Marktstarts. Das Hauptdisplay bekommt zudem neun statt bisher sechs Widget-Schnellzugriffe.

CO₂-Bilanz und Preise

Polestar gibt für die Dual-Motor-Variante einen Cradle-to-Gate-CO₂-Fußabdruck von 21,1 Tonnen CO₂-Äquivalent an, für die Rear-Motor-Version 20,2 Tonnen. Der Hersteller führt das auf den Einsatz von erneuerbarem Strom bei der Batteriezellproduktion sowie auf Aluminium aus emissionsarmen Schmelzwerken zurück, das 34 Prozent des Gesamtaluminiums im Fahrzeug ausmacht. Zusätzlich stammen 23 Prozent des verwendeten Aluminiums aus recyceltem Material. Wie sich diese Werte im direkten Vergleich zu SUV-Konkurrenten aus dem Premiumsegment schlagen, lässt sich anhand der Pressemitteilung allein nicht bewerten, da Polestar keine Vergleichswerte anderer Hersteller nennt.

Polestar 4

In Deutschland startet der Polestar 4 SUV mit der Rear-Motor-Variante bei 57.900 Euro. Die Dual-Motor-Version kostet 65.900 Euro, mit Performance-Paket werden 76.300 Euro fällig. Gefertigt wird das Fahrzeug wie das Coupé im südkoreanischen Busan, die Serienproduktion läuft seit dem zweiten Quartal 2026. CEO Michael Lohscheller ordnet die neue Variante so ein:

„Der Polestar 4 SUV erweitert die Attraktivität unseres erfolgreichsten Modells und ergänzt unser Produktportfolio in einem der wichtigsten Segmente der Automobilindustrie. Mit mehr Platz, höherem Nutzwert und noch mehr Möglichkeiten für Abenteuer bleibt er gleichzeitig dem Design, der Technologie und dem Fahrerlebnis treu, die Polestar auszeichnen. Die Produktion in Busan, Südkorea, ist bereits angelaufen und die ersten Fahrzeuge sind auf dem Weg zu unseren Kundinnen und Kunden“, sagt Michael Lohscheller, CEO von Polestar.

Fazit

Der Polestar 4 SUV ist im Kern eine Karosserievariante des bestehenden Coupé, keine technische Neuentwicklung. Mehr Stauraum, etwas mehr Kopffreiheit und ein neues Glasdach sprechen eine breitere Zielgruppe an, an der grundlegenden Antriebstechnik ändert sich jedoch nichts. Die 400-Volt-Architektur mit maximal 200 kW Ladeleistung wirkt angesichts der 800-Volt-Systeme, die Wettbewerber wie Hyundai, Kia oder Porsche inzwischen serienmäßig anbieten, nicht mehr zeitgemäß. Mit V2L, Camping Mode und Google Gemini punktet Polestar vor allem im Alltagsnutzen, während die eigentliche Antriebstechnik im Vergleich zur Konkurrenz zurückfällt.

Polestar 4
Bild von Frank Schultz

Frank Schultz

ist passionierter E-Auto-Fahrer. Für ihn zählen leises und vor allem entspanntes Fahren zu den Vorteilen. Die Ladepausen verbringt er mit einem Blick auf die neuesten Meldungen zur Elektromobilität und postet sie hier.

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