Škoda Peaq: 936 Kilometer Reichweite – Marketing oder Meilenstein?

Skoda Peaq Rekordfahrt von Tschechien in die Niederland

Škoda meldet einen Reichweitenrekord für seinen elektrischen Siebensitzer-SUV Peaq. Ein Serienmodell legte 936 Kilometer mit einer einzigen Akkuladung zurück. Die unter Aufsicht des TÜV Süd durchgeführte Fahrt vom Werk im tschechischen Mladá Boleslav nach Zandvoort in den Niederlanden zeigt das technische Potenzial des Fahrzeugs. Doch die erzielten Werte sind fernab jeder Alltagsrealität und werfen die Frage auf, was solche Rekorde für den Kunden wirklich bedeuten.

Rekordfahrt unter Laborbedingungen

Die beeindruckende Distanz von 936 Kilometern erreichte das Team durch eine extreme Fahrweise, die auch als „Hypermiling“ bekannt ist. Mit einem Durchschnittsverbrauch von nur 9,2 kWh/100 km bewegte sich der Peaq weit unter den Normwerten. Solche Verbräuche sind im realen Straßenverkehr mit wechselnden Geschwindigkeiten, Beschleunigungsvorgängen auf der Autobahn und dem Einsatz von Klimaanlage oder Heizung nicht reproduzierbar. Die Rekordfahrt beweist zwar die Effizienz des Antriebsstrangs unter optimalen Bedingungen, liefert aber keinen realistischen Wert für den täglichen Einsatz.

Die Technik hinter der Effizienz

Die Basis für die Langstreckenfähigkeit des Škoda Peaq bildet eine Antriebsbatterie mit einer Bruttokapazität von 91 kWh, von denen 86 kWh netto nutzbar sind. In der getesteten Variante treibt ein 210 kW (286 PS) starker Elektromotor die Hinterachse an. Diese Konfiguration gilt als besonders effizient. Ein entscheidender Faktor für die hohe Reichweite ist zudem die Aerodynamik. Mit einem Luftwiderstandsbeiwert (cW-Wert) von 0,249 gleitet das große SUV für seine Klasse sehr windschlüpfig durch die Luft. Bündig eingelassene Türgriffe und rollwiderstandsoptimierte 19-Zoll-Serienreifen tragen ebenfalls zur Minimierung des Energieverbrauchs bei.

Einordnung des WLTP-Wertes

Im offiziellen WLTP-Testzyklus erreicht der Škoda Peaq eine Reichweite von bis zu 647 Kilometern. Dieser Wert ist der maßgebliche Orientierungspunkt für Käufer. Die Rekordfahrt übertrifft diesen Wert um fast 45 Prozent und unterstreicht die Lücke zwischen Normverbrauch und gezielter Sparfahrt. Die Fahrer selbst ordnen das Ergebnis realistisch ein. „Das Ziel war es, zu zeigen, was die Technologie leisten kann, wenn sie bis an ihre Grenzen gebracht wird. Um die Reichweite zu maximieren, haben wir die am besten geeignete Route ausgewählt und natürlich unseren Fahrstil entsprechend angepasst“, sagt Jakub Krs, verantwortlich für die Hochspannungs-Batteriestrategie bei Škoda. Sein Kollege Marek Jež, Leiter der Modellreihe Peaq, ergänzt: „Im Alltagsbetrieb werden die Kunden das Auto wahrscheinlich nicht auf diese Weise fahren. Stattdessen werden sie alles nutzen, was der Peaq in Sachen Fahrdynamik, Infotainment und Komfort zu bieten hat“. (Marek Jež und Jakub Krs sind im Titelbild zu sehen.)

Skoda Peaq

Der Peaq im Wettbewerbsumfeld

Mit seiner WLTP-Reichweite von rund 650 Kilometern und Platz für sieben Personen positioniert sich der Škoda Peaq stark im Segment der großen Elektro-SUVs. Er tritt direkt gegen Modelle wie den Kia EV9 an, der ähnliche Batteriegrößen und Reichweiten bietet. Auch der Mercedes-Benz EQB ist ein Konkurrent, wenn auch in einer kompakteren Klasse. Mit Ausstattungsmerkmalen wie bidirektionalem Laden, bei dem das Fahrzeug Strom zurück ins Hausnetz speisen kann, bringt der Peaq zudem moderne Technik in dieses Segment. Die bereits über 10.000 eingegangenen Bestellungen deuten auf ein hohes Kundeninteresse hin.

Fazit: Marketing und etwas Erkenntnisgewinn

Die Rekordfahrt des Škoda Peaq ist ein gelungener Marketing-Coup und ein Beleg für die Effizienz der Plattform. Die 936 Kilometer sind jedoch ein theoretischer Extremwert. Ähnliches hat Mercedes-Benz mit seinem Vision EQ XX realisiert. Doch muss man auch sagen, das Erfahrungen aus diesen Fahrten in die Serie Einzug finden. Mit dem CLA hat Mercedes-Benz ein überaus energieeffizientes Auto gebaut.

Für den Kunden zählt die solide WLTP-Reichweite von bis zu 647 Kilometern, die den Peaq zu einem absolut konkurrenzfähigen und alltagstauglichen Familien-SUV macht. Der Rekord zeigt das Potenzial, die Realität liegt wie so oft in der Mitte.

Skoda Peaq
Bild von Maik Machnig

Maik Machnig

Der selbsternannte Nerd liebt Technologie. Sein großer Wunsch: Eine Fahrt quer durch Deutschland in einem autonom fahrenden Auto. Maik freut sich darauf, das Steuer aus der Hand zu geben.

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