Ioniq 3: Hyundais Angriff auf die elektrische Kompaktklasse mit Kompromissen

Hyundai Ioniq 3

Hyundai öffnet die Bestellbücher für den Ioniq 3 und zielt damit direkt auf das Herz der elektrischen Kompaktklasse. Mit einem Startpreis von unter 30.000 Euro positioniert sich der neue „Aero-Hatchback“ aggressiv gegen Wettbewerber wie VW ID.3 oder MG 4.

Technisch setzt das Modell auf die bekannte Electric-Global Modular Platform (E-GMP) der Konzernfamilie. Ein genauer Blick auf das Datenblatt zeigt jedoch, dass für den Kampfpreis an entscheidenden Stellen gespart wurde – insbesondere bei der Ladeleistung.

E-GMP-Architektur mit gedrosselter Leistung

Technisches Fundament des im türkischen Izmit gefertigten Ioniq 3 ist die bewährte E-GMP-Architektur, die man bereits aus den größeren Modellen Ioniq 5 und 6 kennt. Sie arbeitet prinzipiell mit einer 800-Volt-Systemspannung, was extrem hohe Ladeleistungen ermöglicht. Das ist im Ioniq 3 aus Kostengründen anders. Das 800 Volt-Spannungssystem hat man hier auf ein Volt 400-System reduziert. Damit liegt die maximale DC-Ladeleistung bei 119 kW. Hyundai bietet zwei Batteriegrößen an: Eine Basisversion mit einem 42-kWh-Akku und 108 kW (147 PS) Leistung sowie eine größere Variante mit 61 kWh.

Folglich dauert der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent unter optimalen Bedingungen rund 29 Minuten. Das ist im Wettbewerbsumfeld für Langstreckenfahrten wirklich kein Spitzenwert mehr. Positiv hervorzuheben ist hingegen der optional verfügbare On-board-Charger, der das Laden an AC-Säulen mit bis zu 22 kW erlaubt. Das ist ein klarer Vorteil gegenüber vielen Konkurrenten, die oft nur 11 kW bieten.

Hyundai Ioniq 3

Aero-Hatchback: Design und Raumangebot

Mit dem selbst kreierten Begriff „Aero Hatch“ beschreibt Hyundai eine Karosserieform, die aerodynamische Effizienz (cW-Wert: 0,263) mit dem praktischen Nutzen eines Schrägheckmodells verbindet. Das Design folgt der bekannten „Art of Steel“-Sprache, inklusive der charakteristischen Pixel-Leuchtelemente an Front und Heck.

Dank der E-GMP-Plattform profitiert der Ioniq 3 von einem langen Radstand und einem ebenen Fahrzeugboden. Dies schafft im Innenraum ein großzügiges Platzangebot für bis zu fünf Personen. Das Kofferraumvolumen von 441 Litern ist für die Kompaktklasse ein solider Wert und unterstreicht den Fokus auf Alltagstauglichkeit.

Hyundai Ioniq 3

Android Automotive und moderne Konnektivität

Als erstes europäisches Modell der Marke erhält der Ioniq 3 das neue Infotainment-System „Pleos Connect“. Es basiert auf Android Automotive OS, dem Betriebssystem von Google, das direkt im Fahrzeug läuft und nicht mit Android Auto zu verwechseln ist. Dies ermöglicht eine tiefere Integration von Google-Diensten wie Maps und dem Play Store.

Auch bei der restlichen Ausstattung zeigt sich der Ioniq 3 modern. Over-the-Air-Updates (OTA), die Vehicle-to-Load-Funktion (V2L) zum Betreiben externer Geräte, Plug & Charge für authentifizierungsloses Laden sowie ein digitaler Fahrzeugschlüssel gehören zum Funktionsumfang.

Strategische Einordnung für Europa

Der Ioniq 3 läutet die nächste Phase unserer Elektrifizierungsstrategie ein. Mit ihm bringen wir die wegweisenden Technologien und das markante Design unserer Ioniq-Familie in ein Segment, das für viele Menschen erreichbar ist“, sagt Andreas Zürnstein, President und CEO von Hyundai Motor Deutschland, „Der neue Aero-Hatchback ist exakt auf die Bedürfnisse des europäischen Marktes zugeschnitten. Daher sind wir überzeugt, dass er für viele Kunden in Deutschland der perfekte Einstieg in die Ioniq-Welt sowie der ideale, alltagstaugliche Begleiter für die Zukunft sein wird.“

Hyundai Ioniq 3

Fazit

Der Hyundai Ioniq 3 ist ein gezielter Vorstoß in das Volumensegment. Sein stärkstes Argument ist der aggressive Preis, kombiniert mit den Vorteilen der E-GMP-Plattform wie dem großzügigen Innenraum und der V2L-Funktion. Auch die moderne Software auf Basis von Android Automotive und die Option auf einen 22-kW-AC-Lader sind klare Pluspunkte.

Der entscheidende Kompromiss liegt jedoch bei der DC-Ladeleistung. Die Begrenzung auf 119 kW kastriert das Potenzial der eigentlichen 800-Volt-Architektur und positioniert den Ioniq 3 eher als Fahrzeug für den urbanen und regionalen Einsatz. Doch hier orientiert sich Hyundai am Schwesterunternehmen Kia. Die haben den EV 5 aus Kosten- und damit Preisgründen ebenfalls auf ein 400 Volt-System herab gestuft.

Für Fahrer, die primär zu Hause oder am Arbeitsplatz laden, ist das Modell eine interessante und preiswerte Option. Wer jedoch häufig auf schnelle Ladestopps auf der Langstrecke angewiesen ist, findet bei anderen Modellen – teils aus dem koreanischen Konzern – deutlich bessere Ladekurven.

Hyundai Ioniq 3
Bild von Dirk Kunde

Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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