Mit Flugdrachen abgelegene Ladesäulen betreiben

Enerkite tankstelle

Wie versorgt man entlegene Ladestationen mit Energie? Mit einem Flugdrachen. Ernsthaft. Da wo es keine Anschlüsse ans Stromnetz gibt, kann Höhenwindenergie eine praktische Alternative sein. Genau das will die VW-Energietocher Elli und Enerkite bis Ende 2024 im Projekt “Autarke mobile Ladeinfrastruktur” am Wolfsburger Forschungscampus „Open Hybrid LabFactory“ realisieren. Das Ziel ist eine autarke Flugwindkraftanlage.

Was ist Höhenwindenergie?

Dabei steigt ein Drache auf und fliegt im Wind die Form einer liegenden Acht. Beim Auf- und Absteigen wird durch die Zugbewegung des Seils ein Generator am Boden in Drehbewegung versetzt. Dadurch entsteht Energie. Lediglich für eine Neupositionierung des Drachens wird etwas Energie benötigt.

Der Drachen fliegt in Höhen zwischen 200 und 300 Metern über dem Boden. Somit ist er oberhalb von Windrädern unterwegs. Hier oben bläst der Wind konstanter als auch kräftiger. Die Energieausbeute ist somit höher – es entsteht doppelt so viel Strom wie bei Windturbinen und fünfmal so viel wie bei Solaranlagen.

Höhenvergleich zwischen Windrädern und Flugdrachen (c) Enerkite

Effizienzoptimierung

Neben der Anlage an sich geht es in dem Forschungsprojekt auch um Effizienzoptimierung. Das will man durch den Einsatz innovativer Technologien und recyclingfähiger Materialien beim Flügel- und Anlagenbau erreichen. „Wir freuen uns, als Partner zu diesem wegweisenden Forschungsprojekt zu stoßen. Wir versprechen uns davon weitere Impulse zur Verbesserung unserer eigenen Technologie, die so noch leistungsfähiger und durch die Berücksichtigung einer recycling- und funktionsgerechten Bauteilkonstruktion noch nachhaltiger wird. Die dezentrale, autonome Ladeinfrastruktur für die flächendeckende Versorgung der E-Mobilität überall auf der Welt ist ein wichtiger Anwendungsfall für die Airborne Wind Energy“, sagt EnerKíte-Geschäftsführer Florian Breipohl.

Forschungspartnerschaft

Am Forschungscampus Open Hybrid LabFactory (OHLF) arbeiten seit 2016 Universitäten, kleine und mittlere Unternehmen (KMUs), OEMs und Start-Ups unter einem Dach an Schlüsseltechnologien für die Mobilität der Zukunft. Es wurde ein Forschungsbau geschaffen, der die gesamte Wertschöpfungskette, vom Material über die Produktion bis zum Produkt und der Wiederverwertung, abbildet. Um diesen Zusammenschluss zu realisieren und zielgerichtet arbeiten zu können, wurde der OHLF e.V. als öffentlich-private Partnerschaft gegründet, um für gemeinsame Forschungsaktivitäten eine neutrale Plattform zu bieten. EnerKíte arbeitet bereits seit 2010 in enger Kooperation mit Industriepartnern und führenden deutschen Forschungseinrichtungen wie dem DLR, der TU Berlin, BTU Cottbus und der Fraunhofer-Gesellschaft an der Entwicklung von Flugwindkraftanlagen.

Erprobung seit über zehn Jahren

Doch wie schwierig das Geschäft mit Höhenwindenergie ist, zeigt ein Blick in mein journalistisches Archiv. Bereits vor zehn Jahren habe ich über Enerkite für das das Lufthansa Vielfliegermagazin „Exclusive“ berichtet. Damals schaute ich mir den Prototypen auf dem Tempelhofer Feld in Berlin in Aktion an. Man sollte meinen, dass innerhalb von zehn Jahren ein Serienbetrieb realtistisch sein sollte. Aber weit gefehlt. Das zeigt auch der Blick in die USA: Makani Power versuchte es mit Drachen, die dauerhaft in der Luft bleiben. An der Frontkante des Drachen drehten sich kleine Propeller. Die erzeugte Energie wurde über Kabel zum Boden geleitet. Im Frühjahr 2013 übernahm Google für seine Project X das Start-up aus Kalifornien. Im Jahr 2020 wurde der Betrieb eingestellt.

Enerkite Versuch in Berlin
Enerkite Prototyp (2013) auf dem Tempelhofer Feld in Berlin


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Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, V2G, Ladeinfrastruktur, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren im Bereich Mobilität. Darum geht es in meinen Artikeln und Videos. Als Journalist bin ich stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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