Lancia Gamma: Vielversprechende Technik für wenige Märkte

Lancia gibt einen ersten Ausblick auf den neuen Gamma. Das Crossover-Modell basiert auf der STLA-Medium-Plattform von Stellantis und ermöglicht mit seinem rein elektrischen Antrieben eine Reichweite von über 700 Kilometern. Die ambitionierten technischen Daten werden jedoch von einer zurückhaltenden Marktstrategie begleitet: Ein Start in Deutschland ist vorerst nicht geplant. Damit bleibt die Frage offen, wie ernst es Lancia mit seinem Comeback in Europa meint.

Die STLA-Medium-Plattform als technische Basis

Der Lancia Gamma nutzt als erstes Modell der Marke die STLA-Medium-Plattform des Stellantis-Konzerns. Diese Architektur ist für rein batterieelektrische Fahrzeuge konzipiert und kommt bereits bei Modellen wie dem Peugeot E-3008 oder Opel Grandland zum Einsatz. Mit einer Länge von 4,67 Metern positioniert sich der Gamma im C-Segment. Das Design kombiniert die erhöhte Sitzposition eines Crossovers mit der abfallenden Dachlinie eines Fastbacks, was die aerodynamische Effizienz verbessert. Die Fertigung des für Europa entwickelten Modells findet im italienischen Werk Melfi statt.

Antrieb: Große Reichweite, offene Fragen

Lancia stellt für den Gamma mehrere Antriebsvarianten in Aussicht. Die leistungsstärkste Version verfügt über einen Allradantrieb mit 257 kW (350 PS) und soll eine Reichweite von bis zu 675 Kilometern erzielen. Eine Variante mit Frontantrieb und 180 kW (245 PS) soll sogar über 740 Kilometer Reichweite nach WLTP erreichen. Eine weitere Basisversion leistet 169 kW (230 PS) und kommt auf über 540 Kilometer. Ergänzend ist eine Hybridversion mit 107 kW (145 PS) geplant.

Während die Reichweitenangaben konkurrenzfähig klingen, nennt Lancia entscheidende technische Kennzahlen bislang nicht. Angaben zur Akkukapazität oder zur maximalen Ladeleistung fehlen. Ohne diese Werte lässt sich die Langstreckentauglichkeit der E-Antriebe kaum bewerten. Insbesondere die Ladekurve und die Geschwindigkeit am DC-Schnelllader sind für potenzielle Käufer ein kritisches Kriterium, bei dem sich moderne Architekturen beweisen müssen.

Ein Comeback mit angezogener Handbremse

Trotz der modernen technischen Grundlage tritt Lancia bei der Markteinführung auf die Bremse. Der Gamma wird zunächst nur in den sieben Ländern angeboten, in denen die Marke bereits mit dem Kleinwagen Ypsilon vertreten ist: Italien, Frankreich, Spanien, Portugal, die Niederlande, Belgien und Luxemburg.

Eine Rückkehr nach Deutschland, einem der wichtigsten europäischen Märkte für Elektromobilität, ist vorerst nicht vorgesehen. Diese Entscheidung schränkt das Potenzial des Modells erheblich ein und wirft Fragen bezüglich der europäischen Wachstumsstrategie der Traditionsmarke auf.

Fazit: Nischenmodell

Der Lancia Gamma zeigt auf dem Papier vielversprechende Ansätze. Die STLA-Medium-Plattform bietet eine solide Basis für hohe Reichweiten und dürfte eine zeitgemäße Fahrzeugarchitektur ermöglichen. Doch die Marke bleibt wichtige Antworten schuldig: Ohne Details zur Ladeleistung und Akkugröße ist das technische Potenzial schwer einzuschätzen. Schwerer wiegt jedoch die Entscheidung, den deutschen Markt weiterhin zu ignorieren. Ein europäisches Comeback ohne Präsenz im größten europäischen Automarkt wirkt wenig überzeugend und degradiert den an sich interessanten Gamma zu einem Nischenmodell.

Bild von Maik Machnig

Maik Machnig

Der selbsternannte Nerd liebt Technologie. Sein großer Wunsch: Eine Fahrt quer durch Deutschland in einem autonom fahrenden Auto.

Schreibe einen Kommentar

Anzeige

Newsletter

* Angaben erforderlich


Wir versenden am Freitag alle Meldungen der Woche gesammelt.

Du kannst das Abo jederzeit in der Newsletter-Ausgabe kündigen.

Mehr zu den Datenschutzregeln

Intuit Mailchimp

Beliebte Artikel

Anzeige