Kia PV5 WAV: Der Elektro-Van für Rollstuhlfahrer

Kia PV 5 Rollstuhl

Mit dem PV5 WAV (Wheelchair Accessible Vehicle) präsentiert der koreanische Hersteller Kia eine rollstuhlgerechte Variante seines neuen Nutzfahrzeugs. Anders als bei der Konkurrenz handelt es sich dabei nicht um eine nachträgliche Umbaulösung, sondern um ein integriertes Gesamtkonzept ab Werk.

Eine Plattform für alle Fälle

Der PV5 ist das erste Modell auf Kias „Platform Beyond Vehicle“ (PBV)-Strategie basiert. Herzstück ist die skalierbare Skateboard-Plattform „eS“. Diese rein elektrische Basis erlaubt eine hohe Modularität. Kia nutzt eine Technik namens „Easy Swap“, bei der verschiedene Aufbauten hinter der Fahrerkabine ausgetauscht werden können. So lässt sich ein Fahrzeug vom Personentransporter zum Kastenwagen umfunktionieren. Der PV5 WAV ist die erste ab Werk angebotene Spezialisierung dieser Architektur. „Unsere PBV-Strategie beschränkt sich nicht nur auf Logistik, sie dreht sich um das Leben. Mit dem PV5 WAV nutzen wir die Flexibilität unserer ‚eS‘-Plattform, um eine ab Werk gefertigte Lösung zu liefern, die Menschen mit eingeschränkter Mobilität Würde und Unabhängigkeit schenkt. Dies ist ein Kernstück unserer Vision für eine nachhaltige Mobilität für alle„, sagt Ho-sung Song, CEO der Kia Corporation.

Durchdachte Technik für den barrierefreien Zugang

Im Gegensatz zu gängigen Umbauten, bei denen der Fahrzeugboden nachträglich ausgeschnitten und tiefergelegt wird, integriert Kia die notwendigen Anpassungen direkt in die Fertigung. Der PV5 WAV verfügt über einen abgesenkten Boden und eine breite, elektrisch ausfahrbare Rampe an der Seitentür. Der seitliche Zugang birgt zusätzlich eine psychologische Komponente: Der Fahrgast im Rollstuhl kommt in den Wagen wie jeder andere Passagier auch. Der Zugang über das Heck wirkt dagegen eher wie eine Gepäckbeladung.

Im Innenraum sorgen spezielle Rückhaltesysteme für die sichere Befestigung des Rollstuhls. Die Fahrzeughöhe ist so konzipiert, dass sie auch im Innenraum ausreichend Kopffreiheit bietet – ein häufiges Defizit bei nachträglich umgerüsteten Vans. Neben dem Platz für einen Rollstuhl bietet der Innenraum Sitzgelegenheiten für weitere Passagiere. Die Bedienung der Rampe und der Sicherungssysteme erfolgt über eine zentrale Steuereinheit, was die Handhabung im Alltag erleichtert.

Kia PV 5 Rollstuhl

Antrieb und Architektur

Ob sich die technischen Daten des PV 5 WAV zur klassischen Passagierversion unterscheiden, schreibt Kia in der Pressemitteilung nicht. Die sechs oder sieben Sitzer-Version ist 4,70 m lang und 1,92 m hoch. Zur Wahl stehen eine 51,5 oder 71,2 kWh Batterie (400 Volt System) mit denen man 295 bzw 412 km weit kommt. Allerdings dürfte das aufgrund des höheren Gewichts mit der Rampe beim PV 5 WAV etwas geringer ausfallen.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 135 km/h. Ein Ladestopp dauert 30 Minuten (10 bis 80%) mit maximal 150 kW Ladeleistung. Der Fahrer hat in dem Kleinbus eine erhöhte Sitzposition. Dennoch hat man eher das Gefühl in einem Pkw zu sitzen, da sich das Fahrgefühl kaum unterscheidet. Die große Frontscheibe, die tief reichenden Seitenscheiben sowie die beiden Dreiecksscheiben an den A-Säulen sorgen für einen guten Ausblick. Zusätzlich hilft in der Elite-Ausstattung eine Toter-Winkel-Monitoranzeige. Da das Kombiinstrument mit 7,5 Zoll recht klein ausfällt, ist hier das runde Kamerabild kleiner aus als in anderen Kia-Modellen. Dennoch erkennt man beim Spurwechsel oder Abbiegen gut, ob sich noch ein Fahrzeug oder Fußgänger von hinten nähert.

Fazit: Kia setzt ein Zeichen

Mit dem PV5 WAV demonstriert Kia eindrucksvoll die Flexibilität seiner neuen Elektro-Plattform. Der Ansatz, ein rollstuhlgerechtes Fahrzeug direkt ab Werk anzubieten, ist ein klares Differenzierungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern wie dem VW ID. Buzz oder dem Ford E-Transit, die auf teure und oft kompromissbehaftete Lösungen von Drittanbietern angewiesen sind.

Der Erfolg des Konzepts wird jedoch maßgeblich von zwei Faktoren abhängen: dem Preis und der praxistauglichen Reichweite. Wenn Kia hier ein wettbewerbsfähiges Paket schnürt, hat der PV5 WAV das Potenzial, den Markt für barrierefreie Mobilität nachhaltig zu prägen.

Bild von Maik Machnig

Maik Machnig

Der selbsternannte Nerd liebt Technologie. Sein großer Wunsch: Eine Fahrt quer durch Deutschland in einem autonom fahrenden Auto.

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