EnBW collect: Das Treueprogramm für die Ladesäule

EnBW Treueprogramm

Der Energiekonzern EnBW startet mit „EnBW collect“ ein neues Treueprogramm für Fahrer von Elektroautos. Kunden sammeln bei jedem Ladevorgang an EnBW-eigenen Stationen Punkte, die sich in Ladeguthaben umwandeln lassen. Das System soll die Kundenbindung im hart umkämpften Markt für Ladeinfrastruktur stärken und entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ein Bonus mit überschaubarem finanziellem Vorteil.

So funktioniert das Punktesystem

Die Teilnahme am Programm ist für Privatkunden mit einem bestehenden EnBW mobility+ Ladetarif kostenlos. Eine einmalige Anmeldung über die Login-Daten der App genügt. Anschließend sammelt das System automatisch bei jedem Ladevorgang an einer EnBW-Ladestation zwei Punkte pro geladener Kilowattstunde (kWh). Sobald 500 Punkte erreicht sind, können diese in der EnBW mobility+ App in ein Ladeguthaben von fünf Euro umgewandelt werden. Der aktuelle Punktestand ist über ein separates Online-Portal einsehbar.

Werkzeug zur Kundenbindung

Mit dem Vorstoß überträgt EnBW ein bekanntes Prinzip aus dem Einzelhandel auf den E-Mobilitätssektor. Das Ziel ist klar: Kunden sollen motiviert werden, bevorzugt das eigene Ladenetz anzusteuern, anstatt flexibel zwischen Anbietern wie Ionity, Aral Pulse oder Tesla zu wechseln. „Treueprogramme sind in vielen Branchen etabliert. Mit EnBW collect übertragen wir dieses Prinzip auf die E-Mobilität und ergänzen unser Angebot um einen weiteren Baustein„, sagt Lars Jacobs, Chief Commercial Officer E-Mobility bei der EnBW.

Was der Bonus wert ist

Rechnerisch müssen Kunden für das Erreichen der 500-Punkte-Schwelle 250 kWh an EnBW-Säulen laden. Dann erhalten sie die Gutschrift von fünf Euro. Abhängig vom gewählten Tarif entspricht dies einem De-facto-Rabatt von rund zwei bis vier Prozent auf die Ladekosten. Ein nennenswerter Preisvorteil entsteht dadurch nicht. Vielmehr handelt es sich um eine kleine Belohnung für Markentreue. Laut EnBW wurde das System vor dem Start in einer Testphase mit rund 5.000 Nutzern erprobt. „In dieser Zeit haben wir Feedback gesammelt, das Programm optimiert und besser auf die Anforderungen der Nutzer*innen zugeschnitten„, sagt Lars Jacobs. Für die Zukunft plant der Anbieter, das Programm um zeitlich begrenzte Aktionen zu erweitern, etwa durch eine höhere Punktevergabe zu bestimmten Zeiten oder an ausgewählten Standorten.

Fazit: Ein bekannter Ansatz im neuen Markt

Anstatt über einen Preiskampf zu konkurrieren, setzt der Energiekonzern auf eine etablierte Methode der Gamification. Im Vergleich zu Abo-Modellen der Konkurrenz, wie dem Ionity Passport, der den kWh-Preis direkt senkt, wirkt der Ansatz von EnBW zurückhaltender. Er ist ein logischer, aber wenig innovativer Schritt, um in einem dichten Wettbewerbsumfeld die eigene Position als einer der größten Ladenetzbetreiber in Deutschland zu festigen. Auf der anderen Seite kann es als Steuerungsinstrument genutzt werden. Zu gering ausgelastete Stationen oder in Zeiten von Energieüberschüssen, leiten mehr Punkte die Kunden an die gewünschten Stationen.

Bild von Bernd Troller

Bernd Troller

Auf dem heimischen Dach seinen eigenen Kraftstoff produzieren zu können, ist für Bernd der größte Vorteil der Elektromobilität.

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