Bentley präsentiert mit dem Torcal sein erstes rein elektrisches Serienmodell. Das SUV kommt in zwei Ausführungen mit 821 und 888 PS, einer 113-kWh-Batterie und 800-Volt-Technik. Die Marke, die zum Volkswagen Konzern gehört, nennt bis zu 600 Kilometer WLTP-Reichweite. Preise und Verbrauchswerte fehlen noch.
Vierte Baureihe, erster Stromer
Der Torcal feiert in London Weltpremiere und ist die vierte Modellreihe der Marke neben Continental GT, Flying Spur und Bentayga. Bentley entwickelt und fertigt ihn in Crewe. Das Unternehmen gehört seit 1998 zum Volkswagen Konzern. Für den Torcal bedeutet das vermutlich Technik aus dem Konzernregal. Die Pressemitteilung nennt dazu allerdings keine Details.
„Der Torcal ist ein Bentley durch und durch und entsteht durch die Hände von Menschen, die ihr Handwerk mit Leidenschaft und höchstem Anspruch ausüben. Sie verbinden die besten verfügbaren Materialien und modernste Technologien mit jahrzehntelanger Tradition und schaffen daraus wegweisende Innovationen. Für mich einer der besten Bentleys, den es jemals gab„, sagt Dr. Frank-Steffen Walliser, Chairman and CEO von Bentley Motors.

Zwei Motoren, zwei Leistungsstufen
Zwei Permanentmagnet-Synchronmotoren treiben alle vier Räder an. Der Frontmotor arbeitet mit einem offenen Differenzial, der Heckmotor mit einem Sperrdifferenzial und einer Lamellenkupplung an jeder Antriebswelle. Das Basismodell leistet 821 PS und 1.194 Nm. Es beschleunigt in 3,4 Sekunden auf 100 km/h und läuft 250 km/h. Der Torcal S kommt auf 888 PS und 1.350 Nm, braucht 2,9 Sekunden und erreicht 260 km/h. Die Höchstleistung des S steht laut Bentley nur bei aktivierter Launchcontrol zur Verfügung.
Bentley begründet diese Abstimmung mit der Kundenerwartung. Eine noch härtere Beschleunigung empfänden die meisten Kunden eher als unangenehm. Mit den Werten liegt der Torcal deutlich über dem Rolls-Royce Spectre, der auf 430 kW und 900 Nm kommt.
Batterie und Laden: 113 kWh, bis 400 kW
Die Hochvoltbatterie besteht aus 192 in Reihe geschalteten Pouchzellen und arbeitet mit 800 Volt. Die nutzbare Kapazität liegt bei 113 kWh. Bentley gibt bis zu 600 Kilometer nach WLTP an. An Schnellladern mit 400 kW lädt der Torcal von 10 auf 80 Prozent in 16 Minuten. In sieben Minuten kommen rund 161 Kilometer Reichweite hinzu. Rechnerisch fließen dabei etwa 79 kWh in 16 Minuten, im Schnitt also knapp 300 kW. Die Spitzenleistung liegt nur kurz an. Die Batteriegarantie gilt zehn Jahre oder 100.000 Meilen.
Den Stromverbrauch nennt Bentley nicht. Die EU-Werte für Verbrauch und elektrische Reichweite stehen unter dem Vorbehalt der Typgenehmigung. Die 600 Kilometer sind damit vorläufig.

Fahrwerk, Sensorik und Assistenz
Das Fahrwerk arbeitet vollaktiv, mit adaptiven Zweiventil-Dämpfern. Sie heben und senken jedes Rad einzeln. Stabilisatoren entfallen, die Dämpfer übernehmen das Gegenmoment gegen das Wanken. Die serienmäßige Allradlenkung schlägt bis zu 5 Grad ein und senkt den Wendekreis auf 11,1 Meter. Der Torcal ist fünf Meter lang und damit der kürzeste Viertürer im Bentley-Programm. Der Kofferraum fasst 460 Liter, dazu kommen 90 Liter Stauraum unter der Fronthaube (Frunk).
Ein System aus 25 Radar- und Ultraschallsensoren und Kameras erfasst das Umfeld. Der Torcal erkennt Ausweichstellen auf schmalen Straßen und fährt bei Gegenverkehr selbstständig zurück. Er parkt per App fern und lernt Parkmanöver. Die Türen öffnen und schließen elektrisch, gesteuert per Radar. Angaben zu Assistenzstufen und Fahrfunktionen auf der Autobahn macht Bentley nicht.
Innenraum: Physische Tasten, Wolle und synthetischer Sound
Bentley setzt auf gebogene OLED-Displays, ein Head-up-Display mit Augmented Reality und Gesichtserkennung für persönliche Einstellungen. In Mittelkonsole und Lenkrad bleiben physische Bedienelemente. Die Rückbank lässt sich erstmals in einem Bentley elektrisch umklappen. Die Sitze bieten 16-fache Verstellung, Heizung, Belüftung und Massage. Als Material kommt ein Stoff aus 100 Prozent Merinowolle zum Einsatz, den Bentley mit der Weberei Fox Brothers entwickelt hat.
Der Antriebssound heißt Bentley Dynamic Symphony. Das Team hat ihn mit Schlagzeug, Bratsche und Bassgitarre aufgenommen und am Vorbild des V8 orientiert. Er ist künstlich, lässt sich aber abschalten. Ein Audiosystem von Naim mit 28 Lautsprechern und 1.780 Watt ist optional.

Preise und Marktstart noch nicht offiziell
Die Pressemitteilung nennt weder Preise noch einen Termin für den Marktstart. Medienberichte nennen unterschiedliche Zahlen. Handelsblatt, AutoScout24 und Aktien.news berichten von einem Einstiegspreis umgerechnet etwa 200.000 Euro und einen Marktstart im Frühjahr 2027. Zum Vergleich: Für den elektrischen Ferrari Luce nannte Ferrari-Chef Benedetto Vigna 550.000 Euro.
Fazit
Der Torcal ist technisch ein überzeugender Einstieg in die Elektromobilität. Die Werte für Leistung, Ladeleistung und Batterie liegen im oberen Bereich der Luxusklasse. Offen bleiben Verbrauch, Preis, Marktstart und der Umfang der Assistenzsysteme. Für die Branche ist er ein Signal: Nach Rolls-Royce mit dem Spectre und Project Nightingale elektrifiziert nun auch Bentley sein Kerngeschäft, und das mit einem SUV statt mit einem Grand Tourer.



