Waymo bekommt einen weiteren Fahrzeuglieferanten. Toyota baut künftig eine Robotaxi-Version des bZ4X, und zwar samt Waymo-Hardware direkt im eigenen Werk. Ab 2027 testet Waymo die Flotte in Japan, Großbritannien soll folgen. Die Partnerschaft löst ein drängendes Beschaffungsproblem. Die Frage, wann Waymo Geld verdient, beantwortet sie nicht.
Was Waymo und Toyota vereinbart haben
Waymo kündigt die Partnerschaft am 30. Oktober an. Sie baut auf einer Absichtserklärung vom April 2025 auf. Toyota fertigt die Fahrzeuge im Werk Takaoka in Toyota City, Präfektur Aichi, wo auch der reguläre bZ4X vom Band läuft. Nach Waymos Angaben findet der gesamte Prozess unter einem Dach statt, von der Montage des Basisfahrzeugs bis zur Integration der Sensoren und Rechner.
Der Robotaxi-bZ4X bekommt einen angepassten Innenraum mit mehr Beinfreiheit im Fond, automatischen Türen, elektrischer Heckklappe und Ambientebeleuchtung. Laut Motor1 und AutoNext plant Toyota das Fahrzeug nur mit Rechtslenkung. Das passt zu den genannten Märkten Japan und Großbritannien, in denen Linksverkehr gilt. Zu Finanzvolumen, Stückzahlen und Testorten schweigen beide Unternehmen. Toyotas Technikchef kündigt laut Motor1 an, die Flotte bleibe zunächst klein.
Warum der Deal für Waymo wichtig ist
Bislang rüstet Waymo fertige Fahrzeuge in einem eigenen Werk in Mesa, Arizona, um, das es gemeinsam mit Magna betreibt. Das Rückgrat der Flotte bildet der Jaguar I-Pace, dessen Produktion in Graz im Dezember 2024 endete. Waymo hatte sich einen Vorrat gesichert, doch der ist endlich. Der Nachfolger Ojai stammt von Zeekr aus Ningbo und ist das erste Fahrzeug mit dem Waymo Driver der sechsten Generation. Er fährt seit diesem Jahr für zahlende Kunden in den USA. Als in China gebautes Fahrzeug unterliegt er allerdings hohen Zöllen, in den USA wie in der EU. Hyundai hat Robotaxis auf Basis des Ioniq 5 aus Georgia zugesagt, die Serienfertigung läuft aber noch nicht.
Toyota wird damit der dritte Hersteller, der Fahrzeuge für Waymo liefert. Neu ist vor allem das Fertigungsmodell. Wenn ein Großserienhersteller die autonome Hardware auf der eigenen Linie integriert, sinken Umbauaufwand und Fehlerquellen. Zudem bekommt Waymo einen Partner mit Präsenz in den Märkten, die es als Nächstes erschließen will. Der Ojai ist als Linkslenker für Japan und Großbritannien ungeeignet, der bZ4X schließt diese Lücke.
Expansion auf breiter Front
Die Ankündigung fällt in eine Phase schneller Expansion. Am 27. Oktober vergrößert Waymo sein Einsatzgebiet in Los Angeles, Nashville, Orlando, San Diego und der Bay Area um rund 250 Quadratmeilen. Im Oktober kommen öffentliche Dienste in San Antonio und Tampa, eine Anbindung des Flughafens Las Vegas sowie Ankündigungen für Toronto und Madrid hinzu. Nach Fortune ist Waymo in 15 US-Städten aktiv, 15 weitere sollen folgen. In London plant Waymo laut AutoNext einen fahrerlosen Dienst bis Ende 2026.
Die Kostenfrage bleibt
Wirtschaftlich steht Waymo trotz des Wachstums am Anfang. Alphabets Sparte Other Bets, zu der Waymo gehört, setzt im dritten Quartal 2026 laut Fortune 372 Millionen US-Dollar um und schreibt einen operativen Verlust von 2,05 Milliarden US-Dollar, nach 1,43 Milliarden im Vorjahresquartal. Auf jeden Dollar Umsatz kommen damit rund 5,50 Dollar Verlust. Waymo selbst weist keine eigenen Zahlen aus. Finanziert wird die Expansion über eine Finanzierungsrunde von 16 Milliarden US-Dollar im Februar, die Waymo mit 126 Milliarden bewertete, und einen Kredit über 5 Milliarden US-Dollar im Oktober, Waymos erste Fremdfinanzierung.
Die Toyota-Partnerschaft verbessert die Beschaffung, ändert aber wenig an der Stückkostenrechnung. Ein Serien-SUV mit Lidar, Radar und zahlreichen Kameras bleibt deutlich teurer als ein konventionelles Taxi. Waymo nennt weder für den Ojai noch für den bZ4X einen Fahrzeugpreis.
Wettbewerb: Kamera gegen Sensorfusion
Der wichtigste Gegenentwurf kommt von Tesla. Das Cybercab soll nach Teslas Angaben rund 30.000 US-Dollar kosten und verzichtet auf Lidar. Tesla erweitert sein Robotaxi-Gebiet in Houston am 26. Oktober, fährt aber deutlich weniger fahrerlose Kilometer als Waymo. Zoox setzt auf ein eigenes Fahrzeug ohne Lenkrad, in China und im Nahen Osten skalieren Baidu Apollo Go, WeRide und Pony.ai. Gerade in Europa und Japan treffen Waymo damit auf Anbieter, die mit Plattformen wie Uber und Lyft kooperieren und günstigere Fahrzeuge einsetzen.
Offene Fragen
- Sensorik: Welche Generation des Waymo Driver der bZ4X trägt und wie viele Lidar-, Radar- und Kamerasensoren verbaut sind, nennt Waymo nicht. Beim Ojai sind es laut Wikipedia vier Lidar, sechs Radar und mehr als ein Dutzend Kameras.
- Validierung: Jede neue Fahrzeugbasis erfordert eigene Absicherung. Drei Plattformen parallel binden Entwicklungskapazität.
- Regulierung: Japan erlaubt Level-4-Betrieb nur in genehmigten Gebieten. Wo und mit welcher Genehmigung Waymo 2027 testet, ist offen. Für Großbritannien gibt es kein Datum.
- Toyotas Rolle: Toyota will auch den Einsatz von Waymo-Technik in Privatfahrzeugen prüfen. Ob daraus ein Produkt wird, ist völlig unklar.
Fazit
Die Partnerschaft mit Toyota ist für Waymo ein logischer Schritt. Sie sichert Fahrzeuge für Rechtslenker-Märkte, verlagert den Umbau in eine Großserienfabrik und bringt einen erfahrenen Industriepartner ins Boot. Technisch ist Waymo der Konkurrenz weiter voraus. Wirtschaftlich bleibt das Unternehmen ein Wachstumsprojekt mit Milliardenverlusten. Ob ein Serien-SUV mit teurer Sensorik reicht, um gegen deutlich günstigere Ansätze profitabel zu werden, zeigt sich nicht in Takaoka, sondern auf der Straße.

