Volkswagen ordnet die Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen und hochautomatisiertem Fahren in Europa neu. In der Einheit One Team führt der Konzern die Kompetenzen der Softwaremarke Cariad und der Konzernmarken zusammen.
Die Leitung übernimmt ein Cariad-Manager, die Verantwortung liegt bei Audi. Die neue Struktur soll Tempo bringen und einen lange schwelenden Konflikt zwischen Audi und Cariad entschärfen. Technisch bleibt die Lücke zur Konkurrenz groß.
Cariad-Manager berichtet an Audi
Der Aufbau der Einheit hat begonnen, formell soll sie im November die Arbeit aufnehmen. Die Leitung übernimmt Manuel Birke, bisher CTO ADAS bei Cariad. Er berichtet in dieser Funktion an Audi-Entwicklungsvorstand Rouven Mohr und bleibt parallel für seine bisherigen Aufgaben bei Cariad verantwortlich. Birke erhält damit eine Doppelrolle mit zwei Berichtslinien. Das kann Entscheidungen beschleunigen. Es kann aber auch neue Reibung erzeugen, wenn Markeninteressen und Plattformziele auseinanderlaufen.
Ein Friedenspakt mit Vorgeschichte
Die Automobilwoche bezeichnet die Neuordnung als Friedenspakt zwischen Audi und Cariad. Der Hintergrund ist bekannt. Audi-Chef Gernot Döllner gilt als Kritiker der Softwaretochter. Probleme bei der Softwareentwicklung verzögerten in der Vergangenheit wichtige Modelle, etwa den Audi Q6 e-tron. Mit One Team weist der Konzern Fortschritt und Verzug nun einem klaren Verantwortlichen zu.
Viele Details fehlen allerdings noch. Wie viele Beschäftigte zu One Team gehören und wie sich die Zuständigkeiten gegenüber Cariad im Detail verschieben, ist nicht bekannt. Eine eigenständige Gesellschaft ist offenbar nicht vorgesehen. Auch Cariad selbst steht unter Druck. Seit Ende 2023 schrumpfte das Unternehmen von rund 6.500 auf etwa 4.300 Beschäftigte. Künftig sollen nochmals rund 1.000 Stellen wegfallen.
Level 2+ steht, Level 4 fehlt
Technisch startet One Team nicht bei null. Cariad und Bosch entwickelten gemeinsam einen Technologie-Stack für Fahrerassistenz bis SAE-Level 2+, der erstmals im Elektro-Kleinwagen ID. Every1 zum Einsatz kommen soll. Die gemeinsame Entwicklungsphase endete im Sommer, die entstandene Technologie soll im Konzern weiter genutzt und ausgebaut werden.
Für alles oberhalb von Level 2+ reicht das nicht. Für höhere Automatisierungsstufen bis Level 4 braucht Volkswagen weitere technologische Fortschritte. Hier liegt das eigentliche Defizit.
Wayve und Nvidia als mögliche Bausteine
Die Partnersuche läuft parallel. Laut einem Bericht des Spiegel soll sich der Konzern in einem internen Vergleich für das britische KI-Start-up Wayve entschieden haben. Ein Vertrag ist bislang nicht bestätigt. Wayve setzt auf einen datengetriebenen End-to-End-Ansatz und hat mit Mercedes, Nissan und Stellantis bereits Autobauer als Geldgeber.
Auf der Nvidia-Konferenz GTC in Berlin zeigte Volkswagen Nutzfahrzeuge den autonomen ID. Buzz AD auf Basis von Nvidias Hyperion-Plattform, die Rechenhardware mit einer standardisierten Sensorarchitektur kombiniert. Beim Moia-Projekt in Hamburg soll sich Volkswagen gegen Mobileye und für Wayve entschieden haben.
Fazit
One Team ist zunächst eine Organisationsreform, keine technische Lösung. Sie klärt, wer verantwortlich ist, und beendet vorerst den Streit zwischen Audi und Cariad. Den Rückstand bei Level 3 und Level 4 schließt sie nicht. Entscheidend wird, ob Volkswagen den eigenen Level-2+-Stack zügig mit einem externen Partner wie Wayve verbindet.


