Volkswagen, die Batterietochter PowerCo und der chinesische Zellhersteller Gotion High-Tech gründen drei Gemeinschaftsunternehmen in Spanien, der Slowakei und Marokko. Dort sollen LFP-Batteriezellen und das passende Kathodenmaterial entstehen.
Die beiden Zellwerke kommen zusammen auf 37,5 GWh Jahreskapazität. Parallel verkauft Volkswagen einen Teil seiner Gotion-Aktien. Der Deal zeigt, wie stark Europas Batterieindustrie bei der Lithium-Eisenphosphat-Technik (LFP) auf Know-how aus China angewiesen ist.
Drei Standorte mit klarer Arbeitsteilung
Das größte Projekt liegt in Valencia. PowerCo baut dort derzeit eine Gigafabrik, die nun in ein Joint Venture übergeht. PowerCo hält 51 Prozent und bleibt Mehrheitsgesellschafter, die Führung teilen sich beide Partner. Valencia soll zum europäischen Produktionszentrum für die Einheitszelle von Volkswagen auf LFP-Basis werden. Die günstigere Zellchemie kommt in den Einstiegsversionen (ab 25.000 Euro) der Electric Urban Car Family zum Einsatz. Laut Gotions Börsenmitteilung umfasst das Projekt rund 2,26 Milliarden Euro und eine Jahreskapazität von 29,1 GWh. Volkswagen betont, dass die angekündigten Investitionen und Arbeitsplätze bestehen bleiben.
Im slowakischen Šurany überführt Gotion seine Zellfabrik in ein Joint Venture. Hier hält Gotion 51 Prozent. Das Werk fertigt LFP-Zellen für Elektrofahrzeuge und für stationäre Energiespeicher. Gotion beziffert die Investition auf rund 480 Millionen Euro bei 8,4 GWh Jahreskapazität.
Der dritte Baustein entsteht im marokkanischen Kenitra. Dort planen die Partner eine neue Anlage für LFP-Kathodenmaterial mit 100.000 Tonnen Jahreskapazität. Auch hier liegt die Mehrheit von 51 Prozent bei Gotion, das Investitionsvolumen liegt bei rund 480 Millionen Euro. Das Material geht vorrangig an die beiden europäischen Zellwerke.
„Ich freue mich, dass wir unsere langjährige Partnerschaft mit Gotion auf die gemeinsame industrielle Produktion von LFP-Batterien ausweiten und damit die europäische Batterieindustrie stärken. Das ist für beide Unternehmen ein wichtiger Durchbruch. Wir kommen damit unserem Ziel näher, eine führende Rolle in der Elektromobilität einzunehmen. Volkswagen ist der erste europäische Automobilhersteller, der die gesamte Batterie-Wertschöpfungskette abdeckt – von der Entwicklung über die Vormaterialien bis hin zur Produktion„, sagt Thomas Schmall, Mitglied des Vorstands der Volkswagen Group für Technik und Aufsichtsratsvorsitzender der PowerCo SE.
Die Zahlen passen nicht ganz zusammen
Bei den Finanzen weichen die Angaben der Partner voneinander ab. Volkswagen nennt rund 470 Millionen Euro, die PowerCo bis 2030 für jeweils 49 Prozent an Šurany und Kenitra einbringt. Gotion zahlt im Gegenzug rund 1,1 Milliarden Euro für 49 Prozent an Valencia. Gotions Börsenmitteilung spricht dagegen von einem Gesamtvolumen von rund 3,22 Milliarden Euro. Davon entfallen etwa 1,6 Milliarden Euro auf Gotion und rund 1,62 Milliarden Euro auf PowerCo, gestaffelt ausgezahlt. Die Differenz dürfte daher rühren, dass Volkswagen nur den Anteilserwerb beziffert, Gotion dagegen die gesamte Projektfinanzierung.
Zwei Details relativieren die Ankündigung: Erstens klammert Gotion Grundstücke und Fabrikgebäude aus dem Leistungsumfang aus. Zweitens rechnet der Konzern mit bis zu fünf Jahren Bauzeit je Projekt. Die volle Kapazität steht damit im ungünstigen Fall erst zu Beginn der 2030er-Jahre bereit. Konkrete Abnahmemengen und Liefergarantien für Volkswagen sind zudem noch nicht fixiert. Sie sollen erst in späteren Verträgen folgen.
Auch rechtlich ist der Deal nicht abgeschlossen. Gotions Verwaltungsrat hat am 28. September zugestimmt, die Investitionsvereinbarung selbst ist laut Börsenmitteilung aber noch nicht unterzeichnet. Es fehlen die Zustimmung der Gotion-Hauptversammlung sowie behördliche Genehmigungen in China und im Ausland. Gotion weist selbst darauf hin, dass Finanzierung, Genehmigungen und Marktveränderungen Zeitplan und Rendite beeinflussen können.
Europa fehlt die LFP-Fertigung
Den strategischen Hintergrund benennt Volkswagen offen. Prognosen zufolge könnte der LFP-Anteil im europäischen Markt von heute rund 10 Prozent auf 40 bis 60 Prozent im Jahr 2030 steigen. Gleichzeitig verfügt Europa laut Volkswagen über keine relevanten LFP-Produktionskapazitäten. LFP-Zellen gelten als günstiger, langlebiger und robuster als nickelbasierte Chemien (NMC, Nickel-Mangan-Kobalt). Sie bieten allerdings eine geringere Energiedichte und sind damit vor allem für Volumenmodelle interessant. In der Batteriefabrik von PowerCo in Salzgitter, die sich im Hochlauf befindet, werden NMC-Zellen produziert.
Diese LFP-Lücke in Europa füllen derzeit fast ausschließlich chinesische Hersteller. CATL hat in Ungarn gerade die Probefertigung in einem Werk in Debrecen mit geplant 100 GWh aufgenommen. Gotion spielt global in der ersten Liga mit: Von Januar bis Juli 2026 installierte das Unternehmen laut SNE Research 34,0 GWh in Elektrofahrzeugen, 44,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Das entspricht Platz fünf weltweit mit 4,7 Prozent Marktanteil. CATL liegt mit 39,9 Prozent weit vorn, BYD folgt mit 14,7 Prozent.
Schmalls Aussage, Volkswagen decke als erster europäischer Hersteller die gesamte Wertschöpfungskette ab, verdient daher eine Einordnung. Bei LFP stammen Zellkompetenz und Kathodenfertigung maßgeblich vom chinesischen Partner. In zwei der drei Joint Ventures hält Gotion die Mehrheit.
„Sechs Jahre enger Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und Gotion haben ein tiefes gegenseitiges Vertrauen geschaffen und eine Beziehung entstehen lassen, die beide Seiten stärkt. Sie ist längst über eine gewöhnliche Geschäftsbeziehung hinausgewachsen und zu einer Partnerschaft geworden, die von einer gemeinsamen Zukunft getragen wird“, agt Li Zhen, Chairman von Gotion High-Tech.
Weniger Aktien, gleicher Einfluss
Unabhängig von den Joint Ventures verkauft Volkswagen über die Tochter Volkswagen (China) Investment einen Anteil von 5,3 Prozent aus seiner Gotion-Beteiligung. Zum 20. September hielt die Gesellschaft 24,28 Prozent und war damit größter Aktionär. Käufer nennt Volkswagen nicht. An der Stimmrechtsmacht ändert der Verkauf nichts, da Volkswagen bereits zuvor auf die Ausübung der Stimmrechte für einen Teil seiner Aktien verzichtet hatte. Sitz im Board of Directors und Nominierungsrechte bleiben ebenfalls unberührt.
Fazit
Volkswagen sichert sich mit Gotion einen schnellen Zugang zu LFP-Technik und Kathodenmaterial in Europa und Nordafrika. Das ist industriepolitisch sinnvoll, verschiebt aber die technologische Abhängigkeit nur geografisch. Die Zellen entstehen künftig in Spanien und der Slowakei, das Prozesswissen bleibt weitgehend beim chinesischen Partner. Entscheidend wird der Zeitplan: Bei bis zu fünf Jahren Bauzeit kommen die Kapazitäten spät für einen Markt, dessen LFP-Hochlauf Volkswagen selbst bis 2030 erwartet. Bis dahin haben CATL und BYD ihre europäischen Werke längst hochgefahren.
Quellen:


