Robotaxis für London: Waymo startet Testphase und fordert die Konkurrenz heraus

Waymo London

Die Alphabet-Tochter Waymo beginnt mit Tests seiner autonomen Fahrzeuge auf öffentlichen Straßen in Europa. Dazu hat sich das Unternehmen die britische Hauptstadt London ausgewählt. Eine Flotte elektrischer Jaguar I-Pace sammelt Daten, um den kommerziellen Start eines Robotaxi-Dienstes noch im Laufe des Jahres vorzubereiten. Für Waymo ist es der erste Schritt auf den europäischen Markt, doch die technologischen und regulatorischen Hürden sind hoch – und die Konkurrenz schläft nicht.

Testphase: Mit Sicherheitsfahrer durch den Stadtverkehr

Waymo überlässt den Markteintritt nicht dem Zufall. Seit mehreren Monaten kartieren Mitarbeiter die Straßen der Londons manuell. Nun folgt die nächste Phase: Rund 100 vollelektrische Jaguar I-Pace, ausgestattet mit dem Waymo-Fahrsystem, sind autonom in einem rund 260 Quadratkilometer großen Stadtgebiet unterwegs. Zur Absicherung sitzt in jedem Fahrzeug weiterhin ein menschlicher Sicherheitsfahrer hinter dem Steuer. Dieser kann im Notfall eingreifen. Der Schritt vom assistierten zum fahrerlosen Betrieb markiert die entscheidende Herausforderung.

Technik: Waymo Driver trifft auf britischen Linksverkehr

Das Herzstück der Fahrzeuge ist der „Waymo Driver“, eine Kombination aus Sensorik und Software. Die Fahrzeuge nutzen ein umfassendes System aus Lidar-Sensoren (Light Detection and Ranging), Radar und Kameras, um ein 360-Grad-Bild der Umgebung zu erstellen. Die besondere Herausforderung in London ist nicht nur die komplexe und dichte Verkehrsführung, sondern vor allem der für das System neue Linksverkehr. Waymo nutzt dabei die Erfahrungen aus Millionen gefahrener Meilen in den USA sowie fortschrittliche Simulationen, um die Software an die lokalen Gegebenheiten anzupassen. Die bereits 2019 erfolgte Übernahme des britischen KI-Startups Latent Logic, das auf Imitation Learning spezialisiert ist, dürfte sich hier als strategischer Vorteil erweisen.

Zeitplan: Genehmigungen und Konkurrenz als Hürden

Der geplante Start eines fahrerlosen Dienstes im Jahr 2026 hängt von den britischen Behörden ab. Die Regierung muss zunächst die regulatorischen Rahmenbedingungen für solche Testprogramme finalisieren. Ohne eine offizielle Genehmigung bleibt der Betrieb mit Sicherheitsfahrern der einzig mögliche Modus. Ein vollständig autonomer Service, bei dem der Kunde allein im Fahrzeug sitzt, ist somit noch nicht in Sicht.

Gleichzeitig positioniert sich der Wettbewerb. Das britische Startup Wayve plant ebenfalls, gemeinsam mit Uber einen Robotaxi-Dienst in London zu etablieren. Damit zeichnet sich ein Wettrennen um die Vormachtstellung im ersten europäischen Markt für autonome Fahrdienste ab. Waymo mag technologisch einen Vorsprung haben, doch der lokale Konkurrent könnte bei der regulatorischen Abnahme und der Integration in bestehende Mobilitätsangebote wie Uber punkten.

Fazit: London als Lackmustest für Europa

Waymos Expansion nach London ist ein klares Signal: Der europäische Markt für autonome Mobilität rückt in den Fokus. Die technologische Basis scheint robust, doch die Anpassung an den komplexen Londoner Verkehr und die ausstehenden Genehmigungen bleiben die größten Unbekannten. Der Praxistest wird zeigen, ob das in den USA erprobte System auch den Herausforderungen einer europäischen Metropole gewachsen ist. Das Rennen gegen Wayve, Uber und Moia um den ersten kommerziellen Robotaxi-Dienst ist eröffnet – der Ausgang bleibt offen.

Bild von Maik Machnig

Maik Machnig

Der selbsternannte Nerd liebt Technologie. Sein großer Wunsch: Eine Fahrt quer durch Deutschland in einem autonom fahrenden Auto.

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