Moia in Hamburg: Blick hinter die Kulissen

Moia Hamburg

Mit 100 Elektrobussen startet Moia seinen Ridesharing-Dienst ab dem 15. April 2019 in Hamburg. Nach Hannover ist es die erste Millionenstadt für für die Volkswagen-Tochter. Der Autokonzern investiert einen dreistelligen Millionenbetrag in die Unternehmung, um Europas größten elektrischen Ridesharing-Dienst aufzubauen. Die Stadt Hamburg hat eine Genehmigung für vier Jahre erteilt.

Moia ist ein Mittelding zwischen Taxi und Bus. Einerseits fahren maximal sechs Personen mit. Jeder Platz hat einen USB-Stromanschluss und eine Leselampe. Es gibt WLAN und neben dem Fahrer ist etwas Platz für Gepäck. Aber der Fahrgast wird nicht an der Haustür abgeholt. Die App schlägt eine Haltestation als auch einen Ausstiegspunkt vor. Den Weg zum Bus als auch zum endgültigen Ziel muss der Nutzer laufen. Vor allem muss er pünktlich am vorgeschlagenen Haltepunkt sein, die Fahrer warten nicht, schon aus Rücksicht auf die anderen Mitfahrer. Moia hat für Hamburg 10.000 Haltepunkte festgelegt.

Gebucht wird eine Fahrt per App. Der durchschnittliche Fahrpreis liegt bei sieben Euro. In Hannover dürfen die Fahrer nicht bis zum Flughafen fahren, da der in Lagenhagen und somit einer anderen Stadt liegt. In Hamburg ist das kein Problem. Für die Fahrt zum Helmut-Schmidt-Airport wird allerdings ein Aufschlag von rund 2,50 Euro fällig.

Hamburg Moia
Service-Gebiet von Moia in Hamburg

In Hamburg kooperiert Moia mit der Hochbahn. Ab Jahresende wird man die Bus-Fahrten auch über die Switch-App buchen können. Damit verzahnt der HVV sein Transportangebot enger mit Car-, Bike- und Ridesharing-Diensten.

Auf 1.000 Mitarbeiter wachsen

Bereits seit Januar testet Moia in Hamburg seine E-Busse als auch die Apps für Nutzer und Fahrer. Es ist eine komplette Eigenentwicklung, an der bis zu 150 Entwickler mit Sitz in Hamburg beteiligt sind. Zum Start wird Moia 400 festangestellte Fahrer beschäftigen. Die Zahl soll bis Ende 2019 auf 1.000 Mitarbeiter wachsen. Die Fahrer müssen mindestens 21 Jahre alt sein, einen Personenbeförderungsschein und ein sauberes polizeiliches Führungszeugnis vorweisen. „Wir haben 20.000 Testkilometer in der Stadt hinter uns. Die Fahrer werden zu einer defensiven Fahrweise angehalten und müssen die virtuellen Haltepunkte kennen lernen“, sagt Robert Henrich, COO von Moia. Das Unternehmen darf keine Bushaltestellen, Einfahrten oder Taxi-Stände für die Stopps nutzen. Zu Beginn wird das Gebiet rund 200 Quadratkilometer umfassen, ab Herbst sollen es 300 Quadratkilometer werden.

Robert Henrich, Ole Harms von Moia
Christoph Ziegenmeyer (Pressesprecher), Robert Henrich (COO) und Ole Harms (CEO) von Moia bei der Vorstellung im Hamburger Betriebshof (vlnr)

Flüssigkeitsgekühlte HPC-Säulen

Auf einem Industriegelände an der Papenreye im Stadtteil Groß Borstel entstand der erste von mehreren Betriebshöfen. In einem ehemaligen Indoor-Spielplatz stehen nun 12 Schnellladesäulen (HPC) von Porsche, die per CCS-Stecker und mit bis zu 100 Kilowatt die 87 kWh fassende Batterie in den E-Bussen aufladen. Mit einer Ladung kommt ein Bus 300 Kilometer weit, auch wenn im Winter geheizt und im Sommer der Innenraum gekühlt werden muss.

Die Ladekabel der HPC-Säulen werden per Flüssigkeit gekühlt. In der Halle nebenan stehen weitere sechs DC-Schnelllader sowie eine Waschanlage. Hinter der Halle wurden Gebäude abgerissen, um Platz für rund 110 AC-Ladepunkte sowie Transformatoren zu schaffen. Das Gelände ist mit 1,5 Megawatt ans Stromnetz angeschlossen. Ein Lastmanagement regelt und verteilt die Leistung gleichmäßig auf die Fahrzeuge.

Moia fährt mit Ökostrom

Nach fünf Stunden Fahrt muss der Fahrer 30 Minuten Pause machen. In dieser Zeit kann die Batterie wieder auf 80 Prozent geladen werden. Der Großteil der Fahrzeuge, die bis Anfang 2020 auf 500 Stück erweitert werden, lädt über Nacht an den Wechselstromladern auf dem Parkplatz. Natürlich bezieht Moia Strom, der vom TÜV Nord als Ökostrom zertifiziert wurde. Der Fahrbetrieb läuft von Montag bis Mittwoch zwischen fünf Uhr früh bis ein Uhr nachts. Und Mittwoch bis Sonntag von fünf Uhr morgens und dann den ganzen Tag und die Nacht hindurch bis sechs Uhr. Am Sonntag beginnt der Service dann wieder ab zehn Uhr.

Innenraum Moia Prototyp
Fahrt in einem Moia Prototyp-Bus

VW Eigenentwicklung

Die Busse sind eine Eigenentwicklung und beruhen auf dem VW Crafter. Das VW Werk in Osnabrück baut die Elektrobusse für Moia. Sie sind sechs Meter lang und dürfen mit sechs Fahrgästen und Gepäck das Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen nicht überschreiten. Im Innenraum gibt es zwei Bildschirme: Auf einem sieht der Fahrer seine Route. Auf dem anderen sehen die Gäste die kommenden Haltepunkte. Sie sind mit den Initialen der Nutzer gekennzeichnet, so dass auch Ortsfremde wissen, wann sie aussteigen müssen. Eine Kamera filmt den Innenraum, was die subjektive Sicherheit erhöhen soll. „Vor allem Frauen nutzen in den Abendstunden gern unseren Service in Hannover“, sagt CEO Ole Harms, da menschlicher Fahrer und Kamera ein gutes Gefühl vermitteln. Kinder ab 14 Jahre können die Busse allein nutzen und so zum Sport oder zu Verwandten kommen. Kinder zwischen 6 und 13 Jahren benötigen eine Einverständniserklärung ihrer Eltern. In jedem Bus ist ein Kindersitz der Gruppe I (9 bis18 kg). Das Gepäckfach neben dem Fahrer ist übersichtlich. Ein Kinderwagen oder Rollstuhl, zwei, drei Koffer oder eine größere Kiste finden dort Platz. Ist der belegt, kann kein weiterer Nutzer mit Gepäck zusteigen. Das letzte Wort hat der Fahrer. Kann ein Nutzer seine Fahrt deswegen nicht antreten, kann er sie kostenfrei stornieren.

Moia Bus
Der E-Bus basiert auf dem VW Crafter

Mit dem Gutscheincode MOINMOIA erhalten die ersten 5.000 Nutzer der App in Hamburg eine Freifahrt.

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Dirk Kunde

Elektroautos, Brennstoffzellen, stationäre Speicherbatterien, Schnellladen, autonomes Fahren – die spannendsten Entwicklungen passieren derzeit im Bereich Mobilität. Darum dreht es sich in seinen Artikeln und Videos. Der Journalist ist stets auf der Suche nach neuen Ideen für Mobilität von Morgen.

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