Moia ID. Buzz: Autonomes Fahren startet den Praxistest in Hamburg

Moia Shuttle

Die Volkswagen-Tochter Moia schickt ihre autonome Ridepooling-Flotte auf die Straßen Hamburgs. Ab sofort können erste registrierte Nutzer Fahrten mit dem elektrischen ID. Buzz buchen. Das Projekt markiert einen wichtigen Schritt für das Unternehmen, wirft aber auch Fragen zur technischen Reife und Wettbewerbsfähigkeit auf. Ein Sicherheitsfahrer bleibt vorerst an Bord.

Vom Testfeld in den Stadtverkehr

Moia beginnt den öffentlichen Testbetrieb in den Hamburger Stadtteilen Winterhude, Barmbek und Wandsbek. Ausgewählte Nutzer können über die Moia-App eine Fahrt mit einem der selbstfahrenden ID. Buzz anfordern. Wie beim gewohnten Ridepooling-Dienst teilen sich Fahrgäste mit ähnlichem Ziel die Route und steigen an virtuellen Haltepunkten ein und aus. Während dieser Erprobungsphase sind die Fahrten kostenlos. Entscheidend für die Einordnung des Fortschritts ist jedoch: In jedem Fahrzeug sitzt weiterhin ein Mensch auf dem Fahrersitz, um im Notfall eingreifen zu können. Von einem fahrerlosen Betrieb nach Level 4 im öffentlichen Raum ist man damit noch ein Stück entfernt.

Technik von Mobileye statt Eigenlösung

Als technische Basis für die autonomen Fahrfunktionen dient keine Eigenentwicklung des Volkswagen-Konzerns, sondern das Self-Driving-System des israelischen Spezialisten Mobileye. Diese strategische Entscheidung ist bemerkenswert, denn sie folgt auf das Ende des kostspieligen Engagements von Volkswagen beim US-Startup Argo AI. Zudem hat Volkswagen kürzlich die Entwicklungspartnerschaft mit Bosch zum automatisierten Fahren beendet.

Statt auf eine komplett eigene Architektur und Software zu setzen, agiert MOIA als Systemintegrator. Das Unternehmen entwickelt eine Plattform, welche die Fahrzeuge, das zugekaufte autonome Fahrsystem von Mobileye und die eigene Flottensteuerung zu einer Gesamtlösung für Mobilitätsanbieter verknüpft. „Die Erfahrungen aus dem realen Betrieb helfen uns, Technologie und Angebot gezielt weiterzuentwickeln und für weitere Märkte vorzubereiten. Hamburg spielt dabei eine zentrale Rolle: Hier zeigen wir, wie autonome Mobilität Schritt für Schritt in die breite Anwendung kommt“, sagt Sascha Meyer, CEO von MOIA. Das Ziel ist eine skalierbare Lösung „made in Europe“, die sich an Flottenbetreiber verkaufen lässt.

Ein Projekt mit politischem Rückenwind

Der Testbetrieb ist Teil des Projekts ALIKE (Aktivierung der letzten Meile durch integrierte, autonome und vernetzte E-Shuttles), das vom Bundesministerium für Verkehr gefördert wird. Es soll klären, wie autonome On-Demand-Angebote den klassischen öffentlichen Personennahverkehr ergänzen können. „Autonomes Fahren leistet einen spürbaren Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität für alle Menschen. Hier in Hamburg wird es Schritt für Schritt Realität“, sagt Patrick Schnieder, Bundesminister für Verkehr. Neben Moia sind die Hamburger Hochbahn, der Fahrzeughersteller Holon und das Karlsruher Institut für Technologie beteiligt. Auch Hamburgs Verkehrssenator Anjes Tjarks unterstreicht die Ambitionen der Stadt: „Mit ALIKE kommt autonomes Ridepooling jetzt einen großen Schritt weiter: raus aus der reinen Erprobung, hinein in den Alltag der Menschen.“

Fazit: Pragmatischer Schritt mit offenem Ausgang

Moia macht in Hamburg den nächsten logischen Schritt und sammelt wertvolle Daten im realen Stadtverkehr. Der Einsatz eines etablierten Systems von Mobileye ist nach dem Scheitern von Argo AI ein pragmatischer und nachvollziehbarer Zug. Dennoch bleibt die Herausforderung enorm. Wettbewerber wie Waymo in den USA betreiben bereits kommerzielle Flotten ohne Sicherheitsfahrer. Der Erfolg von Moia wird davon abhängen, wie schnell das System die technische Reife für den fahrerlosen Betrieb erreicht und ob sich das Geschäftsmodell des Systemintegrators im harten Wettbewerb durchsetzen kann. Der Hamburger Test ist dafür ein wichtiger, aber bei weitem nicht der letzte Meilenstein.

Bild von Maik Machnig

Maik Machnig

Der selbsternannte Nerd liebt Technologie. Sein großer Wunsch: Eine Fahrt quer durch Deutschland in einem autonom fahrenden Auto. Maik freut sich darauf, das Steuer aus der Hand zu geben.

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