Autozulassungen: China-Krise trifft deutsche Hersteller besonders hart

BYD Produktion

Der weltweite Automarkt verliert im ersten Halbjahr 2026 an Fahrt. 20 der größten Automobilhersteller liefern zusammen rund 37,3 Millionen Fahrzeuge aus – 1,1 Millionen weniger als im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Rückgang von 2,8 Prozent. Der Haupttreiber ist eindeutig: der schwächelnde chinesische Markt. Das zeigt der aktuelle Automotive Performance Report 2026 des Center of Automotive Management (CAM).

14 von 20 Herstellern im Minus

Die Absatzbilanz für das erste Halbjahr fällt für die meisten Konzerne negativ aus. 14 der 20 analysierten Hersteller liegen unter dem Vorjahreswert. An der Spitze behauptet sich Toyota mit hochgerechnet 5,3 Millionen Fahrzeugen. Dahinter folgt Volkswagen mit 3,97 Millionen, Hyundai-Kia kommt auf 3,60 Millionen. Stellantis rangiert mit 2,95 Millionen auf Platz vier, GM schließt die Top Five mit rund 2,14 Millionen Einheiten ab.

Auf der Gewinnerseite sticht Tesla heraus: Der US-Elektroautobauer steigert seinen Absatz um 16,3 Prozent. Das Unternehmen profitiert von einer gestiegenen Nachfrage nach Elektrofahrzeugen, einer verbesserten Modellverfügbarkeit und einer schwachen Vergleichsbasis aus dem Vorjahr.

Stellantis legt um 10,8 Prozent zu, getragen von neuen Modellen und einer Erholung in Nordamerika nach den schwachen Vorjahresergebnissen. Die chinesischen Eigenmarken von SAIC (+12,7 %) und Chery (+7,7 %) wachsen vor allem durch internationale Expansion und die Nachfrage nach elektrifizierten Modellen. Suzuki (+9,9 %) profitiert von seiner starken Stellung im robusten Indiengeschäft.

CAM Report HJ 1 2026

Deutsche Hersteller: China-Schwäche zieht Bilanz ins Minus

Für Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz entwickelt sich das erste Halbjahr 2026 zu einer ernsthaften Belastungsprobe. Die deutschen OEM verlieren überdurchschnittlich – zwischen 4,2 und 7,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Volkswagen büßt 6,5 Prozent ein, Mercedes-Benz 7,0 Prozent, BMW kommt mit einem Minus von 4,2 Prozent noch am glimpflichsten davon.

Der Grund liegt vor allem in China, wo alle drei Konzerne massiv einbrechen: VW verliert dort 25,9 Prozent, BMW 20,4 Prozent, Mercedes-Benz sogar 28,3 Prozent. Das Problem ist strukturell: Die deutschen Hersteller haben ihre Stärke traditionell beim Verbrenner, der in China rapide an Bedeutung verliert. Günstigere elektrifizierte Modelle einheimischer Anbieter drängen sie zunehmend aus dem Markt. Selbst bei einer Stabilisierung des Gesamtmarktes drohen weitere Marktanteilsverluste.

Ähnlich hart trifft es die US-Hersteller Ford (-10,0 %) und GM (-9,0 %), die überdurchschnittlich im Heimatmarkt USA verlieren – bedingt durch Portfoliobereinigungen und Lieferprobleme. Der chinesische Elektropionier BYD verliert in China selbst 39 Prozent, was durch Auslandszuwächse nicht kompensiert werden kann, und liegt insgesamt 19,9 Prozent unter dem Vorjahr.

Drei Märkte, drei Entwicklungen

Der globale Absatzrückgang speist sich aus höchst unterschiedlichen Regionaldynamiken. China bricht im ersten Halbjahr 2026 um 20,2 Prozent ein – von 10,9 auf 8,7 Millionen Fahrzeuge. Für das Gesamtjahr rechnet das CAM in China mit nur noch 19,5 Millionen Pkw, was einem Rückgang von über 4 Millionen Einheiten gegenüber dem Vorjahr entspräche. Der Verdrängungswettbewerb verschärft sich dadurch weiter.

Der US-Markt schrumpft moderat um 2,5 Prozent auf 7,89 Millionen Einheiten. Handelspolitische und regulatorische Unsicherheiten belasten die Entwicklung zusätzlich. Europa dagegen wächst um 4,5 Prozent auf 7,13 Millionen Fahrzeuge – gestützt durch steigende Nachfrage nach elektrifizierten Modellen und neue Modellangebote. Der europäische Markt bleibt damit vorerst der stabilste der drei großen Regionen, kann die Verluste anderswo aber bei weitem nicht ausgleichen.

CAM Report HJ 1 2026

„Darwinscher Ausleseprozess“ in der Automobilindustrie

CAM-Studienleiter Stefan Bratzel ordnet die Zahlen in einen größeren Kontext ein: „Die globale Automobilindustrie tritt in eine neue Phase der Marktbereinigung ein, die in einem darwin’schen Ausleseprozess mündet. Wem es nicht gelingt, sich schnell den neuen Markt- und Technologiebedingungen anzupassen, droht längerfristig auszuscheiden bzw. die Unabhängigkeit zu verlieren. Der Absatzrückgang ist dabei Ausdruck einer Kombination aus konjunktureller Schwäche, geopolitischen Unsicherheiten, hohen Finanzierungskosten und einem immer schärferen technologischen Verdrängungswettbewerb. Für die finanzielle Performance der Hersteller sind die Aussichten entsprechend herausfordernd. Sinkende Volumina, Preisdruck und hohe Investitionen in Elektromobilität, Software und neue Fahrzeugarchitekturen belasten gleichzeitig. Hersteller, die den Absatzrückgang nicht durch Produktivitätsfortschritte, geringere Komplexität und konsequente Kostensenkungen kompensieren können, müssen mit deutlich rückläufigen Margen rechnen. Das Jahr 2026 dürfte deshalb zu einem weiteren Beschleuniger der Konsolidierung und Restrukturierung in der globalen Automobilindustrie werden.“

Fazit: Die Schere öffnet sich weiter

Das erste Halbjahr 2026 zeigt deutlich, wer von der aktuellen Marktdynamik profitiert und wer verliert. Tesla, Stellantis und chinesische Anbieter wie SAIC und Chery gewinnen. Die deutschen Premium- und Volumenhersteller stecken dagegen in einer strukturellen Falle: zu abhängig vom chinesischen Markt, zu langsam bei der Elektrifizierung. Für die zweite Jahreshälfte ist keine Trendwende in Sicht. Die Konsolidierungswelle in der globalen Automobilindustrie hat gerade erst begonnen.

Bild von Bernd Troller

Bernd Troller

Auf dem heimischen Dach seinen eigenen Kraftstoff produzieren zu können, ist für Bernd der größte Vorteil der Elektromobilität. Gut, das leise Fahren mit seinem VW ID.3 schätzt er natürlich auch.

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