BYDs Premium-Tochter Denza stellt ihr erstes Offroad-SUV für den europäischen Markt vor: Bao 5. Das Modell feierte seine Premiere beim Goodwood Festival of Speed und soll noch in diesem Jahr ausgeliefert werden. Statt auf einen rein batterieelektrischen Antrieb setzt Denza bei seinem Geländewagen auf eine komplexe Plug-in-Hybrid-Architektur. Das Ziel: hohe Leistung und Geländetauglichkeit mit elektrischer Reichweite für den Alltag zu verbinden.
DMO: Ein Hybrid fürs Grobe
Bào bedeutet im Chinesischen Leopard. Im Heimatmarkt wird der Bao 5 unter der Marke Fang Cheng Bao vertrieben. Aber nach BYD und Denza will man den europäischen Kunden vermutlich nicht mit einer Dritten Submarke, die auch noch schwer auszusprechen ist, verwirren. Also muss Denza herhalten.
Herzstück des Bao 5 ist die DMO-Plattform, was für Dual Mode Off-road steht. Diese Architektur kombiniert einen längs eingebauten 1,5-Liter-Turbobenziner mit zwei Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse. Der Verbrennungsmotor leistet 150 PS, dient aber primär als Generator zur Versorgung der 31,8-kWh-Batterie und der E-Maschinen. Daraus resultiert ein Fahrverhalten, das dem eines reinen Elektrofahrzeugs ähneln soll.
Die Systemleistung liegt bei 544 PS und einem maximalen Drehmoment von 760 Newtonmetern. Damit beschleunigt das 4,90 Meter lange SUV in 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 180 km/h elektronisch begrenzt. Denza verspricht eine rein elektrische Reichweite von 90 Kilometern nach WLTP.
„Premium-Kunden in Europa lieben SUVs, daher sind wir zuversichtlich, dass der Denza BAO 5 hier ein großer Erfolg werden wird. Dank der Flexibilität von DMO ist der BAO 5 bereit, das Unerwartete zu meistern: Er spricht sowohl städtische Nutzer an, die den Gedanken an tägliche Fahrten rein mit Elektroantrieb schätzen, als auch diejenigen, die Offroad-Fähigkeiten wünschen“, sagt Stella Li, Executive Vice President bei BYD.

Klassischer Leiterrahmen, moderne Steuerung
Als Basis für den Bao 5 dient ein klassischer Leiterrahmen, der für hohe Verwindungssteifigkeit im Gelände sorgt. Um das Drehmoment präzise zu verteilen, verbaut Denza drei elektronische Differenzialsperren: je eine an der Vorder- und Hinterachse sowie eine zentrale Energie-Sperre. Laut Hersteller reagieren diese Systeme 30-mal schneller als mechanische Pendants.
Die Ultimate-Version des Bao 5 ist zusätzlich mit dem intelligenten Karosseriekontrollsystem DiSus-P ausgestattet. Dieses hydraulische Fahrwerk wertet Daten von über 20 Sensoren aus und passt die Dämpfung stufenlos an. Es kann die Karosserie um bis zu 140 Millimeter in der Höhe verstellen, wodurch die Bodenfreiheit auf 310 Millimeter steigt. Die Böschungswinkel betragen dann 39 Grad vorn und 34 Grad hinten. Solche Werte sind im Segment der geländegängigen SUVs konkurrenzfähig.
Kantiges Design trifft auf Bildschirm-Landschaft
Das Äußere des Bao 5 ist von einer aufrechten Silhouette und klaren Linien geprägt. Robuste Radhausverkleidungen, ein angedeuteter Unterfahrschutz und ein am Heck montiertes Reserverad unterstreichen den Offroad-Anspruch. Die Abmessungen – 4921 Millimeter Länge, 1970 Millimeter Breite und 1920 Millimeter Höhe – positionieren das Fahrzeug klar in der oberen Mittelklasse.
Im Innenraum dominiert eine digitale Landschaft. Ein 12,3-Zoll-Kombiinstrument und ein Head-up-Display informieren den Fahrer. In der Mitte des Armaturenbretts sitzt ein 15,6-Zoll-Touchscreen. Auch der Beifahrer erhält einen eigenen Bildschirm für das Unterhaltungssystem. Trotz der vielen Displays gibt es in der Mittelkonsole physische Tasten für wichtige Fahrfunktionen. Das Audiosystem mit 18 Lautsprechern stammt vom französischen Spezialisten Devialet. Ein besonderes Detail ist ein 4,5 Liter großes, beheiz- und kühlbares Staufach in der Mittelkonsole.

Blade-Batterie mit mäßiger Ladegeschwindigkeit
Der Stromspeicher des Bao 5 ist eine 31,8-kWh-Blade-Batterie, die mittels Cell-to-Chassis-Technologie direkt in den Leiterrahmen integriert ist. An einer Wechselstrom-Wallbox lädt das Fahrzeug dreiphasig mit bis zu 11 kW. Das ist marktüblicher Standard.
Am Schnelllader fällt die Leistung jedoch ab. Der Bao 5 unterstützt Gleichstromladen (DC) mit maximal 100 kW. Ein Ladevorgang von 30 auf 80 Prozent soll damit 16 Minuten dauern. Für ein Premium-Fahrzeug, das Ende 2026 auf den Markt kommt, ist dieser Wert bestenfalls ausreichend. Viele rein elektrische Konkurrenten bieten bereits heute Ladeleistungen von über 200 kW.
Fazit: Technisch ambitioniert, aber ein Nischenprodukt
Der Denza Bao 5 ist ein technisch komplexes Fahrzeug. Mit seinem Leiterrahmen, den drei Sperrdifferenzialen und dem fortschrittlichen DiSus-P-Fahrwerk zeigt er ernsthafte Ambitionen fürs Gelände. Der DMO-Hybridantrieb liefert beeindruckende Leistungsdaten und bietet die Flexibilität, die manchen Käufern bei reinen E-Autos fehlt.
Gleichzeitig wirft das Konzept Fragen auf. In einem europäischen Premium-Markt, der sich zunehmend auf rein batterieelektrische Fahrzeuge ausrichtet, könnte ein Plug-in-Hybrid ein Nischenprodukt bleiben. Vor allem die begrenzte DC-Ladeleistung von 100 kW passt nicht ganz zum sonst hohen technischen Anspruch.
Der Bao 5 wird sich gegen etablierte Konkurrenten wie den Land Rover Defender mit Plug-in-Hybrid oder den Jeep Wrangler 4xe beweisen müssen und stellt gleichzeitig eine Alternative zu kommenden elektrischen Geländewagen wie dem Mercedes EQG dar. Doch ist und bleibt der Markt für Offroader in Deutschland übersichtlich.



