Wer sein Elektroauto rechtzeitig vom Ladepunkt trennt, bekommt Strom geschenkt. Ionity führt zwei Belohnungsmechanismen ein, die Nutzer der App zu kürzerem und zeitlich verteiltem Laden animieren sollen.
80 Prozent und Schluss: Der Fast Lane Reward
Das Prinzip ist bekannt, die Umsetzung neu: Elektroautos laden zwischen 10 und 80 Prozent am schnellsten. Der letzte Abschnitt bis zur vollen Batterie kostet unverhältnismäßig viel Zeit – und blockiert dabei den Ladepunkt für andere Reisende.
Mit dem Fast Lane Reward setzt Ionity hier an. Wer seinen Ladevorgang beendet, bevor die Batterie 85 Prozent erreicht, erhält automatisch eine Gutschrift von 5 kWh. Voraussetzung: Der Ladevorgang muss zwischen 9 und 17 Uhr beginnen und mindestens 40 kWh umfassen. Die 80-Prozent-Benachrichtigung muss in der Ionity-App aktiviert sein.
Neben der Zeitersparnis für den Fahrer hat das Verhalten einen Nebeneffekt, den Batteriehersteller seit Jahren empfehlen: Regelmäßiges Laden bis 80 Prozent schont die Zellchemie.
Off-Peak Reward: Anreiz für die Nacht
Der zweite Mechanismus zielt auf die Auslastungsverteilung im Tagesverlauf. Wer zwischen 22 und 6 Uhr lädt, erhält ebenfalls 5 kWh gutgeschrieben – gleiche Mindestlademenge, gleiche Bedingungen.
Wer in Schwachlastzeiten lädt, entlastet das Netz und die Infrastruktur. Für Ionity bedeutet das weniger Andrang an stark frequentierten Standorten während der Tagesstunden.
Das gesammelte Guthaben ist in der App unter „Credits & Rewards“ einsehbar und wird beim nächsten Ladevorgang verrechnet. „Gerade während der Sommerreisezeit möchten wir unseren Kundinnen und Kunden das bestmögliche Reiseerlebnis bieten. Mit den richtigen Anreizen stärken wir das Bewusstsein für effizientes Ladeverhalten. Denn intelligentes Laden spart Zeit, verbessert die Verfügbarkeit von Ladepunkten und macht das Reisen für alle ein Stück entspannter„, sagt Christoph Strecker, Head of Rollout bei Ionity.
Charge Champions: Menschliche Unterstützung vor Ort
Parallel zu den digitalen Anreizen kehrt Ionity in diesem Sommer mit der Initiative Charge Champions zurück. An 22 viel frequentierten Standorten entlang europäischer Hauptreiserouten sind Helfer im Einsatz. Sie unterstützen bei Fragen rund ums Laden und sollen den Ablauf an ausgelasteten Standorten während der Ferienzeit in geordnete Bahnen lenken.
Infrastruktur als Engpass
Die Maßnahmen kommen nicht ohne Grund zur Sommerreisezeit. Lange Wartezeiten an Schnellladestandorten gehören zu den meistgenannten Kritikpunkten von Elektroautofahrern auf Langstrecken. Ionity betreibt nach eigenen Angaben über 6.000 Ladepunkte in 24 europäischen Ländern.
Ob finanzielle Gutschriften das Ladeverhalten breiter Nutzergruppen tatsächlich verschieben, bleibt abzuwarten. Konkurrenten wie Fastned oder der Tesla Supercharger setzen bislang nicht auf vergleichbare Reward-Mechanismen. Ionity testet damit einen Ansatz, der aus dem Mobilitäts- und Sharing-Sektor bekannt ist: Verhalten über Mikro-Anreize steuern, ohne direkte Einschränkungen einzuführen.


