Bentley Torcal: Das erste Elektroauto aus Crewe hat einen Namen

Bentley Torcal

Bentley gibt seinem ersten E-Auto den Namen: Torcal. Das rund fünf Meter lange Crossover der britischen VW-Tochter tritt am 23. September 2026 in London ins Rampenlicht. Es ist die vierte Baureihe der Marke neben Continental GT, Flying Spur und Bentayga.

Der Start kommt mit einem Jahr Verspätung, denn die Nachfrage nach teuren Elektroautos blieb hinter den Erwartungen zurück. Vom ursprünglichen Plan, bis 2030 komplett auf Elektroantrieb umzustellen, hat sich Bentley bereits verabschiedet.

Kalkstein statt Kontinent

Mit dem Torcal setzt Bentley seine Praxis fort, Modelle nach Naturlandschaften zu benennen. Nach Bentayga, Bacalar und Batur stand diesmal El Torcal de Antequera Pate, eine Kalksteinformation in Andalusien. Zugleich verweist der Name auf das lateinische Verb torquere für drehen, aus dem sich das englische Wort Drehmoment ableitet.

Technik vom Porsche Cayenne Electric

Das Serienmodell setzt die Studie EXP 15 aus dem vergangenen Jahr um und positioniert sich unterhalb des Bentayga, der als Verbrenner im Programm bleibt und 2028 eine neue Generation erhält. Technisch teilt sich der Torcal die Basis mit dem Porsche Cayenne Electric. Erwartet werden eine Batterie mit 113 kWh Kapazität und eine Ladeleistung von bis zu 390 kW, was den Hub von 10 auf 80 Prozent in unter 16 Minuten erlauben soll. Alle Versionen erhalten zwei Elektromotoren, die Leistung nennt Bentley noch nicht. Branchenbeobachter erwarten rund 650 PS, also deutlich weniger als die Spitzenwerte elektrischer Sportlimousinen. Die Reichweite soll bei mehr als 480 Kilometern liegen. Rekorde strebt die Marke bewusst nicht an.

Neues Gesicht, alte Tugenden

Optisch bricht der Torcal mit den aktuellen Modellen. Eine beleuchtete Kühlergrill-Interpretation, vertikale LED-Scheinwerfer und ein Heckelement, das an die Kofferaufbauten klassischer Bentleys aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erinnert, definieren den künftigen Markenstil. Im Innenraum kombiniert Bentley einen 14,25 Zoll großen Zentralbildschirm mit physischen Tasten und Metallreglern. Die Marke reagiert damit auf eine wachsende Ermüdung der Kundschaft gegenüber rein digitalen Bedienkonzepten. Offen bleibt die Frage nach dem Klang: Bentley will den charakteristischen Sound der Marke erhalten, ohne einen Verbrennungsmotor künstlich zu simulieren. Wie das gelingen soll, verrät der Hersteller nicht.

Wettbewerb: Range Rover Electric als direkter Gegner

Preislich ordnet sich der Torcal bei rund 170.000 Pfund ein, umgerechnet etwa 200.000 Euro. Der wichtigste Konkurrent wird der ebenfalls kurz vor dem Debüt stehende Range Rover Electric. Im weiteren Umfeld positionieren sich Rolls-Royce Spectre und Mercedes-Maybach EQS SUV, die allerdings andere Karosseriekonzepte verfolgen. Bentley fährt inzwischen eine vorsichtigere Strategie: Statt des kompletten Elektro-Umstiegs bis 2030 plant die Marke nun bis 2035 jedes Jahr ein neues Elektroauto oder einen Plug-in-Hybrid. Erst ab 2035 soll das Portfolio ausschließlich elektrisch sein.

Fazit: Später Start mit kalkuliertem Risiko

Der Torcal kommt spät, aber zu einem klug gewählten Zeitpunkt. Bentley hat die Schwächephase des Luxus-Elektromarkts abgewartet und profitiert nun von ausgereifter Konzerntechnik aus dem Cayenne Electric. Das Risiko bleibt trotzdem: Rolls-Royce verkauft vom Spectre überschaubare Stückzahlen, und ob Bentley-Kunden den Zwölf- und Achtzylinder-Klang gegen Stille eintauschen, muss die Marke erst beweisen. Dass der Bentayga parallel als Verbrenner weiterläuft und 2028 sogar eine neue Generation erhält, zeigt, wie wenig Crewe der eigenen Elektro-Wette traut. Der Torcal ist damit weniger Aufbruch als Absicherung, technisch solide unterfüttert, strategisch auf Nummer sicher.

Bild von Maik Machnig

Maik Machnig

Der selbsternannte Nerd liebt Technologie. Sein großer Wunsch: Eine Fahrt quer durch Deutschland in einem autonom fahrenden Auto. Maik freut sich darauf, das Steuer aus der Hand zu geben.

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